Die Prostata (Vorsteherdrüse) umschließt ringförmig den Anfangsteil der Harnröhre unterhalb der Harnblase. Sie besteht aus ca. 30–50 Einzeldrüsen, die ein dünnflüssiges, leicht saures Sekret produzieren. Dieses Prostatasekret macht etwa 30% des Ejakulats aus und enthält Enzyme (u.a. PSA – prostataspezifisches Antigen), Zink und Spermin, die für die Verflüssigung des Ejakulats und die Beweglichkeit der Spermien wichtig sind. Die Prostata wird in verschiedene Zonen eingeteilt (periphere Zone, Transitionalzone, zentrale Zone). Die meisten Karzinome entstehen in der peripheren Zone, die BPH hingegen in der Transitionalzone.
Das prostataspezifische Antigen (PSA) wird ausschließlich von der Prostata produziert und ist im Blut messbar. Ein erhöhter PSA-Wert (Grenzwert traditionell 4 ng/ml) kann auf ein Karzinom hindeuten, aber auch andere Ursachen haben: BPH, Prostatitis, mechanische Reizung (Radfahren, Katheter, Biopsie) oder Ejakulation. Wichtiger als der Einzelwert sind die PSA-Dynamik (Velocity/Anstiegsgeschwindigkeit), die PSA-Dichte (Bezug zum Prostatavolumen), das Verhältnis freies/Gesamt-PSA und der phi-Wert. Die Entscheidung zum PSA-Screening sollte individuell nach Aufklärung über Vor- und Nachteile mit dem Urologen getroffen werden (shared decision making). Die S3-Leitlinie empfiehlt Männern ab 45 Jahren (bei familiärer Belastung ab 40) ein Beratungsgespräch zur Früherkennung.
Die urologische Therapie der Prostataerkrankungen hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Bei der BPH stehen neben den klassischen Verfahren (TUR-P, offene Adenomenukleation) heute minimal-invasive Optionen wie UroLift, Rezum (Dampftherapie), Aquablation und die HoLEP (Holmium-Laser-Enukleation) zur Verfügung. Beim Prostatakarzinom reicht das Spektrum von Active Surveillance über die roboterassistierte radikale Prostatektomie (Da Vinci), verschiedene Formen der Strahlentherapie (IMRT, Brachytherapie, Protonentherapie) bis hin zu fokalen Therapien (HIFU, irreversible Elektroporation/NanoKnife, fokale Laserablation).
Das Prostatakarzinom ist mit rund 70.000 Neudiagnosen pro Jahr der häufigste Krebs des Mannes in Deutschland. Das Tückische: In frühen Stadien verursacht er keinerlei Symptome. Erst bei fortgeschrittenem Wachstum können Beschwerden wie Knochenschmerzen, Blut im Urin oder Harnstauung auftreten. Die Früherkennung mittels PSA-Wert und digital-rektaler Untersuchung (DRU) ab 45 Jahren ist daher entscheidend. Neue Methoden wie das multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata und die MRT-Fusionsbiopsie haben die Diagnostik revolutioniert: Klinisch signifikante Karzinome werden gezielter erkannt, unnötige Biopsien vermieden.
Die benigne Prostatahyperplasie betrifft jeden zweiten Mann über 50 und bis zu 90% der über 80-Jährigen. Die vergrößerte Drüse engt die Harnröhre ein und führt zu typischen Beschwerden: schwacher Harnstrahl, nächtliches Wasserlassen (Nykturie), Restharngefühl, Nachträufeln. Die Therapie reicht von Medikamenten (Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer) über minimal-invasive Verfahren (UroLift, Rezūm, Aquablation) bis zur operativen Behandlung (HoLEP, TUR-P). Die Wahl der Therapie hängt von Prostatavolumen, Symptomstärke und dem Wunsch nach Ejakulationserhalt ab.
Die urologische Vorsorge für den Mann ab 45 Jahren umfasst: Tastuntersuchung der Prostata (DRU), PSA-Bestimmung im Blut (Kassenleistung ab 45 bei familiärer Belastung, sonst IGeL), Urinuntersuchung und Ultraschall der Nieren und Blase. Bei auffälligem PSA-Wert folgt ein multiparametrisches MRT der Prostata (PI-RADS-Klassifikation). Nur bei Verdacht auf ein klinisch signifikantes Karzinom (PI-RADS 4-5) wird eine gezielte MRT-Fusionsbiopsie durchgeführt. Dieser stufenweise Ansatz vermeidet Überdiagnostik und erkennt gleichzeitig aggressive Tumoren frühzeitig.
⚠️ Medizinischer Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden Ihren Urologen.