Therapie

PSMA-Radioligandentherapie (Pluvicto®)

Zielgerichtete nuklearmedizinische Therapie: ¹⁷⁷Lu-PSMA bestrahlt Tumorzellen von innen beim mCRPC.
📅 Aktualisiert: Mai 2026 · 14 Min. Lesezeit

Überblick

Die PSMA-Radioligandentherapie (Lu-PSMA, Pluvicto®) ist eine zielgerichtete nuklearmedizinische Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Sie nutzt ein einfaches, aber elegantes Prinzip: Ein synthetisches Molekül, das hochaffin an das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) bindet, wird mit einem schwach radioaktiven Beta-Strahler – Lutetium-177 – verbunden. Nach intravenöser Verabreichung sucht dieser Wirkstoff im Körper gezielt PSMA-positive Tumorzellen auf, bindet an deren Oberfläche und bestrahlt sie aus unmittelbarer Nähe von innen. Gesundes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

2022
FDA-Zulassung Pluvicto®
+4 Mon.
OS-Verlängerung (VISION)
6 Zyklen
Standardprotokoll, alle 6 Wochen
~2 mm
Reichweite Beta-Strahlung

Seit der Erstzulassung in den USA (März 2022) und Europa (Dezember 2022) ist die PSMA-Radioligandentherapie ein etablierter Bestandteil der Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC). Die FDA-Erweiterung vom 28. März 2025 hat den Anwendungsbereich deutlich vergrößert: Heute kann Lu-PSMA auch eingesetzt werden, bevor eine Chemotherapie nötig wird – nach Versagen einer ARPI-Therapie und vor Beginn von Docetaxel. Diese Erweiterung verdreifacht etwa die Patientenpopulation, die für die Therapie infrage kommt. Eine weitere Indikationserweiterung in das frühere Krankheitsstadium (mHSPC) wird auf Basis der PSMAddition-Studie erwartet.

Theranostik: ein Prinzip für Diagnostik und Therapie

Die PSMA-Radioligandentherapie ist das prominenteste Beispiel des „Theranostik"-Konzepts – ein Kunstwort aus „Therapy" und „Diagnostics". Die Idee: Dasselbe molekulare Zielprinzip wird sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie genutzt. Ein PSMA-bindender Ligand wird einmal mit einem schwach radioaktiven Diagnostik-Tracer verbunden (für die PSMA-PET/CT) und einmal mit einem therapeutisch wirksamen Beta-Strahler (für die Lu-PSMA-Therapie).

Das hat einen unmittelbaren klinischen Vorteil: Die diagnostische PSMA-PET/CT zeigt dem behandelnden Team genau dort, wo die Tumorzellen sitzen, dass sie das therapeutische Zielmolekül exprimieren. Wenn die Diagnostik PSMA-positive Metastasen zeigt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Therapie wirksam. Patienten ohne ausreichende PSMA-Expression in der Bildgebung sind ungeeignete Kandidaten für die Lu-PSMA-Therapie und werden anders behandelt.

Diese Verkopplung ist der entscheidende Unterschied zu klassischen Chemotherapien, bei denen vorab kaum vorhergesagt werden kann, wer ansprechen wird. Bei der PSMA-Radioligandentherapie ist die individuelle Eignung vor Therapiebeginn anhand der Bildgebung quantifizierbar.

Interessant: Vor Lu-PSMA war Radium-223 (Xofigo®) das einzige etablierte Radioisotop in der mCRPC-Therapie. Es ist ein Alpha-Strahler, der sich in Knochenmetastasen anreichert und vor allem bei symptomatischen Knochenmetastasen palliativ eingesetzt wird. Lu-PSMA ist anders: Es zielt auf das PSMA-Antigen aller Metastasen – egal ob im Knochen, in Lymphknoten oder in Weichgewebe. Damit ist es deutlich breiter wirksam.

Wirkprinzip: Lutetium-177 als Beta-Strahler

Lutetium-177 ist ein medizinisch eingesetztes Radionuklid mit einer Halbwertszeit von 6,7 Tagen. Es zerfällt unter Aussendung von Beta-Strahlung – energiereichen Elektronen, die im umgebenden Gewebe Ionisationen verursachen und damit DNA-Strangbrüche in den Tumorzellen erzeugen.

Die maximale Reichweite der Beta-Strahlung im Gewebe beträgt nur etwa zwei Millimeter. Das ist ein entscheidender Vorteil: Tumorzellen, an die der PSMA-Ligand bindet, werden direkt aus unmittelbarer Nähe bestrahlt. Gesundes Gewebe in größerer Entfernung von der Bindungsstelle bleibt weitgehend unbeschädigt. Die Strahlung wirkt also präzise lokal – auf Zellebene gezielter als bei einer externen Bestrahlung.

