Therapie

TUR-B (Transurethrale Blasentumorresektion)

Diagnostik und Therapie von Blasentumoren in einem Eingriff: Tumor wird über die Harnröhre abgetragen.
📅 Aktualisiert: Mai 2026 · 14 Min. Lesezeit

Überblick

Die transurethrale Blasentumorresektion (TUR-B oder TURBT) ist gleichzeitig der erste diagnostische und therapeutische Schritt bei Blasenkrebs. Über die Harnröhre wird ein Resektoskop in die Blase eingeführt – ohne äußeren Hautschnitt – und der Tumor wird mit einer elektrischen Schlinge oder einem Laser entfernt. Der entnommene Tumor geht zur feingeweblichen Untersuchung, die das Tumorstadium und den Differenzierungsgrad bestimmt. Die TUR-B ist damit der wichtigste Eingriff in der Blasenkrebsbehandlung – ihre Qualität entscheidet über den weiteren Therapieerfolg.

75%
aller Blasentumoren sind nicht-muskelinvasiv
30–60 Min.
OP-Dauer (je nach Befund)
1–3 Tage
stationärer Aufenthalt
50–70%
Rezidivrate ohne Nachsorge

Die hohe Rezidivrate des Blasenkrebses macht eine sorgfältige TUR-B besonders wichtig. Bei niedriger Resektionsqualität bleiben Tumorreste in der Blase zurück und das Rezidivrisiko steigt deutlich. Moderne Verbesserungen wie die bipolare Resektion, die En-Bloc-Resektion, die photodynamische Diagnostik und die einmalige postoperative Frühinstillation haben in den letzten Jahren die Ergebnisse messbar verbessert. Die 2-Jahres-rezidivfreie Überlebensrate nach TUR-B + BCG-Therapie hat sich von etwa 60 Prozent vor zehn Jahren auf heute 80 bis 85 Prozent erhöht.

Indikation: Wann ist eine TUR-B nötig?

Eine TUR-B wird in mehreren klinischen Situationen durchgeführt:

Erstdiagnostik bei Verdacht auf Blasentumor: Wenn in der Zystoskopie ein verdächtiger Tumor gesehen wird oder eine bildgebende Untersuchung (Ultraschall, CT) eine Auffälligkeit zeigt, ist die TUR-B der nächste Schritt. Sie bestätigt die Diagnose, bestimmt das Tumorstadium und entfernt den Tumor in einem Eingriff.

Bei unklarer Hämaturie (Blut im Urin): Auch wenn die Zystoskopie keinen klaren Tumor zeigt, aber wiederkehrend Blut im Urin auftritt, kann eine TUR-B mit Probenentnahmen aus verdächtigen Schleimhautarealen (sogenannte Mappingbiopsien) zur Klärung beitragen.

Bei rezidivierenden Blasentumoren: Bei nachgewiesenen Rezidiven nach vorheriger Therapie wird eine erneute TUR-B durchgeführt. Diese Wiederholungseingriffe gehören bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs (NMIBC) zur Standardtherapie.

Re-TUR-B (Nachresektion): Nach einer ersten TUR-B mit Hochrisiko-Befunden (T1 high-grade, fehlender Detrusormuskel im Präparat, ungewöhnliche oder unklare Histologie) wird innerhalb von 2 bis 6 Wochen eine zweite TUR-B durchgeführt – nicht weil der Eingriff misslungen ist, sondern um Tumorreste auszuschließen und das Staging zu sichern.

Vor radikaler Zystektomie: Bei muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC, T2 oder höher) erfolgt vor der geplanten Blasenentfernung typischerweise eine TUR-B zur Sicherung der Diagnose und zum Staging.

Vorbereitung auf die OP

Vor einer TUR-B sind folgende Schritte üblich:

Voruntersuchungen: Blutbild, Gerinnung, Urinkultur (Ausschluss Harnwegsinfekt), EKG bei kardialen Patienten, Anästhesie-Aufklärung. Ein Harnwegsinfekt muss vor der OP behandelt werden – sonst droht Urosepsis.

