Therapie

TUR-P (Transurethrale Resektion der Prostata)

Goldstandard-OP bei BPH: Prostatagewebe wird über die Harnröhre elektrisch abgetragen.
📅 Aktualisiert: Mai 2026 · 14 Min. Lesezeit

Überblick

Die transurethrale Resektion der Prostata, kurz TUR-P, ist seit Jahrzehnten der operative Goldstandard zur Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) bei Drüsenvolumina zwischen 30 und 80 Millilitern. Über die Harnröhre wird ein Resektoskop eingeführt, mit einer elektrischen Schlinge wird das obstruierende Adenomgewebe schrittweise abgetragen. Hautschnitte sind nicht nötig, der Eingriff erfolgt vollständig endoskopisch in Spinal- oder Vollnarkose. Die Operation dauert typischerweise 45 bis 90 Minuten, der stationäre Aufenthalt zwei bis vier Tage.

30–80 ml
Prostatavolumen-Bereich
>90%
Symptomverbesserung
2–4
Tage stationär
10+ J.
Langzeit-Datenbasis

Trotz neuerer Verfahren wie HoLEP (Holmium-Laser-Enukleation), Aquablation, Rezūm-Wasserdampftherapie und UroLift bleibt die TUR-P die operative Referenz, an der sich alle Alternativen messen lassen müssen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 103 randomisierten Studien (Springer 2024, 8.521 Patienten, Zeitraum 2000–2022) zeigt: Die funktionellen Ergebnisse der TUR-P sind über zwei Jahrzehnte stabil exzellent geblieben, während sich die Komplikationsraten mit der bipolaren Technik kontinuierlich verbessert haben.

Monopolar vs. bipolar – ein wichtiger Unterschied

Die TUR-P existiert in zwei technischen Varianten, die sich klinisch wesentlich unterscheiden. Bei der monopolaren TUR-P (M-TUR-P) fließt der Strom durch den Patienten zu einer Neutralelektrode auf der Haut. Das Spülmedium muss elektrisch nicht-leitend sein – verwendet werden Glycin-, Sorbit- oder Mannitol-Lösungen. Diese hypotonen Lösungen können bei längerer OP-Dauer und ausgedehnter Resektion vom Körper aufgenommen werden und das gefürchtete TUR-Syndrom auslösen.

Bei der bipolaren TUR-P (B-TUR-P) fließt der Strom nur zwischen zwei Elektroden im Resektoskop selbst. Damit ist eine Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung möglich – die selbst bei massiver Aufnahme keine Elektrolytstörungen verursacht. Das TUR-Syndrom ist bei der bipolaren Technik praktisch eliminiert. Bipolare Geräte bieten zudem oft bessere Hämostase und damit weniger Blutverlust. Die meisten deutschen Zentren haben in den letzten zehn Jahren auf bipolare Systeme umgestellt; monopolar wird heute fast nur noch in spezifischen Konstellationen oder Ländern mit eingeschränkter Geräteverfügbarkeit eingesetzt.

Interessant: Bipolare TUR-P-Systeme nutzen ein Plasmafeld zwischen Aktivelektrode und einer zweiten Elektrode am Resektoskopkopf. Dieses Plasma „verdampft" das Gewebe statt es zu schneiden – Gewebeabtrag und Hämostase erfolgen praktisch gleichzeitig. Die OP-Zeiten sind heute oft kürzer als bei der klassischen monopolaren Technik.

Wann ist eine TUR-P indiziert?

Die Indikation zur TUR-P ergibt sich aus einer Kombination von Symptomen, objektivem Befund und Komplikationsrisiko. Eine OP wird typischerweise dann empfohlen, wenn die medikamentöse Therapie versagt oder nicht mehr ausreicht – oder wenn bereits Komplikationen aufgetreten sind, die unmittelbares Handeln erfordern.

Klassische OP-Indikationen sind: ein akuter Harnverhalt mit erfolglosem Auslassversuch trotz Alpha-Blocker-Therapie; ein chronischer Harnverhalt mit Restharnvolumen über 200 ml und Niereninsuffizienz oder rezidivierenden Harnwegsinfekten; Blasensteine als Folge des stagnierenden Urins; rezidivierende makroskopische Hämaturie aus der Prostata; sowie eine fortschreitende Niereninsuffizienz auf dem Boden einer chronischen Obstruktion.