Der eigentliche Wirkstoff Pluvicto® heißt fachlich [177Lu]Lu-PSMA-617 oder Lutetium-177-Vipivotid-Tetraxetan. Er besteht aus drei Komponenten: einem PSMA-bindenden Liganden (PSMA-617), einem chemischen Kopplungsglied (Tetraxetan, das das Radionuklid bindet) und dem therapeutisch wirksamen Lutetium-177. Nach Bindung an die Tumorzelle wird der gesamte Komplex in das Zellinnere aufgenommen – die Strahlung wirkt dann von innen.

Wann ist die PSMA-Radioligandentherapie indiziert?

Die Indikation hat sich seit 2022 deutlich erweitert. Aktuell sind drei klinische Konstellationen klar etabliert oder absehbar:

1. mCRPC nach ARPI und Chemotherapie (VISION-Setting, ursprüngliche Zulassung 2022). Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die bereits eine ARPI-Therapie (Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid) und eine Chemotherapie mit Docetaxel erhalten haben und unter dieser Behandlung progredient sind. Die VISION-Studie war die Zulassungsstudie für diese Indikation.

2. mCRPC nach ARPI, vor Chemotherapie (PSMAfore-Setting, FDA-Erweiterung 28. März 2025). Patienten mit mCRPC, die unter einer ARPI-Therapie progredient sind, aber noch keine Chemotherapie erhalten haben oder bei denen eine Chemotherapie verzögert werden soll. Diese Erweiterung ist klinisch enorm wichtig, weil etwa die Hälfte der Patienten mit mCRPC die Chemotherapie aus körperlichen oder organisatorischen Gründen nicht erreicht. Lu-PSMA bietet hier eine wirksame Alternative – mit besserer Verträglichkeit als Docetaxel.

3. mHSPC (metastasiertes hormonsensibles Prostatakarzinom, in Vorbereitung, PSMAddition-Setting). Die PSMAddition-Studie (NCT04720157) untersuchte 2025 Lu-PSMA in Kombination mit ADT bei PSMA-positivem mHSPC. Erste Ergebnisse aus 2025 zeigen einen statistisch signifikanten rPFS-Vorteil und einen positiven Trend beim Gesamtüberleben. Eine FDA-Submission für diese frühe Indikation ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant. Wenn zugelassen, würde dies die Therapielandschaft des metastasierten hormonsensiblen Prostatakarzinoms erneut umbauen.

In allen Fällen ist die PSMA-Expression der Metastasen die zentrale Voraussetzung. Geprüft wird sie durch eine vorgeschaltete PSMA-PET/CT: Die Tracer-Aufnahme in den Metastasen muss höher sein als in der Leber – das bedeutet, der Tumor exprimiert PSMA in ausreichendem Ausmaß, um eine wirksame Therapie zu erlauben.

Therapiepfad: Wo steht Lu-PSMA in der Behandlungsabfolge?

Die Stellung der PSMA-Radioligandentherapie im Behandlungsalgorithmus hat sich 2024-2025 grundlegend verändert. Während sie früher reine Drittlinien-Therapie nach Versagen aller anderen Optionen war, kommt sie heute deutlich früher zum Einsatz:

mCRPC – PSMA-positiv in PET/CT unter laufender ADT progredient ARPI-Therapie (Abirateron, Enzalutamid) Pfad A: chemo-naive PSMAfore-Setting (FDA 03/2025) Lu-PSMA als Alternative vor Chemotherapie – rPFS 9.3 vs 5.55 Mon. Pfad B: nach Chemotherapie VISION-Setting (FDA 03/2022) Lu-PSMA nach Docetaxel- Versagen – OS 15.3 vs 11.3 Mon. 177Lu-PSMA-617 (Pluvicto®) – 6 Zyklen alle 6 Wochen Voraussetzung: PSMA-PET/CT positiv (SUV höher als Leber) Verlaufskontrolle: PSA, PSMA-PET/CT, Symptome

Die Auswahl zwischen den beiden Pfaden hängt von Patientenfitness, Begleiterkrankungen, Patientenpräferenz und Nebenwirkungsprofil ab. Lu-PSMA hat gegenüber Docetaxel eine deutlich bessere Verträglichkeit – das spricht oft für den frühen Einsatz, insbesondere bei älteren oder körperlich eingeschränkten Patienten.