Blutverdünner pausieren: Bei Therapie mit Blutverdünnern (ASS, Clopidogrel, DOAKs, Marcumar) wird je nach Substanz, Indikation und Risiko eine Pause oder ein Bridging mit Heparin abgesprochen. Diese Entscheidung trifft der Arzt individuell – nicht selbstständig absetzen.

Nüchternheit: Mindestens 6 Stunden vor der OP nichts mehr essen, 2 Stunden keine klare Flüssigkeit mehr trinken (Standardregeln der Anästhesie).

Bildgebung des oberen Harntrakts: Vor jeder TUR-B sollte der obere Harntrakt mittels CT-Urographie oder MR-Urographie beurteilt sein – Blasenkrebs kann auch Nierenbecken und Harnleiter befallen (Upper Tract Urothelial Carcinoma, UTUC), was die Therapie verändert.

Aufklärung: Über Operationsablauf, mögliche Komplikationen (Blutung, Blasenperforation, Obturator-Reflex, TUR-Syndrom, Verschlimmerung der Blasenfunktion), die Frühinstillation und den weiteren Verlauf. Auch das Risiko, dass eine Nachresektion (Re-TUR-B) nötig sein wird, sollte besprochen werden.

Hinweis zum oberen Harntrakt: Wird vor der TUR-B noch keine Bildgebung des oberen Harntrakts durchgeführt, kann diese auch nach der OP nachgeholt werden. Bei jedem Patienten mit Blasenkrebs muss aber irgendwann der obere Harntrakt komplett dargestellt werden – Urothelkrebs ist eine "Feldkrankheit" und kann an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten.

Therapieablauf im Überblick

Die TUR-B folgt einem strukturierten Ablauf, der sich seit Jahren bewährt hat:

1. Anästhesie und Lagerung Spinal- oder Allgemeinanästhesie · Steinschnittlage 2. Bimanuelle Untersuchung Vor und nach OP · Beurteilung der Tumorausdehnung 3. Zystoskopie und Tumor-Mapping Lage, Größe, Anzahl · ggf. Hexvix-Diagnostik 4. Resektion des Tumors Schichtweise oder En-Bloc · mit Detrusormuskel 5. Frühinstillation (innerhalb 24h) Mitomycin oder Epirubicin bei Niedrigrisiko-Tumoren 6. Histologie · Therapieplan nach Risikogruppe

Ablauf der OP

Die TUR-B wird typischerweise unter Spinalanästhesie oder Allgemeinanästhesie durchgeführt – die Wahl hängt von Patientenwunsch, Begleiterkrankungen und der Tumorlokalisation ab. Bei seitlich gelegenen Tumoren ist eine Allgemeinanästhesie mit Muskelrelaxation oft vorteilhaft, um den Obturator-Reflex zu vermeiden (siehe unten).

Lagerung und Vorbereitung: Steinschnittlage mit gepolsterten Beinhaltern, sorgfältige Desinfektion. Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird leitliniengerecht angepasst – meist eine Einmalgabe Cephalosporin oder Cotrimoxazol.

Bimanuelle Untersuchung in Narkose: Vor Beginn der eigentlichen OP tastet der Operateur über die Bauchdecke und einen Finger im Rektum (beim Mann) oder der Vagina (bei der Frau) die Blase ab. Bei großen oder fortgeschrittenen Tumoren liefert das wichtige Hinweise auf die Tumorausdehnung. Diese Untersuchung wird am Ende des Eingriffs wiederholt – ein nach der Resektion noch tastbarer Tumor spricht für muskelinvasiven Tumor (T3a/T3b).

Einführung des Resektoskops: Über die Harnröhre wird ein Resektoskop (etwa Bleistiftdicke) in die Blase eingeführt. Die Blase wird mit einer speziellen Spüllösung gefüllt, die je nach Stromart variiert (siehe Resektionstechniken).

Systematische Inspektion: Die Blase wird komplett durchmustert – Lokalisation, Anzahl, Größe und Beschaffenheit aller Tumoren werden dokumentiert, am besten mit einem standardisierten Blasenschema. Auch die Harnleiteröffnungen werden geprüft.