Bei moderaten Symptomen ohne Komplikationen wird die OP auf Patientenwunsch dann empfohlen, wenn der internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS) trotz Medikation persistent über 19 liegt, der Maximalfluss in der Uroflowmetrie unter 10 ml/s bleibt und das Restharnvolumen über 100 ml beträgt. Letztlich ist die Lebensqualität entscheidend – die Frage „Können Sie mit den jetzigen Beschwerden weiterleben?" ist oft aussagekräftiger als jeder Score.

Voraussetzung ist, dass eine BPH und nicht ein anderer Pathomechanismus für die Beschwerden verantwortlich ist – ein Prostatakarzinom muss vor der OP ausgeschlossen werden, ebenso eine Blasenfunktionsstörung mit überaktivem Detrusor, eine Harnröhrenstriktur oder eine neurogene Komponente.

Voruntersuchungen vor der TUR-P

Vor der OP wird ein standardisiertes Bündel an Untersuchungen durchgeführt, um die Indikation zu sichern und Risiken zu identifizieren. Anamnese und körperliche Untersuchung mit digital-rektaler Untersuchung sind Pflicht. Der PSA-Wert wird bestimmt, um ein Prostatakarzinom auszuschließen oder bei Auffälligkeiten weitere Diagnostik anzustoßen. Bei erhöhten oder grenzwertigen PSA-Werten kann eine multiparametrische MRT der Prostata vor der OP sinnvoll sein.

Die Uroflowmetrie dokumentiert den maximalen Harnstrahl, eine Restharnsonographie die postmiktionelle Restharnmenge. Bei diagnostischen Unsicherheiten – etwa bei Verdacht auf Blasenmuskelschwäche – wird eine Druckflussmessung (Urodynamik) empfohlen. Die Sonographie der Prostata transrektal oder transabdominal bestimmt das Volumen, weil dieses für die Wahl des OP-Verfahrens entscheidend ist (TUR-P bei 30–80 ml, HoLEP oder Aquablation bei größeren Drüsen).

Aus internistischer Sicht sind Routine-Laborwerte (Blutbild, Gerinnung, Elektrolyte, Kreatinin), ein EKG und je nach Risiko auch ein Röntgen-Thorax oder eine kardiologische Bewertung erforderlich. Die Gerinnungsmedikation muss in Absprache mit dem behandelnden Internisten oder Kardiologen rechtzeitig pausiert oder umgestellt werden – Aspirin meist 5–7 Tage vor OP, neuere orale Antikoagulanzien je nach Substanz und Nierenfunktion 24–48 Stunden vorher.

Therapieentscheidung im Überblick

Welche operative Methode für welchen Patienten am besten passt, hängt von mehreren Faktoren ab – allen voran dem Prostatavolumen, dem Wunsch nach Ejakulationserhalt und individuellen Risikofaktoren wie Antikoagulation oder hohem Operationsrisiko.

BPH mit OP-Indikation Therapieversagen oder Komplikationen Prostatavolumen-Bestimmung (Sonographie) < 30 ml Kleine Prostata Inzision (TUI-P), UroLift oder Rezūm bei Ejakulationswunsch 30–80 ml Mittlere Prostata TUR-P (Goldstandard) Aquablation HoLEP / ThuLEP > 80 ml Große Prostata HoLEP / ThuLEP offene Adenomektomie oder Aquablation Patientenpräferenzen + Risiko-Profil Antikoagulation? Ejakulationserhalt? OP-Risiko? Verfügbarkeit & Erfahrung des Operateurs? Individuelle OP-Wahl + Aufklärung

Bei kleinen Prostaten unter 30 ml ist eine TUR-P selten optimal – hier sind transurethrale Inzisionen (TUI-P), UroLift oder Rezūm meist ausreichend und schonender. Bei Drüsen über 80 ml steigen die OP-Zeit und das Komplikationsrisiko der TUR-P deutlich; in dieser Größe sind HoLEP, ThuLEP oder die offene Adenomektomie zu bevorzugen.