Voraussetzungen und Patientenauswahl

Nicht jeder Patient mit mCRPC ist für die PSMA-Radioligandentherapie geeignet. Die wichtigsten Voraussetzungen:

PSMA-positive Metastasen in der PSMA-PET/CT. In allen sichtbaren Metastasen muss der SUV-Wert (Standardized Uptake Value) deutlich höher sein als in der Leber – das ist der Hinweis auf eine ausreichende PSMA-Expression. Patienten mit PSMA-negativen oder gemischten Befunden (einige PSMA+, andere PSMA-) profitieren weniger und werden in der Regel nicht behandelt. Eine zusätzliche FDG-PET/CT kann bei unklaren Konstellationen helfen, PSMA-negative Tumoranteile zu identifizieren.

Ausreichende Knochenmarksfunktion. Die Beta-Strahlung erreicht auch das Knochenmark, deshalb ist eine ausreichende hämatopoetische Reserve nötig: Hämoglobin über 9 g/dl, Thrombozyten über 100.000/μl, Leukozyten über 2.500/μl. Bei sehr ausgedehnten Knochenmetastasen oder vorgeschädigtem Knochenmark (etwa nach intensiver Chemotherapie) kann das Risiko einer schweren Hämatotoxizität zu hoch werden.

Ausreichende Nierenfunktion. Der Tracer wird teilweise renal ausgeschieden, eine Nierenfunktionsstörung verzögert die Ausscheidung und kann die Strahlenbelastung der Nieren erhöhen. Empfohlen wird eine glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von mindestens 30 ml/min, idealerweise über 50 ml/min.

Lebenserwartung von mindestens sechs Monaten. Bei sehr fortgeschrittener Erkrankung mit kurzer Lebenserwartung kann der Aufwand der Therapie den Nutzen übersteigen.

Die Indikationsstellung erfolgt im interdisziplinären Tumorboard mit Urologen, Onkologen, Nuklearmedizinern und ggf. Strahlentherapeuten. In Deutschland wird die Therapie an spezialisierten nuklearmedizinischen Zentren durchgeführt – meist universitäre Kliniken oder große onkologische Zentren mit entsprechender Strahlenschutz-Genehmigung.

Ablauf der Behandlung

Eine PSMA-Radioligandentherapie umfasst typischerweise sechs Zyklen im Abstand von je sechs Wochen. Pro Zyklus werden 7,4 GBq (Gigabecquerel) Lutetium-177-PSMA-617 intravenös über 30 Minuten verabreicht.

Vor jedem Zyklus erfolgt eine kurze Voruntersuchung: Blutbild, Nieren- und Leberwerte, klinische Untersuchung. Bei zu starker Hämatotoxizität oder anderen Nebenwirkungen wird der Zyklus verschoben oder die Dosis reduziert. Vor der Erstgabe ist außerdem eine aktuelle PSMA-PET/CT zur Planung obligatorisch.

Die Verabreichung erfolgt entweder ambulant oder mit kurzem stationärem Aufenthalt – je nach Strahlenschutzregelung des Zentrums. In Deutschland ist meist ein stationärer Aufenthalt von einem bis zwei Tagen vorgesehen, weil die Patienten in den ersten Stunden nach Injektion eine erhöhte radioaktive Strahlenabgabe aufweisen. In manchen Zentren ist eine ambulante Durchführung möglich.

In den ersten 24 bis 48 Stunden nach Injektion ist der Patient leicht radioaktiv. Die wichtigsten Verhaltensregeln: ausreichend trinken, um die Tracer-Ausscheidung über den Urin zu fördern; nach dem Toilettengang sorgfältige Händehygiene und mehrfaches Spülen; Abstand zu kleinen Kindern und schwangeren Frauen für ein bis zwei Tage; getrennte Wäsche und Bettwäsche in der ersten Woche; keine intensive körperliche Aktivität in den ersten Tagen.

Zwischen den Zyklen werden PSA-Werte und Klinik regelmäßig kontrolliert. Eine Verlaufs-PSMA-PET/CT erfolgt typischerweise nach drei Zyklen und nach Therapieende, um das Ansprechen zu beurteilen.

Während der gesamten Therapie wird die ADT (Hormontherapie) weitergeführt. Auch ARPI können je nach klinischer Situation kombiniert eingesetzt werden – sekundäranalysen der VISION-Studie zeigten, dass Patienten mit gleichzeitiger ARPI-Therapie tendenziell besser abschnitten.

