Therapie

Urodynamische Untersuchung: So wird Ihre Blasenfunktion gemessen

Die Urodynamik misst objektiv, wie Ihre Blase speichert und entleert – unverzichtbar bei Inkontinenz und Blasenentleerungsstörungen.
📅 Aktualisiert: April 2026

Was ist Urodynamik?

Die urodynamische Untersuchung (UDS) ist die objektive Messung der Blasenfunktion. Sie beantwortet Fragen, die Ultraschall und Blasenspiegelung nicht beantworten können: Wie viel Druck baut die Blase beim Füllen auf? Gibt es unwillkürliche Kontraktionen (Detrusorhyperaktivität)? Wie stark ist der Blasenmuskel bei der Entleerung? Liegt eine Obstruktion vor (z.B. durch die Prostata)? Die Untersuchung dauert 30-45 Minuten und wird ambulant in der urologischen Praxis oder Klinik durchgeführt.

Ablauf der Untersuchung

Uroflowmetrie: Sie urinieren in ein Messgerät, das Harnstrahlstärke (Qmax), Miktionsvolumen und Miktionszeit erfasst. Normal: Qmax >15 ml/s. Zystomanometrie (Füllungsphase): Ein dünner Katheter wird über die Harnröhre in die Blase eingeführt, ein zweiter in den Enddarm (Referenzdruck). Die Blase wird langsam mit Kochsalzlösung gefüllt. Dabei werden Blasendruck, Bauchdruck und die errechnete Detrusoraktivität kontinuierlich gemessen. Sie geben an, wann der erste Harndrang auftritt und wann die Blase maximal voll ist. Druck-Fluss-Studie (Entleerungsphase): Sie entleeren die Blase mit liegendem Katheter. Gleichzeitige Messung von Blasendruck und Harnfluss zeigt, ob eine Obstruktion vorliegt.

Wann brauche ich eine Urodynamik?

Indikationen: Vor operativer Inkontinenz-Therapie (TVT/TOT – Ausschluss Detrusorhyperaktivität), bei therapieresistenter überaktiver Blase (Versagen von Anticholinergika), vor Sakraler Neuromodulation oder Botulinumtoxin-Injektion, bei neurogener Blasenfunktionsstörung (Querschnitt, MS, M. Parkinson), bei unklarer Mischinkontinenz (Belastung + Drang), vor BPH-OP bei unklarer Obstruktion (niedriger Uroflow kann auch Detrusorschwäche sein!). Moderne Urodynamik-Geräte liefern in Echtzeit hochauflösende Druckkurven und ermöglichen eine präzise Differenzierung der Blasenfunktionsstörung.

Wann ist eine Urodynamik nötig?

Die Urodynamik ist keine Routine-Untersuchung, sondern wird gezielt eingesetzt wenn nicht-invasive Diagnostik (Uroflow, Restharn, Miktionstagebuch) die Ursache der Beschwerden nicht klären kann. Klare Indikationen: Vor jeder BPH-OP wenn der Verdacht auf eine Detrusorschwäche besteht (niedriger Uroflow OHNE obstruktive BPH – dann hilft eine TUR-P nicht!), bei neurogener Blasenfunktionsstörung (Querschnitt, MS, Spina bifida – hier bestimmt die Urodynamik die Therapiestrategie), vor sakraler Neuromodulation, bei komplexer Inkontinenz (Mischinkontinenz, Versagen konservativer Therapie) und bei unklarer Harnentleerungsstörung bei Frauen. Die Untersuchung dauert 20–40 Minuten, ist unangenehm (Katheter in Blase und Rektum) aber nicht schmerzhaft. Komplikation: HWI in 2–5% (antibiotische Einmalprophylaxe empfohlen).

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.