Damit eine Chemolitholyse erfolgreich sein kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:
1. Steinidentifikation: Harnsäuresteine sind im konventionellen Röntgen nicht sichtbar (röntgennegativ). Im Nativ-CT zeigen sie eine niedrige Hounsfield-Dichte (200–400 HU). Dual-Energy-CT kann die Steinzusammensetzung mit hoher Sicherheit bestimmen. Eine vorangegangene Steinanalyse eines abgegangenen Steins ist der sicherste Nachweis.
2. Freier Harnabfluss: Der Stein darf den Harnleiter nicht komplett verschließen, da die alkalische Spüllösung den Stein erreichen muss. Bei relevanter Stauung zunächst DJ-Stent einlegen.
Medikamente: Kaliumcitrat (Uralyt-U®) oder Natriumbicarbonat oral. Ziel-pH: 6,5–7,0 (nicht über 7,2 – sonst Calciumphosphatsteine!).
Überwachung: Urin-pH 3× täglich mit Teststreifen messen und dokumentieren (pH-Protokoll). Trinkmenge: mindestens 2,5 Liter/Tag. Sonografische oder CT-Kontrolle alle 2–4 Wochen zur Verlaufsbeurteilung.
Dauer: Abhängig von der Steingröße – kleine Steine (5–10 mm) lösen sich in 2–4 Wochen auf, größere Steine können Monate benötigen. Geduld und konsequente pH-Einstellung sind entscheidend.
Nein, nur reine Harnsäuresteine (ca. 10% aller Steine) sind chemisch auflösbar. Calciumoxalat-Steine (häufigster Typ, 75%) und Calciumphosphat-Steine können nicht aufgelöst werden und erfordern interventionelle Verfahren.
Die Chemolitholyse erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Kaliumcitrat (Uralyt-U® Granulat oder Blanel® Brausetabletten) wird dreimal täglich eingenommen. Der Patient misst den Urin-pH dreimal täglich mit Indikatorpapier (vor jeder Einnahme). Ziel-pH: 6,5–7,0 – in diesem Bereich lösen sich Harnsäurekristalle auf, höhere pH-Werte (über 7,5) begünstigen dagegen Calciumphosphat-Steinbildung. Die Auflösung dauert Wochen bis Monate – Ultraschallkontrollen alle vier Wochen zeigen den Therapieerfolg (Steinverkleinerung). Gleichzeitig: Trinkmenge über 2,5 Liter, purinarme Ernährung, Allopurinol 100–300 mg bei Serumharnsäure über 6,5 mg/dl. Voraussetzung: Der Stein muss als reiner Harnsäurestein gesichert sein (CT-Dichte unter 500 HU, Urin-pH unter 6,0, keine Kontrastmittelaufnahme).