Niere

Pyelonephritis

Bakterielle Niereninfektion. Fieber + Flankenschmerz. Bei Harnstauung: Urosepsis-Gefahr!
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die Pyelonephritis ist eine bakterielle Infektion des Nierenbeckens und Nierenparenchyms – eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Aufsteigende Infektion in 95% der Fälle, E. coli in 80%. Frauen deutlich häufiger. Unkompliziert: prämenopausale, nicht-schwangere Frau ohne Anomalien. Kompliziert: bei Männern (IMMER kompliziert!), Schwangeren, anatomischen Anomalien, Harnstauung, Diabetes, Immunsuppression, Katheter.

Symptome und Diagnostik

Leitsymptome: Fieber >38°C (oft 39–40°C mit Schüttelfrost), einseitiger Flankenschmerz, positives Nierenlager-Klopfzeichen, Übelkeit, Erbrechen. Oft begleitende Miktionsbeschwerden (Dysurie, Pollakisurie) als Zeichen der begleitenden Zystitis. Labor: Leukozytose, CRP und Procalcitonin (PCT) deutlich erhöht, signifikante Bakteriurie + Leukozyturie. Bildgebung: Ultraschall bei jeder komplizierten Pyelonephritis (Harnstauung? Abszess? Nierengröße). CT nur bei V.a. Abszess, emphysematöse Pyelonephritis oder unklarer Diagnose.

Therapie

Unkompliziert (ambulant)
Ciprofloxacin 500mg 2×/d für 7–10 Tage oder Ceftriaxon 1g i.m./i.v. Besserung innerhalb 48–72h erwartet. Kontrolle: Urinkultur nach Therapieende.
Kompliziert (stationär!)
i.v.-Antibiose (Piperacillin/Tazobactam oder Cephalosporin). Bei Harnstauung: SOFORTIGE Entlastung durch DJ-Katheter oder Nephrostomie – ohne Entlastung droht Urosepsis (Mortalität 20–40%)!

Komplikationen: Nierenabszess (>3cm → perkutane Drainage), emphysematöse Pyelonephritis (gasbildend, lebensbedrohlich, v.a. bei Diabetes → ggf. Nephrektomie), Urosepsis.

Klinik und Notfallzeichen

Typische Trias: Flankenschmerz (klopfschmerzhaftes Nierenlager), Fieber (>38°C, oft mit Schüttelfrost), Pyurie (trüber, übelriechender Urin). Zusätzlich: Übelkeit/Erbrechen, Tachykardie, allgemeines Krankheitsgefühl. Beidseitige Pyelonephritis ist selten, aber möglich.

Stationäre Einweisung bei: Fieber >39°C oder Schüttelfrost, Übelkeit/Erbrechen (orale Antibiose nicht möglich), Schwangerschaft (IMMER stationär!), Obstruktion (Stein, Striktur – Stauungsniere + Infekt = UROSEPSIS-Gefahr!), Immunsuppression, Einzelniere, keine Besserung nach 72h ambulanter Antibiose, Kreislaufinstabilität.

Therapie

Ambulant (unkompliziert, nicht-schwanger, oral möglich): Ciprofloxacin 500 mg 2× täglich für 7–10 Tage ODER Levofloxacin 750 mg 1× täglich für 5 Tage. Alternative: Cefpodoxim 200 mg 2× täglich für 10 Tage. Urinkultur VOR Therapiebeginn! Kontrolle nach 72h (klinisch + Labor).

Stationär (kompliziert): i.v.-Antibiose: Ceftriaxon 2g 1× täglich oder Piperacillin/Tazobactam. Volumensubstitution. Ultraschall/CT: Stauung? Abszess? Bei Stauung: sofortige Entlastung (DJ-Stent oder Nephrostomie). Umstellung oral nach Entfieberung und Besserung (72h). Gesamtdauer: 10–14 Tage.

Sonderfall Nierenabszess: Abszess <5 cm: konservativ mit Antibiose (ggf. CT-Kontrolle). Abszess >5 cm oder kein Ansprechen: CT-gesteuerte Drainage. Perinephritischer Abszess (Ausbreitung ins perirenale Fett): chirurgisches Débridement + Drainage.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.