Akute Strahlenzystitis: Während oder kurz nach Bestrahlung (Prostata, Zervix, Rektum). Symptome: Dysurie, Pollakisurie, Dranginkontinenz, leichte Hämaturie. Meist selbstlimitierend in 2–4 Wochen. Therapie: symptomatisch (Anticholinergika, Analgesie, Trinkmenge).
Chronische/Späte Strahlenzystitis: Monate bis Jahre nach Bestrahlung (Median: 2–3 Jahre). Pathomechanismus: progressive Endarteriitis obliterans → Ischämie der Blasenwand → Teleangiektasien → Ulzerationen → Fibrose → Schrumpfblase. Leitsymptom: rezidivierende, oft massive Makrohämaturie aus fragilen Neogefäßen.
Konservativ: Blasenspülung (kontinuierlich, Clot-Evakuation), Tranexamsäure oral oder intravesikal, Alauninstillation (1% Kalialaun – adstringierend). Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO): 30–40 Sitzungen, fördert Neoangiogenese und Gewebeheilung – Ansprechrate 80%, aber aufwändig und nicht überall verfügbar.
Endoskopisch: Zystoskopische Koagulation der blutenden Teleangiektasien (KTP-Laser, Argon-Plasma-Koagulation). Formalin-Instillation 1–4% (reserviert für therapierefraktäre Fälle – Cave: Harnleiterverschluss durch Formalin-Kontakt → immer vorher Harnleiterostien schützen!).
Ultima Ratio: Selektive Embolisation der Blasenversorgungsarterien (interventionell-radiologisch). Zystektomie mit Harnableitung bei therapierefraktärer Schrumpfblase oder rezidivierender lebensbedrohlicher Blutung.
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Die beste Therapie der Strahlenzystitis ist die Prävention. Moderne Bestrahlungstechniken (IMRT, VMAT) reduzieren die Blasendosis erheblich gegenüber konventioneller Bestrahlung. Der SpaceOAR-Hydrogel-Spacer (ursprünglich zum Rektumschutz bei Prostatabestrahlung entwickelt) kann auch die Blasenhinterwand teilweise entlasten. Prostatektomie statt Bestrahlung bei jüngeren Patienten ohne erhöhtes OP-Risiko vermeidet Strahlenschäden komplett. Bei manifester chronischer Strahlenzystitis gewinnen intravesikale Hyaluronsäure-Instillationen (iAluRil®) zunehmend an Bedeutung: Die Hyaluronsäure repariert die geschädigte GAG-Schicht (Glycosaminoglycan) der Blasenschleimhaut und kann Schmerzen und Blutungsepisoden reduzieren. Die Evidenz ist moderat, aber die Verträglichkeit ist exzellent.
Nicht jede Hämaturie nach Bestrahlung ist eine Strahlenzystitis. Differentialdiagnosen: Urothelkarzinom der Blase (Strahleninduzierte Zweittumoren treten mit einer Latenz von 5–15 Jahren auf – Inzidenz 1–3%), Harnwegsinfekt, Blasensteine, Katheterassoziierte Verletzung. Die Zystoskopie ist obligat bei erstmaliger Hämaturie nach Bestrahlung: Sie zeigt die typischen Teleangiektasien der Strahlenzystitis (fragile Neogefäße) und schließt ein Karzinom oder andere Pathologien aus. Biopsien der bestrahlten Schleimhaut sollten nur gezielt aus suspekten Arealen erfolgen – die atrophische Blasenwand heilt schlecht und Biopsien können weitere Blutungen auslösen.