Ablauf der Operation

Die TUR-P findet typischerweise unter Spinalanästhesie statt; bei Kontraindikationen oder Patientenwunsch alternativ unter Vollnarkose. Der Patient liegt in Steinschnittlage. Nach steriler Abdeckung wird das Resektoskop – ein metallisches Endoskop mit eingebauter elektrischer Schlinge, Kamera, Spül- und Absaugkanal – über die Harnröhre eingeführt. Mit einer Optik wird zunächst die Anatomie inspiziert: Lage des Sphincter externus (zur Vermeidung einer Inkontinenz absolut zu schonen), Verlauf der Harnleitermündungen, Beurteilung des Mittellappens.

Die eigentliche Resektion erfolgt schichtweise. Das Adenomgewebe wird mit der Hochfrequenzschlinge in spanabhebenden Bewegungen entfernt. Klassisch nach Nesbit beginnt der Operateur am Mittellappen, dann werden Seitenlappen und schließlich der apikale Anteil reseziert – immer unter Schonung des äußeren Schließmuskels. Die abgetragenen Gewebespäne werden mit der Spülflüssigkeit ausgeschwemmt und am OP-Ende mit einer Ellik-Spritze aus der Blase evakuiert.

Eine Untersuchung an 43 Patienten (Cureus 2023) zeigte: Wer mehr als 30 Prozent des Prostatagewichts reseziert, erzielt bessere funktionelle Ergebnisse – die IPSS-Reduktion war 83 Prozent versus 78 Prozent, der Qmax-Anstieg 194 Prozent versus 171 Prozent. Eine ausreichend tiefe und vollständige Resektion ist also ein zentraler Qualitätsparameter.

Am OP-Ende wird ein dreilumiger Spülkatheter mit großem Kaliber (in der Regel 22 Charrière) eingelegt. Er dient der kontinuierlichen Spülung mit Kochsalzlösung in den ersten 24 bis 48 Stunden – das verhindert Blutgerinnsel im Blasenraum, die den Katheter verstopfen und einen erneuten Eingriff erforderlich machen würden. Die Resektionsspäne werden vollständig zur histologischen Untersuchung versandt: Bei 5–10 Prozent der TUR-P-Präparate finden sich Zufallsbefunde eines inzidenten Prostatakarzinoms (T1a/T1b nach TNM), das durch die Resektion oft bereits ausreichend behandelt ist.

Postoperative Phase und Nachsorge

Die ersten Stunden nach der OP überwacht das Pflegepersonal vor allem die Spülflüssigkeit: Eine zunächst rötliche Spülung sollte sich innerhalb der ersten Stunden zu rosa und dann klar verfärben. Bei persistierender starker Rötung oder Blutkoagel-Bildung wird die Spülmenge erhöht oder der Operateur informiert. Eine ausreichende Trinkmenge ist essenziell – mindestens zwei Liter am ersten postoperativen Tag, um den natürlichen Spüleffekt zu unterstützen.

Der Spülkatheter wird typischerweise am zweiten oder dritten postoperativen Tag entfernt, wenn die Spülflüssigkeit klar ist. Der erste Wasserlass nach Katheterzug ist oft mit leichtem Brennen, Drangsymptomatik und gelegentlich noch geringer Hämaturie verbunden – das ist normal und klingt innerhalb von 7–14 Tagen ab. Bei klarer Miktion und Restharnfreiheit erfolgt die Entlassung in der Regel am dritten oder vierten postoperativen Tag.

Zu Hause gilt für etwa vier Wochen: keine schweren körperlichen Belastungen, keine Fahrradfahrten oder ähnlich druckintensive Aktivitäten, kein Geschlechtsverkehr in den ersten zwei bis drei Wochen, ausreichend Trinken (zwei Liter pro Tag), keine Vollbäder. Eine erste Nachkontrolle erfolgt 6 bis 8 Wochen nach OP mit Uroflowmetrie und Restharnsonographie. Etwa drei Monate nach der OP wird der PSA-Wert erstmals neu bestimmt – nach der Resektion sinkt er typischerweise um 50 bis 70 Prozent, dieser neue Wert ist die Basis für künftige Verlaufskontrollen.