Nebenwirkungen und ihr Management

Die PSMA-Radioligandentherapie hat ein insgesamt günstiges Nebenwirkungsprofil – deutlich besser verträglich als eine Docetaxel-Chemotherapie. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen:

Mundtrockenheit (Xerostomie): Die Speicheldrüsen exprimieren physiologisch ebenfalls PSMA und reichern den Tracer an. Bei 30 bis 40 Prozent der Patienten kommt es zu Mundtrockenheit, manchmal über Monate. Behandelnde Maßnahmen: häufiges Trinken in kleinen Schlucken, künstlicher Speichel (Apothekenpräparate), zuckerfreie Lutschpastillen, sorgfältige Mund- und Zahnhygiene zur Kariesprävention. Die Effekte sind zeitlich oft begrenzt und können sich nach Therapieende teilweise zurückbilden.

Müdigkeit (Fatigue): Bei etwa 50 Prozent der Patienten, meist mild bis moderat. Strukturierte körperliche Aktivität gemäß individueller Belastbarkeit, ausreichend Schlaf und Stressreduktion mildern die Symptome.

Hämatotoxizität: Anämie, Thrombozytopenie und Leukopenie sind die wichtigsten Risiken. In der VISION-Studie traten höhergradige (Grad 3/4) Hämatotoxizitäten bei 8 bis 13 Prozent der Patienten auf, je nach Zellreihe. In der PSMAfore-Studie (chemo-naive Patienten) waren diese Raten etwa halb so hoch – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass das vorgeschädigte Knochenmark vorbehandelter Patienten anfälliger ist. Regelmäßige Blutbild-Kontrollen vor jedem Zyklus, ggf. Pause oder Dosisreduktion bei schwerer Toxizität.

Übelkeit und Erbrechen: Häufig, aber meist mild. Antiemetische Prophylaxe (z. B. Ondansetron) am Behandlungstag und in den Folgetagen ist Standard.

Niereninsuffizienz: Selten relevant, aber dosisabhängig. Bei vorbestehender Nierenschädigung oder besonders ausgedehnter Behandlung kann es zu chronischen Verschlechterungen kommen. Engmaschige Kontrolle der Nierenwerte und ausreichende Hydrierung während der Behandlung sind essentiell.

Schmerzen und Knochenmarktoxizität bei extensiver Knochenmetastasierung: In seltenen Fällen kann es nach den ersten Zyklen zu vorübergehender Verstärkung von Knochenschmerzen kommen („Flare"), gefolgt von einer Verbesserung. Eine Schmerzanpassung der Begleitmedikation ist meist ausreichend.

Wichtig: Lu-PSMA ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert (betrifft nicht direkt männliche Patienten, aber die Strahlenexposition naher Personen ist relevant). Patienten sollen für mindestens 14 Wochen nach der letzten Dosis Verhütung anwenden – die Strahlung kann auch die Spermien schädigen. Eine Spermien-Kryokonservierung vor Therapie ist insbesondere bei jüngeren Männern mit Kinderwunsch sinnvoll.

Klinische Evidenz

Die Wirksamkeit der PSMA-Radioligandentherapie ist heute durch mehrere große, randomisierte Phase-III-Studien gut belegt.

VISION-Studie (Sartor et al., NEJM 2021): Die Zulassungsstudie für die ursprüngliche Indikation. 831 Männer mit mCRPC nach ARPI- und Docetaxel-Versagen wurden auf Lu-PSMA + Standard-of-Care versus Standard-of-Care allein randomisiert. Ergebnisse: Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) von 11,3 auf 15,3 Monate (Hazard Ratio 0,62), Verlängerung des radiografischen progressionsfreien Überlebens (rPFS) von 3,4 auf 8,7 Monate. Klinisch signifikante Verbesserung der Schmerzkontrolle und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

PSMAfore-Studie (Morris et al., Lancet 2024): Die Zulassungsstudie für die FDA-Erweiterung 2025. 468 Patienten mit mCRPC nach ARPI-Versagen wurden auf Lu-PSMA versus ARPI-Wechsel (z. B. von Abirateron auf Enzalutamid oder umgekehrt) randomisiert. Ergebnisse: rPFS 9,3 versus 5,55 Monate (Hazard Ratio 0,41 – das entspricht einer Risikoreduktion für Progression oder Tod um 59 Prozent). Beim Gesamtüberleben zeigte sich aufgrund eines hohen Crossover-Anteils kein eindeutiger Vorteil; klinisch dominiert das hohe rPFS-Signal. Hämatotoxische Nebenwirkungen waren etwa halb so häufig wie in der VISION-Studie.

TheraP-Studie (Hofman et al., Lancet 2021): Eine australische Phase-II-Studie der ANZUP-Gruppe verglich Lu-PSMA mit Cabazitaxel-Chemotherapie bei mCRPC nach Docetaxel-Versagen. Lu-PSMA zeigte ein um 2,1 Monate längeres rPFS und eine deutlich bessere Verträglichkeit – mit weniger Grad-3/4-Toxizität. Diese Studie war wegweisend für den Vergleich von Lu-PSMA mit etablierten Chemotherapien.

