Überblick
Die ESWL ist die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie – eine nicht-invasive Methode zur Zertrümmerung von Harnsteinen. Stoßwellen werden außerhalb des Körpers erzeugt und auf den Stein fokussiert. Die Fragmente werden über die Harnwege mit dem Urin ausgeschieden. Ambulant und ohne Narkose (Analgosedierung) durchführbar.
Indikation und Ablauf
Indikation: Nierensteine bis 20 mm, Harnleitersteine (proximal) bis 10 mm. Steinfreiheitsrate: 70–90% bei Steinen <10 mm, 50–70% bei 10–20 mm. Harte Steine (Calciumoxalat-Monohydrat, Cystin) sprechen schlechter an.
Ablauf: Patient liegt auf der Behandlungsliege. Stein wird per Röntgen oder Ultraschall geortet. 2.000–4.000 Stoßwellen pro Sitzung. Dauer: 30–60 Minuten. Leichte Sedierung und Analgesie. Ambulant möglich.
Komplikationen: Koliken (Steinstraße), Hämaturie (normal für 1–2 Tage), Nierenkapsel-Hämatom (selten). Kontraindikationen: Schwangerschaft, unbehandelte HWI, Gerinnungsstörung, Aortenaneurysma, Stein hinter knöcherner Obstruktion.
ESWL vs. URS: Trend zur URS (Ureterorenoskopie) wegen höherer Steinfreiheitsrate in einer Sitzung. ESWL bleibt Erstlinien-Option bei Nierenbeckensteinen <10 mm und bei Patienten, die keinen Eingriff wünschen.
Häufige Fragen (FAQ)
Tut die ESWL weh?▼
Die meisten Patienten beschreiben ein Klopfen oder Pochen – unangenehm, aber erträglich. Eine Analgosedierung wird gegeben. Die Behandlung dauert 30–60 Minuten. Danach leichte Flankenschmerzen und Blut im Urin für 1–2 Tage sind normal.
Quellen
S2k-Leitlinie Urolithiasis. DGU, AWMF, 2023.
EAU Guidelines on Urolithiasis / Renal Cell Carcinoma. European Association of Urology, 2024.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.
Technik und Durchführung
Prinzip: Elektromagnetisch, elektrohydraulisch oder piezoelektrisch erzeugte Stoßwellen werden durch die Haut auf den Stein fokussiert. Der Stein wird durch Kompressions- und Zugspannungswellen zertrümmert (Spallation, Kavitation). Fragmente gehen über den Harnleiter spontan ab.
Vorbereitung: Steinlokalisation per Ultraschall oder Röntgen. Antikoagulation pausieren (ASS kann belassen werden, Clopidogrel/DOAK 5–7 Tage pausieren). Urinkultur (infizierte Stauungsniere = Kontraindikation!). Analgesie: NSAR oder Sedoanalgesie (bei Kindern: Vollnarkose). Positionierung: Rücken- oder Bauchlage je nach Steinlokalisation.
Ergebnisse und Limitationen
Steinfreiheitsraten: Nierensteine <10 mm: 75–85%. Nierensteine 10–20 mm: 50–70%. Harnleitersteine proximal <10 mm: 80%. Untere Kelchsteine: schlechteste Ergebnisse (ungünstiger Abflusswinkel, Fragmente bleiben liegen). Steinzusammensetzung: Calciumoxalat-Monohydrat und Cystin sind extrem hart → schlechtes ESWL-Ansprechen → besser URS.
Nachteile vs. URS: Geringere Steinfreiheitsrate in einer Sitzung, oft Mehrfachbehandlung nötig, Steinstraßen-Risiko (Fragmentansammlung im Harnleiter → DJ-Stent), Restfragmente können als Nidus für neues Steinwachstum dienen. Vorteile: Nicht-invasiv, keine Narkose nötig, ambulant, keine Harnleiterverletzung. Komplikationen: Nierenblutung (subkapsulär, selten klinisch relevant), Steinstraße (5–10%), Kolik nach Behandlung.
EAU-Empfehlung 2024: ESWL und URS sind gleichwertige Erstlinien-Optionen für Nierensteine <20 mm. Die Wahl hängt ab von: Steingröße, -härte, -lage (unterer Kelch → eher URS), Patientenpräferenz, Antikoagulation (→ eher ESWL als invasiver Eingriff). Bei >20 mm: PCNL bevorzugt.
Verwandte Artikel
⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.