Resektion: Die Tumoren werden mit der Resektionsschlinge schichtweise abgetragen oder als Ganzes entfernt (En-Bloc). Wichtig: Auch der darunterliegende Blasenmuskel (Detrusormuskel) muss im Präparat enthalten sein, sonst ist kein zuverlässiges Staging möglich. Lediglich bei eindeutig oberflächlichen, niedrig differenzierten kleinen Tumoren kann auf den Muskel verzichtet werden.

Blutstillung: Blutende Gefäße werden mit der Schlinge oder einer Kugelelektrode koaguliert, bis das Operationsfeld trocken ist. Eine sorgfältige Blutstillung ist wichtig – Blutungen aus der Blasenwand können nach der OP zur Tamponade durch Blutkoagel führen.

Katheter und Spülung: Ein Spülkatheter (Drei-Wege-Katheter) wird eingelegt, um das Operationsgebiet weiter zu spülen. Die Dauer der Spülung hängt von der Größe der Wundfläche und der Blutungsneigung ab – meist 12 bis 24 Stunden.

Resektionstechniken: klassisch, bipolar, En-Bloc

Die TUR-B-Technik hat sich in den letzten 15 Jahren erheblich weiterentwickelt. Drei Verfahren stehen heute zur Verfügung:

Monopolare Resektion (klassisch): Der elektrische Strom fließt von der Resektionsschlinge zur Neutralelektrode am Patientenbein. Als Spülflüssigkeit wird Glycin oder Mannitol verwendet, da NaCl den Strom kurzschließen würde. Vorteile: bewährt, kostengünstig. Nachteile: Risiko des TUR-Syndroms durch Resorption der hypoosmolaren Spüllösung, schlechtere Hämostase, mehr Gewebsverkohlung (Char-Effekt) am Präparatrand erschwert die feingewebliche Beurteilung.

Bipolare Resektion: Der Strom fließt zwischen zwei Polen der Resektionsschlinge selbst. Als Spüllösung wird isotonische NaCl-Lösung verwendet – kein TUR-Syndrom-Risiko. Vorteile: bessere Hämostase, weniger Char-Effekt, höhere Pathologie-Qualität (besseres Staging), kann auch unter Antikoagulation eingesetzt werden. Heute Standard in den meisten Zentren.

En-Bloc-Resektion (ERBT): Das modernere Verfahren. Statt den Tumor in vielen kleinen Stücken abzutragen, wird er als Ganzes herausgelöst. Verwendet werden entweder die elektrische Schlinge, ein Wasserstrahl oder ein Laser (Holmium, Thulium). Vorteile: deutlich bessere Pathologie-Qualität (Detrusormuskel im Präparat in über 90% der Fälle vs. 50-70% bei klassischer TUR-B), genaueres Staging, weniger Tumorzell-Verschleppung. Nachteile: technisch anspruchsvoller, ungeeignet bei Tumoren über 3 cm oder an schwer zugänglichen Stellen. Empfehlung: bei papillären Tumoren bis 3 cm Durchmesser.

Bessere Sichtbarkeit: PDD und NBI

Konventionelles Weißlicht zeigt nicht alle Tumoren – kleine papilläre Läsionen und vor allem das Carcinoma in situ (CIS) können übersehen werden. Zwei Verbesserungen erhöhen die Erkennungsrate:

Photodynamische Diagnostik (PDD, "Blaulicht-Zystoskopie", Hexvix): Vor der OP wird Hexaminolävulinat (HAL) als Lösung in die Blase instilliert. Tumorzellen reichern den Stoff an und fluoreszieren unter blauem Licht rot. So werden zusätzliche Tumoren entdeckt – besonders das gefährliche CIS, das im Weißlicht oft kaum sichtbar ist. Studien zeigen eine 20 bis 30 Prozent höhere Tumordetektion und niedrigere Rezidivraten. EAU 2025 und AUA/SUO 2025 empfehlen PDD bei Verdacht auf CIS, bei multifokalen Tumoren oder bei positivem Urinzytologie-Befund ohne sichtbaren Tumor.

