Äußeres Genital

Harnröhrenstriktur

Narbige Verengung der Harnröhre. Iatrogen 40%, idiopathisch 30%.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Eine Harnröhrenstriktur ist eine narbige Verengung der Harnröhre, die den Harnfluss behindert. Betrifft fast ausschließlich Männer (Harnröhre 20cm vs. 3–4cm bei Frauen). Häufigkeit: ca. 0,6% aller Männer. Ursachen: nach Katheter oder Eingriffen (häufigste Ursache), nach Harnröhrenentzündung (Gonorrhoe, Chlamydien), Trauma (Beckenbruch, Rittlingstrauma), Lichen sclerosus (BXO), nach Hypospadie-OP, idiopathisch (30% keine erkennbare Ursache). Symptome: Abgeschwächter, dünner, oft abgelenkter Harnstrahl, Harnstottern, Pressen, verlängerte Miktionszeit, Nachträufeln, Restharn bis Harnverhalt.
Anatomie der Harn- und Geschlechtsorgane
Eigene Darstellung nach UKMP, 2026

Diagnostik

Uroflowmetrie – Plateau-Kurve ist typisch für Striktur (gleichmäßig niedrig statt Glockenform). Max. Flow <10 ml/s.
Retrograde Urethrographie (RUG) – Goldstandard: Kontrastmittel wird über die Harnröhre eingebracht. Zeigt Lage, Länge und Schweregrad der Engstelle exakt.
Miktionszystourethrographie (MCU) – Kontrastmittel von oben (Blasenfüllung), Patient uriniert unter Durchleuchtung. Zeigt die Striktur von der anderen Seite.
Urethrozystoskopie – Direkte Sicht auf die Engstelle mit dünnem flexiblem Endoskop. Beurteilt Schleimhaut, Durchmesser, Narbenbeschaffenheit.

Therapie

Urethrotomie (Sachse/Laser)
Endoskopische Schlitzung der Narbe mit Messer oder Laser durch die Harnröhre. Ambulant, 15–30 Minuten. Erfolgsrate bei Erststriktur <1cm: 50–70%. Problem: Rezidivrate 50–70% nach 2 Jahren bei längeren Strikturen. Nach 2. Rezidiv: Nicht mehr sinnvoll → plastische Rekonstruktion.
Optilume® (Ballon-Dilatation + Paclitaxel)
INNOVATION
Neues Verfahren: Medikamentenbeschichteter Ballon wird in der Engstelle aufgeblasen. Die Beschichtung mit Paclitaxel (hemmt Zellwachstum) reduziert die Narbenbildung nach der Aufweitung. Ambulant, minimalinvasiv, wiederholbar. Studien zeigen signifikant niedrigere Rezidivrate als einfache Urethrotomie. Zugelassen für rezidivierende Strikturen der Bulbärharnröhre. Ideal für Patienten die keine große Rekonstruktions-OP wünschen oder für Rezidive nach Urethrotomie.
Plastische Harnröhrenrekonstruktion
GOLDSTANDARD
Bei Rezidiv-Strikturen oder langen Engstellen (>2cm): Mundschleimhaut-Graft (aus der Innenseite der Wange) wird als Patch in die eröffnete Harnröhre eingenäht. Erfolgsrate 85–90% auch bei komplexen Strikturen. Stationär 3–5 Tage, Katheter 2–3 Wochen. Nur an spezialisierten Zentren (Referenzchirurgie). Bei sehr kurzen Strikturen (<1–2cm): End-zu-End-Anastomose (Engstelle herausschneiden, gesunde Enden zusammennähen). Erfolgsrate >95%!
Dauerhafte Dilatation / ISK
Regelmäßiges Bougieren (Aufdehnen) mit Einmalkatheter. Überbrückung bei Patienten die keine OP wünschen oder nicht OP-fähig sind. Kein kurativer Ansatz – Symptomkontrolle.

Verwandte Artikel

Therapie nach Strikturlänge

Kurze Striktur (<2 cm): Sachse-Urethrotomie (endoskopische Schlitzung mit Kaltmesser). Ambulant, schnell, aber Rezidivrate 50–60% nach 2 Jahren! Nur als Ersteingriff vertretbar. Bei Rezidiv: offene Urethroplastik statt erneuter Urethrotomie (wiederholte Schlitzung verschlechtert das Ergebnis).

Mittlere Striktur (2–5 cm): Offene Urethroplastik mit Mundschleimhauttransplantat (Buccal Mucosa Graft – BMG). Graft wird als Patch (dorsales Onlay nach Barbagli oder ventrales Onlay) auf die eröffnete Striktur aufgenäht. Erfolgsrate 85–90% über 5 Jahre. Goldstandard bei peniler und bulbärer Striktur.

Lange Striktur (>5 cm) oder Obliteration: Zweizeitige Urethroplastik (Johanson-Technik): 1. Sitzung: Eröffnung der Harnröhre, Mundschleimhaut-Einlage. 2. Sitzung nach 4–6 Monaten: Tubulusbildung. Alternative: Gestielter Hautlappen (Penishautlappen). Erfolgsrate 70–80%.

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.