Blase & Harnwege

Harnverhalt (akute Ischurie)

Urologischer Notfall. Sofortige Katheterisierung erforderlich. Häufigste Ursache: BPH.
📅 Aktualisiert: April 2026

Notfall: Akuter Harnverhalt

Beim akuten Harnverhalt ist die Blasenentleerung trotz voller Blase plötzlich unmöglich. Starke suprapubische Schmerzen, palpable Blase. Häufigkeit: 10% der Männer über 70 innerhalb von 5 Jahren. Ursachen: BPH (häufigste, >50%), Medikamente (Anticholinergika, Opioide, Sympathomimetika, trizyklische Antidepressiva), postoperativ (Spinalanästhesie), Harnröhrenstriktur, Prostatakarzinom, Blasensteine, neurologisch. Bei Frauen selten: Genitalprolaps, retrozervikaler Tumor, postpartal.
Anatomie der Harn- und Geschlechtsorgane
Eigene Darstellung nach UKMP, 2026

Sofortmaßnahmen

Schritt 1
Transurethrale Katheterisierung
Instillagel (Lidocain) einbringen, 5 Min. einwirken lassen. Tiemann-Katheter bei BPH (gebogene Spitze). Nie mit Gewalt!
Bei Scheitern
Suprapubischer Katheter (SPK)
Punktion der Blase oberhalb der Symphyse unter Ultraschallkontrolle. Entlastung nicht zu schnell (Ex-vacuo-Blutung bei >1000ml).
Danach
Alpha-Blocker + Auslassversuch
Tamsulosin 0,4mg für 3–5 Tage → Katheter entfernen. Erfolg: 40–60% (ohne Medikament nur 20–30%). Bei Versagen: OP planen.

Red Flags

🚨 Sofort handeln bei:
Restharn >1000ml → Kreatinin kontrollieren (postrenales Nierenversagen!)
Beidseits Harnstauung → Entlastung + Nierenfunktion sichern
Fieber + Harnverhalt → V.a. Urosepsis, sofortige Antibiose + Entlastung
Reithosenanästhesie + Beinlähmung → Cauda-equina-Syndrom! Sofort MRT + Neurochirurgie

Akuter vs. Chronischer Harnverhalt

Akuter Harnverhalt: Plötzliche Unfähigkeit zu urinieren trotz voller Blase. Starker suprapubischer Schmerz, palpable/perkutierbare Blase. Notfall! Sofortige Katheterisierung. Häufigste Ursache: BPH (Prostataödem bei Kälte, Alkohol, Anticholinergika, Sympathomimetika). Weitere: Harnröhrenstriktur, Prostatitis, Blasenstein, neurogen (postoperativ, Bandscheibenvorfall – Cauda equina-Syndrom!), Medikamente.

Chronischer Harnverhalt: Schleichend, oft schmerzarm (die Blase passt sich an). Restharn >300–1000 ml, Überlaufinkontinenz (ständiges Tröpfeln). Gefahr: Harnstauungsnieren (bilaterale Hydronephrose), Niereninsuffizienz, rezidivierende HWI, Blasensteine.

Notfallmanagement

Katheterisierung: Transurethral (14–16 Fr Silikonkatheter) nach Instillation von Gleitmittel mit Lidocain. Bei Widerstand (Prostata): NICHT forcieren – suprapubischer Katheter (SPK)! SPK-Indikation auch bei: Harnröhrenstriktur, V.a. Harnröhrenverletzung (Blut am Meatus), Z.n. Harnröhren-OP.

Cave bei Entlastung: Maximal 500–1000 ml auf einmal ablassen (dann Katheter abklemmen, nach 30 min weiter). Zu schnelle Entlastung bei chronischem Harnverhalt kann zur Entlastungshämaturie (ex vacuo) und Kreislaufdysregulation führen. Engmaschige Kreatinin- und Elektrolytkontrolle bei chronischem Harnverhalt (postrenale Niereninsuffizienz? Polyurie-Phase nach Entlastung!).

Nach der Entlastung: Alpha-Blocker beginnen (Tamsulosin 0,4 mg). Auslassversuch nach 2–3 Tagen (Katheter entfernen, Restharn kontrollieren). Bei Versagen: erneuter Katheter und elektive BPH-OP planen. Ursachenabklärung: Uroflowmetrie, Restharn, Prostata-Ultraschall, PSA.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.