Narrow Band Imaging (NBI): Filtertechnik im konventionellen Endoskop, die Blutgefäßmuster besser darstellt – tumortypische Gefäßveränderungen werden deutlicher sichtbar. Vorteil: keine Vorbereitungszeit, keine Substanzgabe nötig. Empfehlung: optionale Ergänzung, besonders bei Standardgeräten ohne PDD-Funktion.

Wirtschaftlich: Die Hexvix-Instillation ist eine Kassenleistung bei nachgewiesener oder begründet vermuteter Indikation. Das Hexvix-Set selbst kostet etwa 200 bis 300 Euro – die Kostenübernahme ist meist unkompliziert, sollte aber im Voraus mit der Klinik geklärt werden.

Komplikationen und ihre Vermeidung

Die TUR-B ist ein etablierter Standardeingriff, aber nicht ohne Risiken. Die wichtigsten Komplikationen:

Blasenperforation tritt bei etwa 5 bis 10 Prozent der Eingriffe auf, ist aber meist extraperitoneal und harmlos – wird durch verlängerte Katheterableitung behandelt. Selten kommt es zu intraperitoneal Perforationen, die operativ versorgt werden müssen. Risikofaktoren: vorhergehende TUR-B-Eingriffe, Obturator-Reflex, dünne Blasenwand bei alten Patienten.

Obturator-Reflex (Adduktoren-Zucken): Bei Tumoren an der seitlichen Blasenwand stimuliert die elektrische Schlinge den Obturatornerv – der Schenkel zuckt schlagartig zusammen, was zu einer Blasenperforation führen kann. Vermeidung: Allgemeinanästhesie mit Muskelrelaxation, Obturator-Nerv-Blockade bei Spinalanästhesie, geringere Stromstärke, Blase nicht zu stark füllen, bipolare Resektion.

Blutung: Während der OP durch Koagulation kontrollierbar. Postoperativ können Nachblutungen zur Tamponade des Katheters durch Blutkoagel führen – häufig kann mit Spülung gelöst werden, selten ist eine erneute OP nötig.

TUR-Syndrom: Bei monopolarer Resektion mit Glycin-Spüllösung kann es zur Resorption hypoosmolarer Flüssigkeit über die Blasenwand und insbesondere bei Perforation kommen – Folgen sind Hyponatriämie, Hirnödem, Übelkeit, Verwirrung. Heute selten, da die bipolare Resektion mit isotoner Spülung den Effekt eliminiert.

Harnwegsinfekt und Urosepsis: Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten entwickeln einen Harnwegsinfekt nach TUR-B – die prophylaktische Antibiotikagabe und gute Steriltechnik reduzieren das Risiko. Bei sepsisgefährdeten Patienten ist eine erweiterte Antibiose nötig.

Harnröhrenstriktur: Langfristige Komplikation durch wiederholte Eingriffe – etwa 2 bis 5 Prozent der Patienten entwickeln eine Verengung der Harnröhre, die ggf. operiert werden muss. Risiko geringer bei kleineren Resektoskopen.

Inkontinenz: Sehr selten dauerhaft, gelegentlich kurzfristig durch Blasenirritation. Anders als bei der radikalen Prostatektomie ist Inkontinenz nach TUR-B keine typische Komplikation.

Postoperative Frühinstillation (SI-IVC)

Bei Patienten mit Niedrigrisiko-Befund (klein, einzeln, papillär, gut differenziert) wird unmittelbar nach der TUR-B – idealerweise innerhalb von 24 Stunden – eine einmalige intravesikale Chemotherapie verabreicht. Standard ist Mitomycin C (40 mg) oder Epirubicin, in die Blase instilliert und für etwa 1-2 Stunden belassen.

Diese sogenannte Single Instillation Intravesical Chemotherapy (SI-IVC) reduziert die Rezidivrate um etwa 35 Prozent über fünf Jahre. Wirkmechanismus: Tumorzellen, die während der Resektion in die Blasenflüssigkeit gelangt sind, werden eliminiert, bevor sie sich an der Blasenwand neu festsetzen können.

Wann nicht verabreichen: Bei Verdacht auf Blasenperforation (Risiko der Resorption der zytostatischen Lösung – schwere Komplikationen möglich), bei sehr ausgedehnter Resektion mit großer Wundfläche, bei großen Tumoren mit unklarem Status. EAU 2025 empfiehlt SI-IVC nur bei eindeutigem Niedrigrisiko-Befund.

