Überblick
Die intravesikale Botulinumtoxin-Injektion ist eine hocheffektive Therapie bei überaktiver Blase (OAB) und neurogener Detrusorhyperaktivität, wenn Anticholinergika und Mirabegron nicht ausreichend wirken oder wegen Nebenwirkungen nicht toleriert werden. 100 IE Onabotulinumtoxin A (Botox®) werden zystoskopisch an 20–30 Stellen in den Detrusormuskel injiziert. Bei neurogener Blase (Querschnitt, MS): 200–300 IE.
Ablauf
Vorbereitung: Urinkultur (Ausschluss HWI), Restharnbestimmung, ggf. Urodynamik. Patienten müssen über die Möglichkeit einer passageren Restharnbildung und die ggf. notwendige Selbstkatheterisierung (ISK) aufgeklärt werden.
Durchführung: Ambulant, Lokalanästhesie durch Instillation (Lidocain-Lösung für 20 Minuten in die Blase). Flexibles oder starres Zystoskop. 20–30 Injektionen à 0,5 ml in den Detrusor, Trigonum aussparen. Dauer: 15–20 Minuten. Anschließend 30 Minuten Überwachung.
Wirkungseintritt: Nach 2–7 Tagen. Maximale Wirkung nach 2–6 Wochen. Wirkdauer: 6–12 Monate (individuell variabel). Bei Nachlassen der Wirkung: erneute Injektion frühestens nach 3 Monaten.
Ergebnisse und Komplikationen
Ergebnisse
60–70% werden komplett kontinent. Weitere 20% deutlich gebessert. Drangepisoden reduziert um 60–80%. Blasenkapazität steigt um 50–100%. Wiederholte Injektionen zeigen gleichbleibende Wirksamkeit.
Komplikationen
Restharnbildung: 5–10% (bei OAB), bis 30% (bei neurogen). ISK-Pflicht: 5–8%. HWI: 15–20% (bes. bei ISK). Systemische Effekte (Muskelschwäche): extrem selten. Hämaturie: leicht und vorübergehend.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich mich nach Botox selbst katheterisieren?▼
In 5–8% der Fälle bei OAB ja – vorübergehend, bis die Wirkung nachlässt. Deshalb werden alle Patienten VOR der Injektion in ISK geschult und müssen ihre Bereitschaft dazu erklären. Bei neurogener Blase führen die meisten Patienten ohnehin bereits ISK durch.
Wird die Wirkung bei wiederholten Injektionen schwächer?▼
Nein. Studien über 6+ Injektionszyklen zeigen eine gleichbleibende Wirksamkeit. Eine Antikörperbildung gegen Botulinumtoxin ist bei den verwendeten Dosen (100 IE) extrem selten.
Quellen
S2k-Leitlinie Harninkontinenz. DGU, AWMF, 2024.
Nitti, V. W. et al. OnabotulinumtoxinA for overactive bladder. Journal of Urology, 2013.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.
⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.