Wirkprinzip
Anticholinergika (Muskarinrezeptor-Antagonisten) und Beta-3-Agonisten sind die Standardmedikamente zur Behandlung der überaktiven Blase (OAB) und Dranginkontinenz. Anticholinergika blockieren Muskarinrezeptoren am Detrusormuskel → weniger unwillkürliche Kontraktionen → weniger Harndrang und Inkontinenz. Beta-3-Agonisten (Mirabegron) aktivieren Beta-3-Rezeptoren → Detrusorrelaxation in der Speicherphase.
Wirkstoffe im Vergleich
Solifenacin (Vesicare) – 5–10mg
Gut verträglich, 1×/d
Darifenacin (Emselex) – 7,5–15mg
M3-selektiv, weniger ZNS-NW
Trospiumchlorid – 30mg 2×/d
Keine ZNS-Gängigkeit!
Fesoterodin (Toviaz) – 4–8mg
Aktiver Metabolit von Tolterodin
Mirabegron (Betmiga) – 25–50mg
Beta-3! Keine anticholinergen NW
Nebenwirkungen und Tipps
Anticholinerge Nebenwirkungen: Mundtrockenheit (am häufigsten, 20–30%), Obstipation, verschwommenes Sehen, Tachykardie, Harnverhalt (Restharn kontrollieren!). ⚠️ Bei Älteren (>65): Kognitive Einschränkung, Verwirrtheit, erhöhtes Demenzrisiko bei Langzeiteinnahme! Trospiumchlorid bevorzugen (überwindet nicht die Blut-Hirn-Schranke) oder auf Mirabegron umstellen. Mirabegron: Kaum anticholinerge NW, kann mit Anticholinergikum kombiniert werden (Add-on). NW: leichter Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen. Praxistipps: Wirkung erst nach 2–4 Wochen beurteilen. Zuckerfreie Bonbons gegen Mundtrockenheit. Restharn nach 2–4 Wochen kontrollieren. Bei Versagen: Kombinationstherapie oder Eskalation zu Botox/SNM.
Wirkstoffe im Vergleich
Solifenacin (Vesikur®)
5–10 mg 1× täglich. M3-selektiv. Weniger Mundtrockenheit als Oxybutynin. Häufigste Verordnung in Deutschland. Verstopfung als häufigste NW (13%).
Trospiumchlorid (Spasmex®)
2×15–30 mg. Quartäres Amin – überquert die Blut-Hirn-Schranke NICHT! Daher: keine kognitiven NW. Bevorzugt bei Patienten >70 Jahre und bei Demenzrisiko. Nachteil: 2× tägliche Einnahme.
Propiverin (Mictonorm®)
Doppelter Wirkmechanismus: anticholinerg UND calciumantagonistisch → Detrusorrelaxation über zwei Wege. 30 mg retard 1× täglich. Gute Verträglichkeit, weniger kognitive NW als tertiäre Amine. Besonders geeignet für Langzeittherapie.
Darifenacin (Emselex®)
7,5–15 mg. Höchste M3-Selektivität aller Anticholinergika. Theoretisch weniger kognitive und kardiale NW. Häufiger Obstipation.
Kontraindikationen und Monitoring
NICHT verordnen bei: Engwinkelglaukom (Cave: Weitwinkelglaukom ist KEINE Kontraindikation!), mechanische Blasenobstruktion ohne Entlastung (Restharn >150 ml → erst BPH-Therapie!), schwere Colitis ulcerosa, Myasthenia gravis, Tachyarrhythmie.
Monitoring: Restharn nach 4–6 Wochen kontrollieren (besonders bei Männern mit BPH – Anticholinergika können den Restharn erhöhen!). Kognitive Funktion bei Älteren im Verlauf evaluieren. PRISCUS-Liste beachten: Oxybutynin und Tolterodin stehen auf der PRISCUS-Liste (potentiell inadäquate Medikamente für Ältere). Bei Therapieresistenz (2–3 Monate, 2 verschiedene Substanzen): Stufe 3 erwägen (Botulinumtoxin oder sakrale Neuromodulation).
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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.