Bei mittleren und Hochrisiko-Tumoren wird auf die einmalige Frühinstillation verzichtet – diese Patienten erhalten stattdessen eine längerfristige BCG-Therapie oder Mitomycin-Instillationsserie, die einige Wochen nach der OP startet.

Nach der OP: Verlauf und Heilung

Die meisten Patienten verlassen die Klinik nach 1 bis 3 Tagen. Der Katheter wird entfernt, sobald der Urin klar ist und das Spülen beendet werden kann – meist nach 24 bis 48 Stunden. Erst nach Katheterentfernung ist die Entlassung sinnvoll.

Beschwerden in den ersten Tagen: Brennen beim Wasserlassen, häufiges und drängendes Wasserlassen, gelegentlich leicht blutiger Urin. Diese Symptome klingen meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Hilfreich: viel trinken (mindestens 2 Liter pro Tag), warme Sitzbäder, ggf. krampflösende Mittel und milde Schmerzmittel.

Aktivitäten: Spazierengehen sofort, leichte Tätigkeiten nach 1 bis 2 Wochen, schwere körperliche Arbeit und Sport nach 4 bis 6 Wochen. Geschlechtsverkehr nach 4 Wochen, wenn der Urin klar ist und keine Beschwerden bestehen.

Pathologiebefund: Nach 7 bis 14 Tagen liegt der histologische Befund vor. Er enthält:

  • Tumortyp (in der Regel Urothelkarzinom, selten Plattenepithel- oder Adenokarzinom)
  • Tumorstadium: Ta (papillär, oberflächlich), T1 (Infiltration der Lamina propria), T2 (Muskelinfiltration)
  • Tumorgrad: Low Grade (LG, gut differenziert) oder High Grade (HG, schlecht differenziert)
  • Carcinoma in situ (CIS): ja/nein – flacher Hochgrad-Tumor mit hohem Rezidiv- und Progressionsrisiko
  • Detrusormuskel im Präparat: ja/nein – wichtig für Staging-Sicherheit
  • Lymphgefäßeinbrüche (LVI): ja/nein – Risikomerkmal

Auf Basis dieses Befunds wird der Patient in eine Risikogruppe eingestuft und der weitere Therapieplan festgelegt.

Re-TUR-B (Nachresektion)

Bei bestimmten Risikobefunden empfiehlt die EAU 2025 eine zweite TUR-B innerhalb von 2 bis 6 Wochen nach der ersten:

  • T1 high-grade Tumor – Restrisiko für Tumorreste hoch
  • Großer Tumor (>3 cm) oder multifokaler Tumor – Wahrscheinlichkeit unvollständiger Resektion
  • Detrusormuskel fehlt im Präparat – Staging unsicher (Ausnahme: Ta low-grade)
  • Histologisch unklare Befunde oder Hinweise auf höheres Stadium als initial vermutet

Studien zeigen, dass bei T1 high-grade Tumoren in 25 bis 50 Prozent der Re-TUR-B noch Tumorreste gefunden werden, in 10 bis 15 Prozent sogar ein Upstaging zu T2 (muskelinvasivem Krebs) – mit dramatisch anderen Therapiekonsequenzen. Die Re-TUR-B verbessert das rezidivfreie Überleben und das Ansprechen auf BCG-Therapie messbar.

Was kommt nach der TUR-B?

Der weitere Therapieplan hängt vom Pathologiebefund ab. Die EAU teilt nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs (NMIBC) in vier Risikogruppen ein:

Niedrigrisiko (LG Ta, einzeln, klein): Frühinstillation reicht aus, regelmäßige Zystoskopie-Nachsorge.

Intermediäres Risiko (LG Ta multifokal oder rezidivierend, Ta high-grade einzeln): Mitomycin- oder BCG-Instillationsserie über 6-12 Monate plus Nachsorge.

