Die Hoden (Testes) liegen im Hodensack und haben zwei Hauptfunktionen: die Produktion von Spermien (Spermatogenese) in den Samenkanälchen und die Synthese des männlichen Geschlechtshormons Testosteron in den Leydig-Zwischenzellen. Die optimale Spermatogenese erfordert eine Temperatur von ca. 35°C – daher die Lage außerhalb des Körpers. Die Nebenhoden (Epididymis) dienen der Reifung und Speicherung der Spermien. Der Penis besteht aus zwei Schwellkörpern (Corpora cavernosa) und dem Harnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum).
Die regelmäßige Selbstuntersuchung ab der Pubertät ist die wichtigste Früherkennungsmaßnahme. Am besten unter der warmen Dusche, wenn der Hodensack entspannt ist: Jeden Hoden einzeln zwischen Daumen und Zeigefinger vorsichtig abtasten und auf Veränderungen achten. Jede schmerzlose Schwellung, Verhärtung oder tastbare Veränderung sollte innerhalb weniger Tage urologisch abgeklärt werden. Hodenkrebs ist bei frühzeitiger Diagnose fast immer heilbar.
Etwa 15% aller Paare sind ungewollt kinderlos, in ca. 50% der Fälle liegt (auch) ein männlicher Faktor vor. Das Spermiogramm nach WHO-Kriterien ist die Basisuntersuchung. Häufige Ursachen männlicher Subfertilität sind Varikozelen, Infektionen, hormonelle Störungen (Hypogonadismus), genetische Faktoren (Klinefelter-Syndrom, Y-Mikrodeletionen) und Lifestyle-Faktoren (Rauchen, Übergewicht, Hitzeexposition). Therapieoptionen reichen von Varikozelenoperation über hormonelle Stimulation bis zu assistierter Reproduktion (IVF/ICSI).
Hodenkrebs ist der häufigste Krebs junger Männer (18-35 Jahre) mit ca. 4.000 Neudiagnosen pro Jahr in Deutschland. Die gute Nachricht: Heilungsraten über 95%, auch bei Metastasierung über 80%. Das wichtigste Früherkennungsinstrument ist die regelmäßige Selbstuntersuchung – eine schmerzlose Verhärtung oder Schwellung des Hodens muss sofort urologisch abgeklärt werden. Diagnostik: Ultraschall, Tumormarker (AFP, β-hCG, LDH). Therapie: inguinale Orchidektomie (niemals transskrotale Biopsie!), bei Metastasen BEP-Chemotherapie mit exzellenten Heilungsraten.
Erektile Dysfunktion betrifft 20% der Männer über 40, mit steigender Häufigkeit im Alter. Häufige Ursachen: vaskulär (Arteriosklerose – gleiche Risikofaktoren wie Herzinfarkt), Diabetes, Medikamente (Betablocker, Antidepressiva), psychogen, nach Prostatektomie (Nervschädigung). ED kann ein Frühwarnsignal für kardiovaskuläre Erkrankungen sein – urologische Abklärung plus kardiovaskuläres Screening empfohlen. Therapiestufenplan: PDE5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil), SKIT (Schwellkörperinjektion), Vakuumpumpe, Penisprothesenimplantation als letzte Option mit >90% Patientenzufriedenheit.
Varikozele (Krampfadern am Hoden): betrifft 15-20% aller Männer, häufigste behandelbare Ursache männlicher Infertilität. Hydrozele (Wasserbruch): schmerzlose Schwellung des Hodensacks durch Flüssigkeitsansammlung. Phimose (Vorhautverengung): bei Kindern zunächst konservativ mit Kortisonsalbe (70-90% Erfolg), OP nur bei Therapieversagen. Hodentorsion: absoluter Notfall! Akuter einseitiger Hodenschmerz beim Kind/Jugendlichen ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Torsion – OP innerhalb von 6 Stunden, sonst Hodenverlust.
⚠️ Medizinischer Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden Ihren Urologen.