
Grade (Internationale Klassifikation): Grad I: Reflux nur in den Harnleiter. Grad II: Reflux bis ins Nierenbecken ohne Dilatation. Grad III: Leichte Dilatation von Harnleiter und Nierenbecken. Grad IV: Deutliche Dilatation, Kelche noch sichtbar. Grad V: Massive Dilatation, Kelche verplumpt, gewundener Harnleiter.
Diagnostik: Miktionszysturethrographie (MCU/MCUG) – Goldstandard. Kontrastmittel in die Blase, Durchleuchtung während Miktion. Zeigt Refluxgrad und Morphologie. DMSA-Szintigraphie: Nachweis von Nierennarben (Refluxnephropathie). Sonografie: Screening (dilatiertes Nierenbecken, Doppelniere, Ureterozele), ersetzt aber nicht die MCU.
Konservativ (Grad I–III, primärer VUR): Spontanmaturation! 80% der Grad I–II und 50% der Grad III sistieren bis zum 5.–6. Lebensjahr. Antibiotische Dauerprophylaxe (Nitrofurantoin oder Trimethoprim abends) während der Reifungsphase umstritten (neuere Studien: nur bei rezidivierenden HWI nötig). Clean Intermittent Voiding (regelmäßige, vollständige Blasenentleerung).
Operativ: Endoskopische subureterale Injektion (Deflux® – Dextranomer/Hyaluronsäure unter das Ostium): Ambulant, Erfolgsrate 70–80% beim ersten Versuch. Anti-Reflux-Plastik (Reimplantation nach Cohen oder Lich-Gregoir): Erfolgsrate >95%, offener Eingriff. Indikation: Grad IV–V, Durchbruchsinfekte unter Prophylaxe, neue Narben in der DMSA, bilateraler hochgradiger Reflux.
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Die Refluxnephropathie (narbige Nierenschädigung durch infizierten Reflux) ist die wichtigste Langzeitkomplikation des VUR und eine der häufigsten Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz im Kindesalter. Narben entstehen vor allem in den ersten Lebensjahren, wenn fiebrige Harnwegsinfekte auf das unreife Nierenparenchym treffen. Die DMSA-Szintigraphie ist der Goldstandard zur Narbendiagnostik. Prävention: frühzeitige Diagnose des VUR, konsequente antibiotische Prophylaxe bei rezidivierenden fiebrigen HWI, rechtzeitige operative Korrektur bei hochgradigem VUR (Grad IV–V) oder bei Auftreten neuer Nierennarben. Langzeitnachsorge: Blutdruck (Hypertonie bei Refluxnephropathie häufig), Proteinurie und GFR regelmäßig kontrollieren. Schwangerschaft bei Frauen mit Refluxnephropathie: engmaschige nephrologische Mitbetreuung (Präeklampsie-Risiko erhöht).