Hohes Risiko (T1, high-grade, CIS, große oder multifokale Tumoren): BCG-Vollerhalttherapie über 1-3 Jahre. Bei Versagen: Erwägung einer Zystektomie oder neue Therapieoptionen wie Pembrolizumab, Nadofaragene firadenovec (Adstiladrin) oder das im September 2025 von der FDA zugelassene Gemcitabin-Intravesikalsystem (Inlexzo).

Sehr hohes Risiko (T1HG mit CIS, Lymphgefäßinvasion, ungünstige Histologie): Direkte Erwägung der Zystektomie oder zumindest enge Diskussion in einer interdisziplinären Tumorkonferenz.

Bei muskelinvasivem Tumor (T2 oder höher): Die Behandlung wechselt komplett – die TUR-B war hier nur diagnostisch. Standard ist die radikale Zystektomie, idealerweise nach neoadjuvanter Cisplatin-basierter Chemotherapie, alternativ in ausgewählten Fällen eine blasenerhaltende Trimodal-Therapie aus maximaler TUR-B + Bestrahlung + Chemotherapie.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die TUR-B?

Der eigentliche Eingriff dauert je nach Anzahl, Größe und Lokalisation der Tumoren etwa 30 bis 60 Minuten, in Einzelfällen länger. Mit Anästhesieaufklärung, Vorbereitung im OP und Aufwachraum dauert der gesamte Krankenhaus-Tag etwa 4 bis 6 Stunden. Der stationäre Aufenthalt liegt bei den meisten Patienten zwischen 1 und 3 Tagen, abhängig vom Operationsverlauf und der Spülungs- und Katheterdauer.

Bekomme ich nach der TUR-B eine BCG-Therapie?

Das hängt vom Pathologiebefund ab. Bei Niedrigrisiko-Tumoren reicht meist die einmalige Frühinstillation in der Klinik. Bei mittlerem und hohem Risiko folgt eine längerfristige Behandlung mit BCG (Lebendimpfstoff der Tuberkulose) oder Mitomycin – diese beginnt etwa 4-6 Wochen nach der OP, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist. Die genaue Therapie wird nach dem Pathologiebefund festgelegt und in einer Tumorkonferenz besprochen.

Warum braucht es manchmal eine zweite TUR-B nach 4 bis 6 Wochen?

Die zweite TUR-B (Re-TUR-B) ist kein Hinweis auf einen Fehler bei der ersten Operation, sondern Standard bei bestimmten Hochrisikobefunden – vor allem T1 high-grade Tumoren oder fehlendem Detrusormuskel im ersten Präparat. Sie sichert das Staging und entdeckt mögliche Tumorreste. Studien zeigen, dass dies das rezidivfreie Überleben deutlich verbessert. Die Re-TUR-B ist also ein Qualitätsmerkmal moderner Blasenkrebstherapie.

Wann darf ich nach der OP wieder Sport machen und arbeiten?

Spazierengehen ab dem ersten Tag, Bürotätigkeiten meist nach 1-2 Wochen, körperlich anstrengende Arbeit und Sport (vor allem Radfahren) erst nach 4 bis 6 Wochen, wenn die Blasenwunde abgeheilt ist. Geschlechtsverkehr ist nach 3-4 Wochen wieder möglich, sobald der Urin klar ist und keine Beschwerden bestehen. Schwimmen und Sauna besser für 2-3 Wochen meiden, um Infektionen zu vermeiden.

Wie oft muss ich nach einer TUR-B zur Nachsorge?

Das hängt vom Risikoprofil ab. Bei Niedrigrisiko-Tumoren wird typischerweise nach 3 Monaten die erste Kontroll-Zystoskopie durchgeführt, dann jährlich. Bei intermediärem Risiko alle 3 Monate für 2 Jahre, dann halbjährlich, dann jährlich. Bei Hochrisiko-Tumoren engmaschiger – alle 3 Monate für mehrere Jahre, plus regelmäßige Bildgebung des oberen Harntrakts. Die Nachsorge bleibt oft lebenslang nötig, kann aber im Laufe der Zeit ausgedünnt werden. Eine Studienauswertung der EAU 2025 erlaubt bei niedrigem Risiko eine reduzierte Frequenz.

Quellen

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.