Die Harnblase (Vesica urinaria) liegt im kleinen Becken und kann 300–500 ml Urin fassen. Ihre Wand besteht aus dem Urothel (Übergangsepithel), der Lamina propria und dem Detrusor-Muskel, der sich bei der Miktion kontrahiert. Der innere Schließmuskel (glatter Muskel, unwillkürlich) und der äußere Schließmuskel (quergestreifter Muskel, willkürlich steuerbar) sorgen für Kontinenz. Die Harnleiter (Ureteren) transportieren den Urin durch Peristaltik von den Nieren zur Blase und münden schräg durch die Blasenwand – diese Konstruktion verhindert normalerweise einen Reflux in die Nieren.
Suchen Sie zeitnah einen Urologen auf bei: Blut im Urin (auch einmalig und schmerzlos – wichtigstes Frühsymptom von Blasenkrebs!), häufigem oder schmerzhaftem Wasserlassen das nicht auf eine Infektion anspricht, ungewolltem Urinverlust, mehr als 3 Harnwegsinfekten pro Jahr, Beckenschmerzen in Verbindung mit Miktionsbeschwerden, und nächtlichem Wasserlassen mehr als 2× pro Nacht.
Blasenkrebs ist der vierthäufigste Krebs beim Mann und wird häufig erst spät erkannt. Das wichtigste Warnsignal ist schmerzlose Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin) – jede Blutbeimengung muss urologisch abgeklärt werden! Risikofaktoren: Rauchen (3-4-fach erhöhtes Risiko, Ursache Nr. 1), berufliche Exposition gegenüber aromatischen Aminen (Chemie, Friseur, Maler), chronische Harnwegsinfekte. Die Diagnostik umfasst Zystoskopie (Blasenspiegelung), Urinzytologie und CT-Urographie. Die Therapie reicht von der endoskopischen Resektion (TUR-B) über BCG-Instillationen bis zur radikalen Zystektomie mit Neoblase oder Urostoma.
Harnwegsinfekte betreffen 50% aller Frauen mindestens einmal im Leben, 20-30% erleben Rezidive. Die kurze weibliche Harnröhre (3-4 cm vs. 20 cm beim Mann) begünstigt aufsteigende Infektionen. Unkomplizierte Zystitiden können empirisch mit Fosfomycin (Einmalgabe), Nitrofurantoin oder Pivmecillinam behandelt werden – Fluorchinolone sollten bei unkomplizierten HWI wegen Nebenwirkungsprofil vermieden werden. Rezidivierende HWI (≥3/Jahr): Prophylaxe mit D-Mannose, Immunstimulation (Uro-Vaxom), vaginalen Östrogenen bei postmenopausalen Frauen, oder antibiotische Langzeitprophylaxe als letzte Option.
Die überaktive Blase (OAB) betrifft 10-15% der Bevölkerung und führt zu imperativem Harndrang, Pollakisurie (>8x/Tag) und Dranginkontinenz. Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei Husten, Niesen, Sport) ist die häufigste Inkontinenzform der Frau. Therapiestufenplan: Beckenbodentraining (First-Line, Erfolgsrate 50-70%), Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten (Mirabegron), Botulinumtoxin-Injektion in den Detrusor, Sakrale Neuromodulation (InterStim). Bei Belastungsinkontinenz: TVT/TOT-Bänder mit 80-90% Langzeiterfolg.
⚠️ Medizinischer Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden Ihren Urologen.