Sofortige ärztliche Vorstellung bei: starkem Blutabgang mit Koageln im Urin, akutem Harnverhalt nach Katheterentfernung, hohem Fieber über 38,5 °C, anhaltendem Brennen oder Schmerzen jenseits der ersten Woche, neu aufgetretener Inkontinenz.

Komplikationen – Häufigkeit und Management

Die TUR-P ist ein etablierter und sicherer Eingriff, doch wie jede Operation hat sie ein Komplikationsrisiko. Die genaue Häufigkeit hängt von Prostatagröße, OP-Zeit, Operateur-Erfahrung und Patientenfaktoren ab.

Frühkomplikationen in den ersten Tagen: Eine relevante Nachblutung, die eine Bluttransfusion erforderlich macht, tritt bei etwa 6 bis 8 Prozent auf – mit bipolarer Technik tendenziell weniger. Harnwegsinfekte werden bei 8 bis 12 Prozent beobachtet, oft als afebrile Bakteriurie, in 1 bis 2 Prozent als febriler Verlauf mit Krankenhausaufenthalt. Das gefürchtete TUR-Syndrom (Hyponatriämie, Hyperhydratation, neurologische Symptome) ist mit der bipolaren Technik nahezu eliminiert; bei monopolaren Eingriffen wird es noch in 1 bis 2 Prozent beobachtet.

Eine Kapselperforation der Prostata tritt intraoperativ bei etwa 5 Prozent auf und wird meist konservativ durch verlängerte Katheterisierung beherrscht – nur in Ausnahmefällen ist eine offene Revision nötig.

Spätkomplikationen entwickeln sich Wochen bis Monate nach OP: Eine Harnröhrenstriktur (im bulbären Anteil, oft durch das Resektoskop verursacht) tritt bei 3 bis 4 Prozent auf und kann meist durch Bougierung oder Inzision behandelt werden. Eine Blasenhalskontraktur entsteht bei 2 bis 3 Prozent und wird endoskopisch reseziert.

Die retrograde Ejakulation ist die häufigste und nahezu unvermeidliche Folge der TUR-P: Bei 60 bis 80 Prozent der Männer ergießt sich der Samen nach OP in die Blase statt nach außen. Das ist medizinisch harmlos – die Erektionsfähigkeit und das Lustempfinden bleiben erhalten – stellt aber für Männer mit Familienplanung oder ausgeprägtem Wert auf den Ejakulationserhalt eine relevante Einschränkung dar. Hier sollten alternativ ejakulationsschonende Verfahren wie UroLift oder Rezūm diskutiert werden.

Eine Belastungsinkontinenz ist mit unter 1 Prozent selten und meist passager. Eine neu auftretende erektile Dysfunktion wird in den meisten Studien nicht häufiger beobachtet als bei BPH-Patienten unter Medikation – die Springer-2024-Meta-Analyse fand keinen negativen Effekt auf die Erektionsfunktion. Subjektiv klagen einige Männer dennoch über reduzierte Erektionen, was vermutlich multifaktoriell durch Alter, BPH selbst und psychologische Faktoren bedingt ist.

Funktionelle Ergebnisse

Die TUR-P liefert über alle Studien hinweg sehr gute funktionelle Ergebnisse. Der internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS) sinkt im Mittel um 70 bis 80 Prozent – ein Patient mit präoperativem IPSS von 22 erreicht typischerweise einen postoperativen Wert von 5 bis 8. Der maximale Harnstrahl in der Uroflowmetrie steigt um etwa 100 bis 150 Prozent (von präoperativ 8 ml/s auf 18 bis 22 ml/s), das Restharnvolumen halbiert sich oder wird komplett eliminiert.

Die Lebensqualitäts-Skala (QoL-Frage des IPSS) verbessert sich um 70 bis 85 Prozent. Dieser subjektive Wert ist in vielen Studien aussagekräftiger als die objektiven Messparameter – er reflektiert direkt, ob der Patient mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Die Langzeit-Stabilität der TUR-P ist gut belegt: Nach 10 Jahren benötigen etwa 5 bis 15 Prozent der Patienten einen Re-Eingriff, meist wegen Blasenhalskontraktur, Harnröhrenstriktur oder Re-BPH bei jüngeren Patienten mit fortgesetztem Wachstum. Damit ist die TUR-P einer der robustesten urologischen Eingriffe – Verfahren wie UroLift oder Rezūm haben Re-Eingriffsraten von 15 bis 25 Prozent nach 5 Jahren und sind in der Langzeitwirkung der TUR-P unterlegen.

