Klassische Trias: Fieber/Schüttelfrost + Flankenschmerz + Dysurie. Bei älteren oder immunsupprimierten Patienten kann Fieber fehlen! Laktat >2 mmol/l = Organminderperfusion. Procalcitonin (PCT) als Verlaufsmarker.
Ausgangsherd: Obstruktive Pyelonephritis (Harnleiterstein + Infektion – häufigste Ursache!), infizierte Harnstauungsniere, Prostataabszess, Fournier-Gangrän, Z.n. urologische Eingriffe (TUR-P, Biopsie, Steinbehandlung). Erreger: E. coli (50–60%), Klebsiella, Proteus, Pseudomonas, Enterococcus.
Risikopatienten: Diabetes mellitus, Immunsuppression, hohes Alter, Harnwegsobstruktion, Dauerkatheter, Z.n. urologische Instrumentierung.
Hour-1-Bundle: Blutkultur (2 Sets), Laktat, Breitband-Antibiose (Piperacillin/Tazobactam oder Meropenem), Volumenbolus (30 ml/kg kristalloid in 3h bei Hypotension), Noradrenalin bei MAP <65 mmHg trotz Volumen.
Urologische Entlastung (SOFORT): DJ-Stent-Einlage oder perkutane Nephrostomie bei obstruktiver Ursache. Die Entlastung der Harnstauung hat Priorität vor jeder anderen Maßnahme! Keine definitive Steintherapie in der Sepsis – erst entlasten, dann im Intervall (4–6 Wochen) Stein behandeln.
Antibiotika nach Kultur: Anpassung nach Antibiogramm. Therapiedauer: 10–14 Tage i.v., dann Oralisierung. Kontrolle: Procalcitonin-gesteuerte Therapiesteuerung (Abfall >80% → Antibiose beenden).
Die Urosepsis-Prävention beginnt bei der Vermeidung urologischer Infektionen. Vor instrumentellen Eingriffen (TUR-P, Biopsie, Steinbehandlung, Stent-Wechsel): Urinkultur vorher, bei positivem Befund Antibiose einleiten und Eingriff verschieben. Perioperative Antibiotikaprophylaxe nach EAU-Empfehlung (Einmalgabe, nicht routinemäßige Mehrtagestherapie). Bei obstruktiver Uropathie (Stauungsniere) und Infektzeichen: sofortige Entlastung BEVOR die definitive Steintherapie geplant wird – ein infizierter Stein in einer gestauten Niere darf NICHT primär behandelt werden. DJ-Stent oder Nephrostomie zuerst, Antibiotikatherapie, dann Steinbehandlung im infektfreien Intervall (vier bis sechs Wochen). Risikopatienten (Diabetes, Immunsuppression, Dauerkatheter) engmaschig überwachen.