Überblick
Ein Prostataabszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in der Prostata – eine seltene aber ernste Komplikation einer akuten bakteriellen Prostatitis. Betrifft vor allem immungeschwächte Patienten (Diabetes, HIV, Immunsuppression), Patienten mit Dauerkatheter und Männer über 50 mit BPH. Häufigste Erreger: E. coli, Staphylokokken. Unbehandelt kann ein Prostataabszess in die Harnröhre, das Rektum oder das perineum perforieren.

Eigene Darstellung nach UKMP, 2026
Symptome & Diagnostik
Symptome ähneln einer schweren akuten Prostatitis: Hohes Fieber (>39°C), Schüttelfrost, starke Schmerzen perineal/suprapubisch, Harnverhalt, allgemeines Krankheitsgefühl. Hinweis auf Abszess: Prostatitis die unter Antibiotika NICHT besser wird (nach 48–72h). Diagnostik: Transrektaler Ultraschall (TRUS) zeigt die Eiterhöhle. MRT bei unklarem Befund. Labor: Leukozyten↑, CRP↑↑, Procalcitonin↑. DRU: Fluktuierende, extrem druckschmerzhafte Prostata – VORSICHTIG tasten, keine Prostatamassage (Sepsisrisiko!).
Therapie
Kleine Abszesse (<2cm): Konservativ mit i.v. Breitband-Antibiotikum (Cephalosporin + Metronidazol oder Fluorchinolon), ggf. CT-/TRUS-gesteuerte Punktion und Drainage. Große Abszesse (>2cm): Transrektale oder transperineale Punktion und Drainage unter Ultraschallkontrolle. Spülung und Einlage einer Drainage. In seltenen Fällen:
TUR-P zur Eröffnung (Deroofing) – nur bei multilokulären Abszessen. Antibiotikum i.v. für 2–4 Wochen, dann oral für weitere 2–4 Wochen. Prognose: Bei rechtzeitiger Drainage gut. Ohne Therapie: Perforation, Sepsis, lebensbedrohlich.
Risikofaktoren und Diagnostik
Risikofaktoren: Diabetes mellitus (häufigster Risikofaktor – oft Erstmanifestation!), Immunsuppression, Z.n. Prostatabiopsie, Katheter-assoziierte Infektion, unbehandelte akute Prostatitis. Erreger: E. coli (häufigster), Staphylococcus aureus (bei hämatogener Streuung), Pseudomonas.
Klinisch: Wie akute Prostatitis, aber: Persistenz von Fieber trotz 48–72h adäquater Antibiose → V.a. Abszess! DRU: pralle, fluktuierende, extrem druckdolente Prostata. CAVE: Vorsichtige Palpation – kein kräftiges Pressen (Gefahr der Abszessruptur in die Harnröhre oder perineal).
Bildgebung: TRUS (transrektaler Ultraschall): echoarme/zystische Raumforderung in der Prostata (Goldstandard!). MRT: Bei unklarem TRUS oder großem Abszess (zeigt Ausdehnung, periprostatische Beteiligung).
Therapie
Konservativ (Abszess <2 cm): i.v.-Antibiose mit prostatagewebegängigen Antibiotika: Ciprofloxacin + Metronidazol oder Meropenem. Engmaschige TRUS-Kontrolle alle 48–72h.
Drainage (Abszess ≥2 cm oder keine Besserung): Transrektale US-gesteuerte Punktion und Drainage (ambulant möglich, aber oft stationäre Überwachung). Alternative: transperineale Drainage (geringeres Sepsisrisiko). Selten: TUR-P-Entdachung des Abszesses (bei großem Abszess oder Versagen der Drainage). Therapiedauer: 4–6 Wochen Antibiose (Gewebepenetration!).
Sonderfall: Prostataabszess bei Immunsuppression
Bei immunsupprimierten Patienten (HIV, Transplantation, Chemotherapie, Diabetes) verläuft der Prostataabszess atypisch: Die klassischen Symptome (Fieber, perinealer Schmerz) können fehlen oder abgeschwächt sein. Erreger weichen häufiger von E. coli ab: Staphylococcus aureus (bei hämatogener Streuung – i.v.-Drogengebrauch!), Pseudomonas, Mykobakterien (Tuberkulose – Cave bei Migranten aus Hochprävalenzländern), Pilze (Candida bei Neutropenie). Die Drainage-Schwelle sollte bei diesen Patienten niedriger angesetzt werden (auch Abszesse unter zwei Zentimetern drainieren). Antibiotikatherapie verlängert auf sechs bis acht Wochen. Bildgebung (TRUS oder MRT) engmaschig alle 48–72 Stunden bis zur gesicherten Regredienz.
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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.