TUR-P im Vergleich zu Alternativen

Mit dem Aufkommen laser-, wasserstrahl- und dampfbasierter Verfahren ist die operative Landschaft der BPH-Therapie deutlich vielfältiger geworden. Eine kurze Einordnung der wichtigsten Alternativen:

HoLEP (Holmium-Laser-Enukleation): Größenunabhängiges Verfahren, mit dem die gesamte Adenomschale aus der chirurgischen Kapsel herausgeschält wird. Bei großen Prostaten (>80 ml) der TUR-P überlegen, mit niedrigeren Transfusionsraten und kürzerem Katheterismus. Steile Lernkurve, weshalb die Verbreitung trotz exzellenter Daten begrenzt bleibt. Kann auch unter Antikoagulation durchgeführt werden – ein wichtiger Vorteil bei Risikopatienten.

ThuLEP (Thulium-Laser-Enukleation): Konzeptionell ähnlich HoLEP, technisch leicht unterschiedlich (Dauerstrich-Laser). Vergleichbare Ergebnisse, in einigen Studien geringfügig kürzere OP-Zeit. Verfügbarkeit zentrumsabhängig.

Aquablation (Wasserstrahl-Resektion): Hochdruck-Wasserstrahl-Ablation des Prostatagewebes unter intraoperativer Ultraschall-Kontrolle, computergeführt. Vergleichbare funktionelle Ergebnisse zur TUR-P bei mittleren Prostaten, kürzere OP-Zeit, in einigen Studien niedrigere Rate retrograder Ejakulation. Hohe Anschaffungskosten des Geräts limitieren die Verbreitung. Eine Vergleichsstudie aus Freiburg (Michaelis et al. 2024) zeigte vergleichbare Ergebnisse zu HoLEP nach 12 Monaten.

Rezūm (Wasserdampftherapie): Minimalinvasiv, ambulant durchführbar. Wasserdampf wird über Hohlnadeln direkt ins Adenomgewebe eingebracht, das Gewebe nekrotisiert und wird in den Folgewochen vom Körper resorbiert. Vorteil: hoher Ejakulationserhalt (>90 Prozent), durchführbar unter Antikoagulation. Nachteil: weniger ausgeprägte Symptomverbesserung als TUR-P, höhere Re-Eingriffsrate.

UroLift (prostatische Implantate): Mechanische Implantate, die das Prostatagewebe seitlich zur Harnröhre wegspannen. Ambulant in Lokalanästhesie möglich, Ejakulationserhalt >95 Prozent. Geeignet für jüngere Männer mit Ejakulationswunsch und kleiner bis mittlerer Prostata ohne ausgeprägten Mittellappen. Symptomverbesserung moderater als TUR-P; Re-Eingriffsrate höher.

Spezialfälle

TUR-P bei akutem Harnverhalt: Eine Studie aus 2025 (Cureus, 127 Patienten) zeigte: Männer, die wegen akutem Harnverhalt operiert werden, haben höhere Komplikationsraten (insbesondere Harnwegsinfekte und verlängerte Katheterzeit) als elektive Patienten. Vor einer TUR-P bei akutem Harnverhalt sollte daher eine Phase mit Dauerkatheter und Alpha-Blocker-Therapie versucht werden – bei erfolgreichem Auslassversuch kann der Eingriff in stabilerem Zustand elektiv durchgeführt werden.

TUR-P unter Antikoagulation: Bei Patienten unter dauerhaftem Marcumar oder neueren oralen Antikoagulanzien (NOAK) ist die TUR-P erschwert, weil das Blutungsrisiko steigt. Hier ist eine Umstellung auf Bridging mit niedermolekularem Heparin oder, bei NOAK, ein Pausieren je nach Substanz und Nierenfunktion erforderlich. Bei Patienten, bei denen das Pausieren der Antikoagulation kontraindiziert ist (z. B. mechanischer Herzklappenersatz mit Hochrisiko), sind HoLEP oder Rezūm die Verfahren der Wahl, weil sie unter laufender Antikoagulation durchführbar sind.

