
Häufig unterschätzt: Bei Männern mit HWI ist in 50–90% der Fälle die Prostata mitbeteiligt (akute bakterielle Prostatitis). Der Erreger sitzt nicht nur in der Blase, sondern auch im Prostatagewebe – das hat therapeutische Konsequenzen: nicht alle Antibiotika penetrieren ausreichend in die Prostata!
Prostata-gängige Antibiotika: Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin) – beste Prostata-Penetration, daher Erstlinie. Cotrimoxazol – gute Penetration, Alternative bei Chinolonresistenz. Schlecht geeignet: Cephalosporine und Penicilline (penetrieren schlecht in die Prostata bei chronischer Prostatitis, akzeptabel bei akuter Prostatitis wegen erhöhter Durchblutung).
Therapiedauer: Einfacher HWI beim Mann: mindestens 7 Tage (nicht 3 Tage wie bei der Frau!). Bei V.a. Prostatitis-Beteiligung: 2–4 Wochen. Kontroll-Urinkultur 5–7 Tage nach Therapieende obligat. Bei Rezidiv: Erreger aus Prostataexprimat (4-Gläser-Probe nach Meares-Stamey) oder aus Ejakulat identifizieren.
Die männliche Harnröhre ist mit ca. 20 cm deutlich länger als die weibliche (4 cm). Bakterien müssen einen weiten Weg zurücklegen, um die Blase zu erreichen. Gelingt ihnen das trotzdem, liegt fast immer eine begünstigende Ursache vor: Prostatavergrößerung mit Restharn (häufigste Ursache ab 50), Harnröhrenverengung (Striktur), Blasensteine, Diabetes mellitus, Katheter oder instrumentelle Eingriffe. Deshalb gilt jeder HWI beim Mann als kompliziert und erfordert eine urologische Abklärung – im Gegensatz zur unkomplizierten Blasenentzündung der Frau.
Basisdiagnostik: Urinuntersuchung (Teststreifen + Sediment + Kultur mit Antibiogramm!). Nie ohne Kultur behandeln – beim Mann sind resistente Erreger häufiger als bei der Frau. Sonografie: Restharnbestimmung (>100 ml pathologisch), Prostatavolumen, Nierenstauung ausschließen. Uroflowmetrie: bei V.a. subvesikale Obstruktion. PSA: Im akuten Infekt NICHT bestimmen – falsch erhöht. Frühestens 4–6 Wochen nach Ausheilung.
Wann erweiterte Diagnostik? Bei rezidivierenden HWI (mehr als 2 pro Jahr), Hämaturie, oder Therapieresistenz: Zystoskopie, CT-Urografie, Miktionszysturethrografie zum Ausschluss anatomischer Ursachen.
Antibiotische Therapie: Immer kalkuliert nach Urinkultur. Erstlinie: Ciprofloxacin 500 mg 2× täglich oder Levofloxacin 500 mg 1× täglich für 7–14 Tage (länger als bei Frauen!). Alternative bei Fluorchinolonresistenz: Cefpodoxim, Cotrimoxazol. Bei Prostatamitbeteiligung (häufig!): 2–4 Wochen Therapie nötig, da Antibiotika schlecht in die Prostata penetrieren.
Begleitmaßnahmen: Trinkmenge über 2 Liter/Tag. Alpha-Blocker bei Restharn. Kontrollurinkultur 5–7 Tage nach Therapieende. Bei rezidivierenden HWI: Ursache beheben (TUR-P bei BPH, Bougierung bei Striktur).