Monosymptomatische Enuresis nocturna (MEN): NUR nächtliches Einnässen, tagsüber komplett trocken und symptomfrei. Häufigste Form (85%). Reifungsverzögerung, oft familiär (67% bei beiden Elternteilen betroffen, 44% bei einem Elternteil).
Nicht-monosymptomatische Enuresis (NMEN): Nächtliches Einnässen PLUS Tagessymptome (Pollakisurie, Dranginkontinenz, Miktionsaufschub, Hocksitz). Erfordert erweiterte Diagnostik (Sonografie, Uroflowmetrie, Restharn, ggf. Urodynamik).
Sekundäre Enuresis: Wiederauftreten nach mindestens 6 Monaten Trockenheit. Häufig psychisch ausgelöst (Geburt eines Geschwisterkindes, Scheidung, Mobbing, Missbrauch). Aber auch organisch möglich: HWI, Diabetes mellitus (Polyurie!), Obstipation (drückt auf die Blase).
Basisdiagnostik: Anamnese (Häufigkeit, Tagesymptome, Trinkmenge, Stuhlgang, Familienanamnese, psychosoziale Belastung). 48h-Miktions-/Trinkprotokoll. Urinuntersuchung (HWI ausschließen). Sonografie: Blasenwanddicke, Restharn, Nieren (Fehlbildung?).
Stufe 1 – Urotherapie (immer zuerst): Trinkmengenregulation (70% der Trinkmenge bis 16 Uhr, wenig abends), regelmäßige Miktion (alle 2–3h tagsüber), Obstipationsbehandlung (häufig unterschätzt!), Entlastung von Schuld und Scham (das Kind kann nichts dafür!), Kalender mit Belohnungssystem (Sonne/Wolke).
Stufe 2a – Alarmtherapie (Klingelmatte): Feuchtigkeitssensor in der Unterhose weckt das Kind bei Einnässen. Konditionierung des Aufwachens bei voller Blase. Höchste Langzeiterfolgsrate (70%) aller Therapien, aber: erfordert Motivation von Kind UND Eltern, wirkt erst nach 2–3 Monaten, Therapiedauer: mindestens 16 Wochen. Nicht geeignet bei: mangelnder Compliance, Mehrkindzimmer, erschöpften Eltern.
Stufe 2b – Desmopressin: Synthetisches ADH (antidiuretisches Hormon). Reduziert die nächtliche Urinproduktion. Schmelztablette 120–240 µg abends. Schnelle Wirkung (oft ab der ersten Nacht!), aber: hohe Rückfallrate nach Absetzen (60–70%). Ausschleichendes Absetzen über 3 Monate reduziert Rückfälle. Cave: Trinkmenge ab 1h vor Einnahme einschränken (Hyponatriämie-Risiko, besonders bei >65 Jahre).