Überblick
Ein Harnleiterstein entsteht, wenn ein Nierenstein in den Harnleiter abrutscht und dort stecken bleibt. Die resultierende Harnstauung und Dehnungsschmerzen verursachen die typische Nierenkolik – einer der stärksten Schmerzen überhaupt. Drei natürliche Engstellen: Nierenbeckenabgang (pyeloureteraler Übergang), Überkreuzung mit den Iliakalgefäßen, vesikoureteraler Übergang (Blasenmündung).
Symptome und Notfall
Nierenkolik: Heftigste, wellenförmige Flankenschmerzen mit Ausstrahlung in Leiste, Hoden/Labien. Übelkeit, Erbrechen, Unruhe. Hämaturie in >80%. Bei gleichzeitigem Fieber: Urosepsis-Gefahr → Notfall! Sofortige Entlastung (
DJ-Stent oder Nephrostomie) + Antibiotika.
Therapie
Akut – Schmerztherapie: Metamizol i.v. oder Diclofenac i.m./supp. als Erstlinienanalgetika. NSAR fördern zusätzlich den Steinabgang. Opioide nur bei Versagen.
Konservativ (MET): Bei Steinen <6 mm:
Tamsulosin 0,4 mg/Tag + NSAR. Spontanabgang: <5 mm → 68–80%, 5–10 mm → 25–50%. Max. 4–6 Wochen abwarten.
Interventionell: URS mit Laserlithotripsie (Standardverfahren, >90% Steinfreiheit).
ESWL bei proximalen Steinen <10 mm. Notfall-DJ-Stent bei Sepsis/Einzelniere/beidseitiger Obstruktion.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie merke ich, ob der Stein abgegangen ist?▼
Die Koliken hören schlagartig auf – das ist das sicherste Zeichen. Fangen Sie den Stein mit einem Sieb auf (Kaffeefilter funktioniert). Eine Ultraschallkontrolle bestätigt die Steinfreiheit. Manchmal geht der Stein unbemerkt ab.
Wann muss ich sofort ins Krankenhaus?▼
Sofort bei: Fieber plus Flankenschmerz (Urosepsis-Gefahr!), beidseitiger Kolik, Einzelniere mit Stauung, nicht beherrschbare Schmerzen trotz Analgetika, oder Erbrechen ohne Flüssigkeitsaufnahme.
Quellen
S2k-Leitlinie Urolithiasis. DGU, AWMF, 2023.
EAU Guidelines on Urolithiasis / Renal Cell Carcinoma. European Association of Urology, 2024.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.
Therapieentscheidung nach Steingröße und Lage
Distaler Stein <5 mm
Spontanabgangsrate: 71–98%. MET mit Tamsulosin 0,4 mg. NSAR-Analgesie. Kontrolle nach 1–2 Wochen. Abwarten bis 4–6 Wochen möglich.
Distaler Stein 5–10 mm
Spontanabgangsrate: 25–53%. MET-Versuch für 2–4 Wochen ODER primäre URS. Tamsulosin beschleunigt Abgang um 65% und reduziert Koliken signifikant.
Proximaler Stein >10 mm
Spontanabgang unwahrscheinlich. Primäre Intervention: URS (semirigid oder flexibel mit Laser). ESWL als Alternative bei Stein <15 mm ohne Stauung.
Impaktierter Stein
Stein sitzt fest, Stauung nimmt zu, Schmerzen persistieren. URS mit Laser-Lithotripsie – oft DJ-Stent vorschalten wenn Harnleiter zu eng für primäre URS.
Schmerzmanagement bei Nierenkolik
Erstlinie: Diclofenac 75 mg i.m. oder i.v. (NSAR = Goldstandard bei Kolik! Wirkt analgetisch UND anti-ödematös am Harnleiter → fördert Steinpassage). Metamizol 1g i.v. als Alternative. Paracetamol 1g i.v. bei NSAR-Kontraindikation.
Zweitlinie: Piritramid 3,75–7,5 mg i.v. (Opioid) oder Morphin. Cave: Opioide lösen den Harnleiterspasmus NICHT – sie maskieren nur den Schmerz. Immer mit NSAR kombinieren. Buscopan (Butylscopolamin) als Spasmolytikum: Evidenz schwach, aber in der Praxis häufig eingesetzt.
Sofortige Intervention (kein Abwarten!): Fieber + Stauung (Urosepsis!), Einzelniere mit Obstruktion, beidseitige Harnleiterobstruktion, nicht beherrschbare Schmerzen trotz maximaler Analgesie, Kreatinin-Anstieg.
Verwandte Artikel
⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.