In einfachen WortenEin Stein aus der Niere wandert in den Harnleiter und bleibt dort stecken. Das ist die klassische Nierenkolik: plötzlicher, sehr starker Schmerz in der Flanke, oft mit Übelkeit, in Wellen.Weiterlesen
Ob ein Stein von allein abgeht, hängt vor allem von der Größe ab. Bis vier Millimeter schaffen es die meisten, ab sieben Millimetern kaum noch einer.
In der Kolik hilft ein entzündungshemmendes Schmerzmittel schneller und besser als ein krampflösendes. Wichtig ist, es früh zu nehmen.
Fieber zusammen mit einer Kolik kann ein Notfall sein. Dann staut sich infizierter Urin, und der muss innerhalb von Stunden abgeleitet werden.
Wann Sie ärztlichen Rat brauchen
- Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit einer Kolik
- Sie können kein Wasser mehr lassen
- Anhaltendes Erbrechen, so dass Sie nichts bei sich behalten
- Der Schmerz lässt trotz Schmerzmittel nicht nach
Fieber mit Kolik bedeutet gestauten, infizierten Urin. Der muss innerhalb von Stunden abgeleitet werden, sonst droht eine Blutvergiftung.
Der Schmerz, den man nicht vergisst
Ein Harnleiterstein macht sich meist ohne Vorwarnung bemerkbar. Der Schmerz kommt in Wellen, sitzt in der Flanke, zieht in Leiste oder Hoden beziehungsweise Schamlippe, und er ist so stark, dass Betroffene keine Haltung finden, in der es besser wird. Genau dieses ruhelose Umherlaufen unterscheidet die Kolik von fast allen anderen Bauchschmerzen.

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Ursache ist nicht der Stein selbst, sondern der Druck dahinter. Der Harnleiter versucht, das Hindernis weiterzuschieben, der Urin staut sich zurück, das Nierenbecken dehnt sich. Übelkeit und Erbrechen gehören dazu, weil dieselben Nervenbahnen den Darm mitversorgen.
Größe und Lage entscheiden fast alles
Ob ein Stein von allein abgeht, hängt vor allem an zwei Zahlen: seinem Durchmesser und seiner Entfernung zur Blase. Je weiter unten er liegt, desto besser stehen die Chancen.
Daraus folgt die Grundregel: Kleine Steine im unteren Harnleiter dürfen beobachtet werden, große und weit oben liegende werden aktiv behandelt. Die Grenze verläuft nicht scharf, und die Entscheidung berücksichtigt auch Beruf, Schmerzverlauf und wie gut jemand mit dem Warten zurechtkommt.

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Wie die Diagnose gestellt wird
Der schnellste Weg ist der Ultraschall. Er zeigt den Aufstau zuverlässig, den Stein selbst aber nur, wenn er günstig liegt. Deshalb folgt in aller Regel eine Computertomografie ohne Kontrastmittel, die in einer strahlenarmen Variante durchgeführt wird. Sie zeigt Größe, Lage und Dichte, und die Dichte sagt voraus, ob eine Stoßwellenbehandlung überhaupt Aussicht auf Erfolg hat.
Dazu kommen Urinuntersuchung, Nierenwerte und Entzündungswerte. Blut im Urin findet sich bei den meisten, sein Fehlen schließt einen Stein aber nicht aus.
Die Schmerzbehandlung
Erste Wahl sind entzündungshemmende Schmerzmittel, nicht Opioide. Sie wirken bei der Kolik besser, weil sie zusätzlich den Druck im Nierenbecken senken, indem sie die Urinproduktion vorübergehend drosseln. Ergänzt wird häufig ein krampflösendes Mittel.
Wärme in Form eines Bades oder einer Wärmflasche entspannt die Muskulatur und wird von vielen als angenehm empfunden. Bei Fieber gilt das nicht, dann ist Wärme kontraproduktiv.
Abwarten mit Unterstützung
Ist der Stein klein, liegt er unten und geht es Ihnen ansonsten gut, wird zunächst abgewartet. Unterstützt wird das durch ein Medikament, das die Muskulatur des unteren Harnleiters entspannt, mehr dazu unter medikamentöse Expulsivtherapie.
Sinnvoll ist ein Steinsieb: Der Urin wird durch ein feines Sieb gelassen, damit der abgegangene Stein aufgefangen und analysiert werden kann. Diese Analyse ist mehr wert, als sie klingt, denn sie bestimmt die gesamte Vorbeugung. Ohne sie bleibt jede Empfehlung zur Steinvorbeugung Raterei.
Nach etwa vier Wochen ohne Abgang wird aktiv behandelt, früher, wenn Schmerzen nicht beherrschbar sind, die Nierenfunktion leidet oder ein Infekt dazukommt.
Wenn behandelt wird
Zwei Verfahren stehen zur Wahl. Die Stoßwellenbehandlung zertrümmert den Stein von außen, ohne Schnitt und ohne Instrument im Körper, verlangt aber, dass die Bruchstücke anschließend selbst abgehen. Die Harnleiterspiegelung mit Laser holt den Stein unter Sicht heraus und erreicht in einer Sitzung deutlich häufiger Steinfreiheit, ist dafür ein endoskopischer Eingriff in Narkose.
Bei einem infizierten Aufstau gilt eine andere Reihenfolge: Erst wird der Urin entlastet, entweder über eine Harnleiterschiene oder eine Nierenfistel, und der Infekt behandelt. Der Stein selbst kommt erst danach an die Reihe.
Häufige Fragen
Bei kleinen Steinen im unteren Harnleiter bis zu etwa vier Wochen, sofern die Schmerzen beherrschbar sind, kein Fieber auftritt und Kontrollen zeigen, dass die Niere nicht leidet. Wird eine dieser Bedingungen verletzt, wird früher gehandelt.
Meist am plötzlichen Ende der Beschwerden. Der eigentliche Abgang durch die Harnröhre wird häufig gar nicht bemerkt, weil der Stein dort keinen Widerstand mehr findet. Sicherheit gibt nur die Kontrolle: Ein Stein im Sieb oder ein unauffälliger Ultraschall. Nachlassende Schmerzen allein können auch bedeuten, dass die Niere still leidet.
Ohne Vorbeugung ist das Risiko hoch, etwa die Hälfte der Betroffenen erlebt innerhalb von zehn Jahren einen weiteren Stein. Mit Steinanalyse, ausreichender Trinkmenge und gezielter Ernährungsanpassung lässt sich dieses Risiko deutlich senken.
Quellen
Leitlinien
• S2k-Leitlinie Urolithiasis. DGU, AWMF, 2023.
• European Association of Urology. EAU Guidelines on Urolithiasis / Renal Cell Carcinoma. Ausgabe 2024.
Reviews
• Hollingsworth, J. M. et al. Alpha blockers for treatment of ureteric stones: systematic review and meta-analysis. BMJ, 2016;355:i6112. PMID 27908918