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Urosepsis

Lebensbedrohliche Sepsis vom Urogenitaltrakt. Mortalität 20–40%.
📅 Aktualisiert: April 2026

Lebensbedrohlicher Notfall

Urosepsis ist eine Sepsis mit Fokus im Urogenitaltrakt – die häufigste Ursache für einen septischen Schock in der Urologie. Mortalität: 20–40%, bei septischem Schock bis 60%. Häufigste Konstellation: Harnleiterstein + Infektion = infizierte Harnstauung (40%). Weitere Ursachen: Nach urologischen Eingriffen (TUR-P, Prostatastanzbiopsie), Dauerkatheter, Prostataabszess, Pyelonephritis mit Obstruktion.

Erkennung

🚨 Sepsis-Zeichen (qSOFA)
• Atemfrequenz ≥22/Min.
• Systolischer RR ≤100 mmHg
• Veränderte Vigilanz (GCS <15)
≥2 Kriterien = V.a. Sepsis → sofortige Intervention!

Klassische Trias: Fieber/Schüttelfrost + Flankenschmerz + Dysurie. Bei älteren oder immunsupprimierten Patienten kann Fieber fehlen! Laktat >2 mmol/l = Organminderperfusion. Procalcitonin (PCT) als Verlaufsmarker.

Therapie: Jede Stunde zählt

SOFORT (innerhalb 1 Stunde!)
Blutkulturen abnehmen (VOR Antibiose!). Breitspektrum-Antibiose: Piperacillin/Tazobactam oder Meropenem. Volumentherapie 30 ml/kg kristalloid. Laktat-Messung.
ENTSCHEIDEND: Fokussanierung
Harnstauung sofort entlasten (DJ-Katheter oder perkutane Nephrostomie). Ohne Entlastung des Fokus kann die Sepsis NICHT beherrscht werden! Prostataabszess → Drainage. Katheter → Wechsel.
Intensivmedizin
Vasopressoren bei Schock (Noradrenalin First-Line). Monitoring: Laktat, Diurese, Organfunktion. Definitive Steintherapie ERST nach Ausheilung der Sepsis!

Pathogenese und Risikofaktoren

Ausgangsherd: Obstruktive Pyelonephritis (Harnleiterstein + Infektion – häufigste Ursache!), infizierte Harnstauungsniere, Prostataabszess, Fournier-Gangrän, Z.n. urologische Eingriffe (TUR-P, Biopsie, Steinbehandlung). Erreger: E. coli (50–60%), Klebsiella, Proteus, Pseudomonas, Enterococcus.

Risikopatienten: Diabetes mellitus, Immunsuppression, hohes Alter, Harnwegsobstruktion, Dauerkatheter, Z.n. urologische Instrumentierung.

Notfallmanagement

Urosepsis = Lebensbedrohlich! Mortalität 20–40%. Jede Stunde ohne Therapie erhöht die Mortalität um 7,6%. SOFORT: Blutkultur → Breitbandantibiose i.v. (innerhalb 1 Stunde!) → Harnableitung entlasten.

Hour-1-Bundle: Blutkultur (2 Sets), Laktat, Breitband-Antibiose (Piperacillin/Tazobactam oder Meropenem), Volumenbolus (30 ml/kg kristalloid in 3h bei Hypotension), Noradrenalin bei MAP <65 mmHg trotz Volumen.

Urologische Entlastung (SOFORT): DJ-Stent-Einlage oder perkutane Nephrostomie bei obstruktiver Ursache. Die Entlastung der Harnstauung hat Priorität vor jeder anderen Maßnahme! Keine definitive Steintherapie in der Sepsis – erst entlasten, dann im Intervall (4–6 Wochen) Stein behandeln.

Antibiotika nach Kultur: Anpassung nach Antibiogramm. Therapiedauer: 10–14 Tage i.v., dann Oralisierung. Kontrolle: Procalcitonin-gesteuerte Therapiesteuerung (Abfall >80% → Antibiose beenden).

Prävention und Risikominimierung

Die Urosepsis-Prävention beginnt bei der Vermeidung urologischer Infektionen. Vor instrumentellen Eingriffen (TUR-P, Biopsie, Steinbehandlung, Stent-Wechsel): Urinkultur vorher, bei positivem Befund Antibiose einleiten und Eingriff verschieben. Perioperative Antibiotikaprophylaxe nach EAU-Empfehlung (Einmalgabe, nicht routinemäßige Mehrtagestherapie). Bei obstruktiver Uropathie (Stauungsniere) und Infektzeichen: sofortige Entlastung BEVOR die definitive Steintherapie geplant wird – ein infizierter Stein in einer gestauten Niere darf NICHT primär behandelt werden. DJ-Stent oder Nephrostomie zuerst, Antibiotikatherapie, dann Steinbehandlung im infektfreien Intervall (vier bis sechs Wochen). Risikopatienten (Diabetes, Immunsuppression, Dauerkatheter) engmaschig überwachen.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.