Therapie

Medikamentöse Expulsivtherapie (MET)

Medikamentöse Unterstützung des spontanen Steinabgangs bei kleinen Harnleitersteinen – Tamsulosin als Standard.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die medikamentöse Expulsivtherapie (MET) unterstützt den natürlichen Abgang von Harnleitersteinen. Tamsulosin (Alpha-Blocker, 0,4 mg täglich) relaxiert die glatte Muskulatur des distalen Harnleiters und erleichtert die Steinpassage. Besonders wirksam bei distalen Harnleitersteinen zwischen 5 und 10 mm.

Indikation

Geeignet: Distale Harnleitersteine 5–10 mm, keine Infektion, keine komplette Obstruktion, Einzelniere nur unter engmaschiger Kontrolle. Steine unter 5 mm gehen in 68–80% auch ohne MET spontan ab – hier kann dennoch Tamsulosin die Zeit bis zum Abgang verkürzen und Koliken reduzieren.

Nicht geeignet: Steine über 10 mm (geringe Spontanabgangsrate), begleitende Harnwegsinfektion mit Stauung (Notfallentlastung!), anhaltende Schmerzen trotz Analgesie, Einzelniere ohne engmaschige Überwachungsmöglichkeit.

Durchführung und Ergebnisse

Schema: Tamsulosin 0,4 mg 1× täglich für maximal 4–6 Wochen. Kombination mit NSAR (Diclofenac 2×50 mg) zur Analgesie und Reduktion des Harnleiteröödems. Ausreichend trinken (2–2,5 l/Tag), körperliche Aktivität.

Kontrolle: Ultraschall und/oder Röntgen nach 1–2 Wochen. Bei fehlender Steinwanderung, zunehmender Stauung oder Fieber: sofortige Intervention (URS).

Ergebnisse
Steinabgangsrate mit MET: ca. 85% bei distalen Steinen 5–10 mm (vs. 65% ohne MET). Signifikant weniger Koliken und Analgetikabedarf. NNT (Number Needed to Treat): ca. 5.
Nebenwirkungen
Tamsulosin: orthostatische Hypotonie (selten), retrograde Ejakulation (vorübergehend), Schwindel. Insgesamt sehr gut verträglich.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert es, bis der Stein abgeht?

Im Durchschnitt 1–3 Wochen bei distalen Steinen. Falls nach 4–6 Wochen kein Abgang erfolgt, sollte eine interventionelle Therapie (URS) eingeleitet werden, um Nierenschäden zu vermeiden.

Muss ich den Stein auffangen?

Ja, unbedingt! Verwenden Sie ein Sieb oder einen Kaffeefilter beim Wasserlassen. Die Steinanalyse bestimmt die Zusammensetzung und ist entscheidend für die Metaphylaxe (Vorbeugung weiterer Steine).

Quellen

Türk, C. et al. EAU Guidelines on Urolithiasis. European Association of Urology, 2024.
S2k-Leitlinie Urolithiasis. DGU, AWMF-Register-Nr. 043/025, 2023.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.