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Ratgeber: Intermittierender Selbstkatheterismus (ISK)

Sich selbst zu katheterisieren klingt beängstigend – ist aber für viele Patienten der Schlüssel zu Unabhängigkeit und besserer Lebensqualität.
📅 Aktualisiert: April 2026

Für wen ist ISK geeignet?

Der intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) ist der Goldstandard bei chronischer Restharnbildung und neurogener Blasenfunktionsstörung. Indikationen: neurogene Blase (Querschnittlähmung, MS, Spina bifida), Detrusorakontraktilität (schlaffe Blase nach OP oder bei Diabetes), Blasenentleerungsstörung nach Botulinumtoxin-Injektion, postoperativ (nach radikaler Hysterektomie, Rektumresektion), chronischer Restharn >100ml mit rezidivierenden Infekten. Gegenüber dem Dauerkatheter hat ISK massive Vorteile: deutlich weniger Infekte, kein Fremdkörper dauerhaft in der Blase, Erhalt der Blasenfunktion, mehr Unabhängigkeit.

Technik Schritt für Schritt

Hände gründlich waschen (mindestens 30 Sekunden). Kathetermaterial bereitlegen: Einmalkatheter (hydrophil beschichtet oder mit Gleitmittel). Bequeme Position: sitzend auf der Toilette, stehend am Toilettenbecken, oder im Rollstuhl. Männer: Penis anheben (streckt die Harnröhre), Katheter langsam einführen bis Urin fließt, dann noch 1-2cm weiter. Frauen: Schamlippen spreizen, Harnröhrenöffnung identifizieren (ein Spiegel hilft anfangs), Katheter einführen bis Urin kommt. Urin vollständig ablaufen lassen, Katheter langsam entfernen, entsorgen. Häufigkeit: typischerweise 4-6x täglich (alle 4-6 Stunden), Trinkmenge so anpassen, dass Blasenvolumen 400-500ml nicht übersteigt.

Tipps für den Alltag

Anfangs Anleitung durch Pflegefachkraft oder Stomatherapeutin – lassen Sie sich Zeit, es wird schnell Routine (die meisten Patienten brauchen nach 1-2 Wochen nur noch 2-3 Minuten). Katheterwahl: Einmalkatheter in verschiedenen Größen (12-14 Ch für Männer, 10-12 Ch für Frauen), hydrophil beschichtete Katheter reduzieren die Reibung und schonen die Harnröhre. Unterwegs: kompakte Einmalkatheter in Reisegröße, diskret in Handtasche oder Jacke. Flugreisen: Katheter ins Handgepäck (ärztliche Bescheinigung mitnehmen). Kosten: Einmalkatheter werden von den Krankenkassen übernommen (Hilfsmittelverzeichnis), Rezept vom Urologen. Komplikationen: Harnwegsinfekt (seltener als bei Dauerkatheter!), leichte Blutung (häufig anfangs, harmlos), falsche Passage (sehr selten, nie mit Gewalt einführen!). Bei Fieber, Schüttelfrost oder trübem/stinkendem Urin: sofort zum Arzt!

Technik und häufige Fragen

Der intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) ist die beste Methode der Blasenentleerung bei neurogener Blase und chronischem Restharn – sie vermeidet den Dauerkatheter und dessen Komplikationen. Die Technik wird von einer Kontinenzfachkraft oder im Rahmen des stationären Aufenthalts angelernt. Hydrophil beschichtete Einmalkatheter (Speedicath, Lofric) reduzieren die Harnröhrenreibung und das Infektrisiko gegenüber konventionellen Kathetern. ISK-Frequenz: typisch vier- bis sechsmal täglich (alle vier bis sechs Stunden), Blasenvolumen sollte 400–500 ml nicht überschreiten. Händedesinfektion vor jedem Katheterismus. Harnwegsinfektrate unter ISK: deutlich niedriger als unter Dauerkatheter (2–6 Infekte pro 100 Patientenwochen vs. 10–20). Alle ISK-Materialien sind Kassenleistung auf Rezept und werden durch Homecare-Unternehmen frei Haus geliefert.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.