Anatomie und Funktion
Die Prostata (Vorsteherdrüse) umschließt ringförmig den Anfangsteil der Harnröhre unterhalb der Harnblase. Sie besteht aus etwa 30 bis 50 Einzeldrüsen, die ein dünnflüssiges, leicht saures Sekret produzieren. Dieses Prostatasekret macht etwa 30 Prozent des Ejakulats aus und enthält Enzyme (u.a. PSA, prostataspezifisches Antigen), Zink und Spermin, die für die Verflüssigung des Ejakulats und die Beweglichkeit der Spermien wichtig sind. Die Prostata wird in verschiedene Zonen eingeteilt (periphere Zone, Transitionalzone, zentrale Zone). Die meisten Karzinome entstehen in der peripheren Zone, die BPH hingegen in der Transitionalzone.

Illustration: Servier Medical Art, lizenziert unter CC BY 4.0, Beschriftung UroWissen.
Häufige Erkrankungen
Drei Krankheitsbilder machen den größten Teil aus. Die gutartige Vergrößerung betrifft mehr als die Hälfte der Männer ab fünfzig und macht sich fast ausschließlich beim Wasserlassen bemerkbar, weil das wachsende Gewebe die Harnröhre einengt. Sie ist keine Vorstufe von Krebs, auch wenn beides gleichzeitig vorkommen kann.
Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Es wächst meist langsam und verursacht im heilbaren Stadium keine Beschwerden, weshalb es fast immer über den PSA-Wert oder die Tastuntersuchung entdeckt wird und nicht über Symptome.
Die Prostatitis schließlich trifft Männer jeden Alters. Bei über neun von zehn Männern mit chronischen Beschwerden findet sich kein Erreger; dann liegt meist ein verspannter Beckenboden zugrunde, siehe Beckenbodenschmerzen. Sie kann als akute bakterielle Entzündung mit Fieber auftreten, häufiger ist jedoch die chronische Form mit Schmerzen im Becken, bei der sich kein Erreger nachweisen lässt.
Welche Beschwerde führt wohin?
Fast alle Beschwerden, die von der Prostata ausgehen, betreffen das Wasserlassen. Das liegt an ihrer Lage: Sie umschließt die Harnröhre wie ein Ring, direkt unter der Blase. Was Sie unten spüren, hat seinen Ursprung oben.
PSA-Wert: Was Sie wissen sollten
Das prostataspezifische Antigen (PSA) wird ausschließlich von der Prostata produziert und ist im Blut messbar. Ein erhöhter PSA-Wert (Grenzwert traditionell 4 ng/ml) kann auf ein Karzinom hindeuten, aber auch andere Ursachen haben: BPH, Prostatitis, mechanische Reizung (Radfahren, Katheter, Biopsie) oder Ejakulation. Wichtiger als der Einzelwert sind die PSA-Dynamik (Velocity/Anstiegsgeschwindigkeit), die PSA-Dichte (Bezug zum Prostatavolumen), das Verhältnis freies/Gesamt-PSA und der phi-Wert. Die Entscheidung zum PSA-Screening sollte individuell nach Aufklärung über Vor- und Nachteile mit dem Urologen getroffen werden (shared decision making). Die S3-Leitlinie empfiehlt Männern ab 45 Jahren (bei familiärer Belastung ab 40) ein Beratungsgespräch zur Früherkennung.
Prostatakrebs: Der häufigste Krebs des Mannes
Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen im Jahr der häufigste Krebs des Mannes in Deutschland. Das Tückische: In frühen Stadien verursacht er keinerlei Symptome. Erst bei fortgeschrittenem Wachstum können Beschwerden wie Knochenschmerzen, Blut im Urin oder Harnstauung auftreten. Die Früherkennung mittels PSA-Wert und digital-rektaler Untersuchung (DRU) ab 45 Jahren ist daher entscheidend. Neue Methoden wie das multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata und die MRT-Fusionsbiopsie haben die Diagnostik revolutioniert: Klinisch signifikante Karzinome werden gezielter erkannt, unnötige Biopsien vermieden.
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Die benigne Prostatahyperplasie betrifft jeden zweiten Mann über 50 und bis zu 90 Prozent der über 80-Jährigen. Die vergrößerte Drüse engt die Harnröhre ein und führt zu typischen Beschwerden: schwacher Harnstrahl, nächtliches Wasserlassen (Nykturie), Restharngefühl, Nachträufeln. Die Therapie reicht von Medikamenten (Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer) über minimal-invasive Verfahren (UroLift, Rezūm, Aquablation) bis zur operativen Behandlung (HoLEP, TUR-P). Die Wahl der Therapie hängt von Prostatavolumen, Symptomstärke und dem Wunsch nach Ejakulationserhalt ab.
Vorsorge rettet Leben
Die urologische Vorsorge für den Mann ab 45 Jahren umfasst: Tastuntersuchung der Prostata (DRU), PSA-Bestimmung im Blut (Kassenleistung ab 45 bei familiärer Belastung, sonst IGeL), Urinuntersuchung und Ultraschall der Nieren und Blase. Bei auffälligem PSA-Wert folgt ein multiparametrisches MRT der Prostata (PI-RADS-Klassifikation). Nur bei Verdacht auf ein klinisch signifikantes Karzinom (PI-RADS 4-5) wird eine gezielte MRT-Fusionsbiopsie durchgeführt. Dieser stufenweise Ansatz vermeidet Überdiagnostik und erkennt gleichzeitig aggressive Tumoren frühzeitig.