TUR-P bei sehr großer Prostata (>80 ml): Hier ist die TUR-P technisch grenzwertig: Längere OP-Zeit, höheres Risiko für Spülmittelaufnahme (auch bei bipolar relevant durch verlängerte Resektionsdauer), unvollständige Resektion mit suboptimalem funktionellen Ergebnis. In dieser Größe sind HoLEP, ThuLEP oder die offene Adenomektomie bevorzugt.

Rezidiv nach TUR-P: Bei jungen Patienten unter 60 Jahren mit weiterhin wachsender Prostata kann nach 8 bis 12 Jahren eine erneute Obstruktion auftreten. Eine Re-TUR-P ist möglich, aber technisch anspruchsvoller (Vernarbungen, veränderte Anatomie). In dieser Konstellation ist HoLEP oft die bessere Option.

Häufige Fragen (FAQ)

Wird die TUR-P von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

Ja, vollständig. Die TUR-P ist eine etablierte Standard-OP und wird bei medizinischer Indikation von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Voraussetzung ist eine ausreichend dokumentierte Indikation – also entweder Therapieversagen unter Medikation oder objektivierbare Komplikationen wie Harnverhalt, Blasensteine oder Niereninsuffizienz.

Wie lange dauert die Genesung bis zur normalen Aktivität?

Leichte Bürotätigkeit ist meist nach 2 Wochen wieder möglich, körperlich anstrengende Berufe oder schwere körperliche Arbeit nach 4 bis 6 Wochen. Geschlechtsverkehr ist nach 2 bis 3 Wochen wieder möglich. Sportliche Aktivität wie Schwimmen oder lockeres Joggen kann nach 4 Wochen wieder aufgenommen werden, Radfahren wegen des Drucks im Dammbereich erst nach 6 Wochen. Der vollständige Heilungsprozess in der Harnröhre dauert etwa 12 Wochen – bis dahin sind leichte Brennsymptome oder Drangbeschwerden möglich, die schrittweise abklingen.

Macht die TUR-P impotent?

Eine neu auftretende erektile Dysfunktion nach TUR-P ist selten – große Meta-Analysen zeigen keinen statistisch signifikanten Anstieg der Erektionsstörungen im Vergleich zu BPH-Patienten unter Medikation. Anders verhält es sich mit der retrograden Ejakulation: Bei 60 bis 80 Prozent der Männer ergießt sich der Samen nach OP in die Blase – das ist medizinisch harmlos, beeinträchtigt aber das subjektive Erleben des Orgasmus und die natürliche Zeugungsfähigkeit. Wer Wert auf Ejakulationserhalt legt, sollte vor der OP mit dem Urologen über UroLift oder Rezūm sprechen.

Was passiert, wenn der PSA-Wert nach der TUR-P wieder steigt?

Nach einer TUR-P sinkt der PSA-Wert typischerweise um 50 bis 70 Prozent, weil ein erheblicher Teil des Drüsengewebes entfernt wurde. Drei Monate nach OP wird ein neuer Basis-PSA-Wert bestimmt – dieser dient als Referenz für künftige Kontrollen. Steigt der PSA-Wert über diesen neuen Basiswert hinaus an, ist eine urologische Abklärung indiziert: Es kann sich um ein neu aufgetretenes Prostatakarzinom in der peripheren Zone handeln (die bei TUR-P unverändert bleibt), eine Prostatitis oder eine Re-Hyperplasie. Eine MRT der Prostata und ggf. eine gezielte Biopsie können nötig werden.

Kann eine TUR-P wiederholt werden?

Ja, eine Re-TUR-P ist technisch möglich, aber anspruchsvoller. Nach der ersten OP kommt es zu Vernarbungen und veränderter Anatomie, was die zweite Resektion erschwert. Bei jungen Patienten unter 60 Jahren mit weiterhin wachsender Prostata wird in einer Re-Eingriffs-Situation häufig HoLEP bevorzugt – das Verfahren entfernt das gesamte Adenomgewebe in einem Schritt und reduziert die Wahrscheinlichkeit weiterer Nachoperationen erheblich. Die Re-TUR-P-Rate nach 10 Jahren liegt insgesamt bei 5 bis 15 Prozent.

Quellen

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.