Äußeres Genital

Klimakterium virile (Altershypogonadismus)

Testosteronmangel des alternden Mannes. Symptome: Müdigkeit, Libidoverlust, Muskelschwund. Häufig unterdiagnostiziert.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Das Klimakterium virile – heute als Late-Onset Hypogonadism (LOH) oder Altershypogonadismus bezeichnet – beschreibt den allmählichen Testosteronabfall des alternden Mannes. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel um ca. 1–2% pro Jahr. Klinisch relevant wird es, wenn Symptome auftreten UND der Gesamttestosteron-Spiegel unter 12 nmol/l (3,5 ng/ml) fällt.
1–2%
Abfall/Jahr ab 40
20–30%
der Männer >60 betroffen
<12
nmol/l = behandlungsbedürftig
Wichtig: Der Begriff „männliche Wechseljahre" ist medizinisch nicht korrekt – anders als bei der Frau gibt es keinen abrupten Hormonstopp. Der Übergang ist fließend und individuell sehr unterschiedlich.

Symptome

Sexuelle Symptome
Libidoverlust, Erektionsstörungen, verminderte morgendliche Erektionen, abnehmende Ejakulatmenge. Diese Symptome korrelieren am stärksten mit dem Testosteronspiegel.
Körperliche Symptome
Muskelschwund (Sarkopenie), Zunahme des Bauchfetts, Abnahme der Knochendichte (Osteoporose-Risiko!), Anämie, chronische Müdigkeit.
Psychische Symptome
Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen.
AMS-Fragebogen
Der Aging Males Symptoms Score hilft bei der Einschätzung. Cave: Viele Symptome sind unspezifisch und können andere Ursachen haben (Depression, Hypothyreose, Schlafapnoe, Diabetes).

Diagnostik

Gesamttestosteron: Morgens (8–11 Uhr) nüchtern abnehmen. Zwei Messungen an verschiedenen Tagen. <12 nmol/l = Hypogonadismus, 8–12 = Graubereich (zusätzlich freies Testosteron bestimmen).
SHBG + freies Testosteron: SHBG steigt im Alter → bioverfügbares Testosteron kann niedrig sein bei noch normalem Gesamttestosteron.
LH/FSH: Unterscheidung primärer (testikulärer, LH↑) vs. sekundärer (hypophysärer, LH↓) Hypogonadismus.
Begleitdiagnostik: PSA (vor Therapiebeginn!), Blutbild (Hämatokrit), Lipidprofil, HbA1c, Knochendichtemessung bei Risikopatienten.

Therapie: Testosteronersatz (TRT)

Kontraindikationen: Prostatakarzinom (aktiv), Mammakarzinom, Hämatokrit >54%, schwere Herzinsuffizienz, aktiver Kinderwunsch (Testosteron unterdrückt Spermatogenese!), unbehandelte Schlafapnoe.
Topisch: Gel (Testogel®, Androtop®)
Tägliches Auftragen auf Schultern/Oberarme. Gleichmäßige Spiegel. Übertragungsrisiko durch Hautkontakt (Partnerin, Kinder!) → Kleidung bedecken, Hände waschen.
Injektion: Testosteronundecanoat (Nebido®)
i.m. alle 10–14 Wochen. Vorteil: kein tägliches Auftragen. Nachteil: Schwankungen der Spiegel, Injektionsschmerz, nicht schnell absetzbar.
Monitoring unter TRT: PSA und Hämatokrit nach 3, 6 und 12 Monaten, dann jährlich. Hämatokrit >54% → Dosis reduzieren oder Therapie pausieren. DRU jährlich. Testosteronspiegel im mittleren Normbereich halten (15–20 nmol/l).

Häufige Fragen (FAQ)

Gibt es wirklich Wechseljahre beim Mann?

Nicht im eigentlichen Sinne. Anders als bei der Frau gibt es keinen abrupten Hormonstopp. Der Testosteronspiegel sinkt langsam und individuell unterschiedlich. Manche Männer haben mit 80 noch normale Werte, andere schon mit 50 einen behandlungsbedürftigen Mangel.

Ist Testosteron-Ersatztherapie gefährlich?

Bei korrekter Indikation und Überwachung ist TRT sicher. Wichtig: regelmäßige PSA- und Hämatokrit-Kontrolle. Die frühere Annahme, Testosteron verursache Prostatakrebs, ist durch aktuelle Studien widerlegt. Kontraindikation: aktives PCa, Kinderwunsch, Hämatokrit über 54%.

Quellen

Dohle, G. R. et al. EAU Guidelines on Male Hypogonadism. European Association of Urology, 2024.
Bhasin, S. et al. Testosterone Therapy in Men with Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. JCEM, 2018.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.