Labor: Massiv erhöhte Entzündungsparameter (CRP >200, Leukozyten >20.000 oder <4.000 bei Sepsis, Prokalzitonin erhöht). Laktat (Gewebshypoxie). Blutkultur. Blutzucker (Diabetes oft erstdiagnostiziert!). LRINEC-Score: Laboratory Risk Indicator for Necrotizing Fasciitis – Score ≥6: hoher Verdacht, ≥8: hochwahrscheinlich.
Bildgebung: CT nur wenn klinisch unklar und Patient stabil – zeigt Gaseinschlüsse im Subkutangewebe (pathognomonisch), Ausbreitung entlang der Faszien. KEIN CT bei eindeutiger Klinik – direkt in den OP!
Débridement: Radikale Exzision ALLER nekrotischen Gewebes bis in gesundes, blutendes Gewebe. Erfahrungsregel: Immer mehr resezieren als man denkt – die Nekrose ist unter der Oberfläche meist ausgedehnter als sichtbar. Oft 2–3 Re-Débridements in den ersten Tagen nötig.
Supportiv: Intensivstation. Breitbandantibiose (Meropenem + Clindamycin + Vancomycin). Aggressive Volumentherapie. Ernährungsoptimierung (Katabolie!). Blutzuckereinstellung. Vakuumtherapie (VAC) zur Wundkonditionierung sobald das Débridement sauber ist. Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) wenn verfügbar (Evidenz moderat aber biologisch plausibel).
Rekonstruktion: Sekundärer Wundverschluss, Spalthauttransplantation, gestielte Hautlappen (Oberschenkel), Hodenverlagerung in die Oberschenkelsubkutis wenn das Skrotum komplett reseziert wurde. Stoma (Anus praeter) bei perianaler Beteiligung – schützt die Wunde vor Kontamination.
Die Mortalität der Fournier-Gangrän liegt trotz moderner Intensivmedizin bei 20–40%. Der FGSI (Fournier's Gangrene Severity Index) prognostiziert die Überlebenswahrscheinlichkeit anhand von neun Parametern (Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Natrium, Kalium, Kreatinin, Hämatokrit, Leukozyten, Bicarbonat). Ein FGSI über neun ist mit einer Mortalität von 75% assoziiert. Prognostisch ungünstig: Ausdehnung auf die Bauchdecke, Alter über 60, Diabetes mellitus, Immunsuppression, Sepsis bei Aufnahme und Verzögerung des ersten Débridements über 24 Stunden. Prognostisch günstig: junger Patient, frühe Diagnose, aggressives erstes Débridement, isolierte Skrotalbeteiligung ohne Ausbreitung. Die Rehabilitationsphase kann Monate dauern und erfordert Wundmanagement, plastische Rekonstruktion und psychologische Betreuung.