Therapie

Chemolitholyse (Medikamentöse Steinauflösung)

Auflösung von Harnsäuresteinen durch Urin-Alkalisierung. Einzige nicht-invasive kausale Steintherapie.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die Chemolitholyse ist die medikamentöse Auflösung von Harnsteinen – möglich ausschließlich bei reinen Harnsäuresteinen (ca. 10% aller Harnsteine). Durch systematische Alkalisierung des Urins auf einen pH von 6,5–7,0 lösen sich diese Steine langsam auf. Es ist die einzige nicht-invasive kausale Steintherapie in der Urologie.

Voraussetzungen und Diagnostik

Damit eine Chemolitholyse erfolgreich sein kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

1. Steinidentifikation: Harnsäuresteine sind im konventionellen Röntgen nicht sichtbar (röntgennegativ). Im Nativ-CT zeigen sie eine niedrige Hounsfield-Dichte (200–400 HU). Dual-Energy-CT kann die Steinzusammensetzung mit hoher Sicherheit bestimmen. Eine vorangegangene Steinanalyse eines abgegangenen Steins ist der sicherste Nachweis.

2. Freier Harnabfluss: Der Stein darf den Harnleiter nicht komplett verschließen, da die alkalische Spüllösung den Stein erreichen muss. Bei relevanter Stauung zunächst DJ-Stent einlegen.

Durchführung

Medikamente: Kaliumcitrat (Uralyt-U®) oder Natriumbicarbonat oral. Ziel-pH: 6,5–7,0 (nicht über 7,2 – sonst Calciumphosphatsteine!).

Überwachung: Urin-pH 3× täglich mit Teststreifen messen und dokumentieren (pH-Protokoll). Trinkmenge: mindestens 2,5 Liter/Tag. Sonografische oder CT-Kontrolle alle 2–4 Wochen zur Verlaufsbeurteilung.

Dauer: Abhängig von der Steingröße – kleine Steine (5–10 mm) lösen sich in 2–4 Wochen auf, größere Steine können Monate benötigen. Geduld und konsequente pH-Einstellung sind entscheidend.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man jeden Nierenstein auflösen?

Nein, nur reine Harnsäuresteine (ca. 10% aller Steine) sind chemisch auflösbar. Calciumoxalat-Steine (häufigster Typ, 75%) und Calciumphosphat-Steine können nicht aufgelöst werden und erfordern interventionelle Verfahren.

Quellen

Türk, C. et al. EAU Guidelines on Urolithiasis. European Association of Urology, 2024.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.

Praktische Durchführung

Die Chemolitholyse erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Kaliumcitrat (Uralyt-U® Granulat oder Blanel® Brausetabletten) wird dreimal täglich eingenommen. Der Patient misst den Urin-pH dreimal täglich mit Indikatorpapier (vor jeder Einnahme). Ziel-pH: 6,5–7,0 – in diesem Bereich lösen sich Harnsäurekristalle auf, höhere pH-Werte (über 7,5) begünstigen dagegen Calciumphosphat-Steinbildung. Die Auflösung dauert Wochen bis Monate – Ultraschallkontrollen alle vier Wochen zeigen den Therapieerfolg (Steinverkleinerung). Gleichzeitig: Trinkmenge über 2,5 Liter, purinarme Ernährung, Allopurinol 100–300 mg bei Serumharnsäure über 6,5 mg/dl. Voraussetzung: Der Stein muss als reiner Harnsäurestein gesichert sein (CT-Dichte unter 500 HU, Urin-pH unter 6,0, keine Kontrastmittelaufnahme).

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.