PSMAddition-Studie (NCT04720157, Topline-Ergebnisse 2025): Die wegweisende Studie für die Frühindikation. PSMA-positive Patienten mit metastasiertem hormonsensiblem Prostatakarzinom (mHSPC) erhielten Lu-PSMA in Kombination mit ADT versus ADT allein. Topline-Ergebnisse zeigen einen statistisch signifikanten und klinisch bedeutsamen rPFS-Vorteil sowie einen positiven Trend beim Gesamtüberleben. Eine FDA-Submission für diese Indikation ist für die zweite Hälfte 2025 geplant.

Zukunft: Alpha-Strahler und neue Indikationen

Die PSMA-Radioligandentherapie ist ein Feld in rascher Entwicklung. Mehrere Linien werden derzeit aktiv beforscht:

Alpha-Emitter (Ac-225-PSMA, Pb-212-PSMA): Statt des Beta-Strahlers Lutetium-177 werden Alpha-Strahler (Aktinium-225, Blei-212) an den PSMA-Liganden gekoppelt. Alpha-Strahlung hat eine extrem kurze Reichweite (50-100 Mikrometer) und höhere lineare Energieübertragung – sie erzeugt mehr DNA-Doppelstrangbrüche. Das könnte besonders wirksam gegen sehr kleine Tumorherde und gegen Lu-PSMA-resistente Tumoren sein. Ac-225-PSMA-617 wird in mehreren Studien untersucht; erste Ergebnisse sind ermutigend, vor allem bei Patienten, die unter Lu-PSMA progredient wurden.

Frühere Therapielinien: Nach der PSMAfore-Erweiterung 2025 und absehbar PSMAddition-Zulassung 2025-2026 wird Lu-PSMA in immer früheren Krankheitsstadien eingesetzt. Studien zur adjuvanten Therapie nach Prostatektomie oder Bestrahlung bei Hochrisiko-PCa laufen.

Kombinationen mit ARPI und PARP-Inhibitoren: Sekundäranalysen der VISION-Studie deuten auf Synergien zwischen Lu-PSMA und gleichzeitiger ARPI-Therapie hin. Studien mit PARP-Inhibitoren bei BRCA-mutierten Tumoren werden ebenfalls geprüft.

Patientenspezifische Dosimetrie: Aktuelle Forschung untersucht, ob die Gesamtdosis individuell anhand der gemessenen Tumorausdehnung, PSMA-Expression und Tracer-Aufnahme optimiert werden kann – statt der heute üblichen festen Dosen pro Zyklus.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer kommt für eine PSMA-Radioligandentherapie infrage?

Aktuell werden mit Pluvicto® Männer mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) behandelt, die unter laufender Hormontherapie (ADT) progredient sind und bereits eine ARPI-Therapie erhalten haben – entweder vor oder nach einer Docetaxel-Chemotherapie. Die wichtigste Voraussetzung ist eine ausreichende PSMA-Expression der Metastasen, nachgewiesen durch eine vorgeschaltete PSMA-PET/CT. Außerdem werden ausreichende Knochenmarks- und Nierenfunktion sowie eine Lebenserwartung von mindestens sechs Monaten vorausgesetzt. Die Indikationsstellung erfolgt im interdisziplinären Tumorboard.

Werden die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

Ja, die PSMA-Radioligandentherapie ist bei korrekter Indikation eine Kassenleistung. Die Kosten pro Zyklus liegen im fünfstelligen Bereich, was über die regulären Vergütungen der Krankenhäuser und ambulanten Zentren abgerechnet wird. Die Therapie wird in Deutschland an spezialisierten nuklearmedizinischen Zentren durchgeführt – die Indikation und Kostenübernahme klärt das überweisende Tumorboard mit der Krankenkasse. Ein individueller Antrag ist in den meisten Fällen nicht nötig, kann aber bei nicht-zugelassenen Indikationen (Off-Label-Use) erforderlich werden.

Bin ich nach der Behandlung gefährlich für andere Menschen?

Für 24 bis 48 Stunden nach jeder Injektion sind Sie geringfügig radioaktiv. Die wichtigsten Verhaltensregeln: ausreichend trinken (fördert die Tracer-Ausscheidung), nach dem Toilettengang gründliche Händehygiene und mehrfaches Spülen, Abstand zu kleinen Kindern und Schwangeren für ein bis zwei Tage, eigene Wäsche separat waschen. Nach 48 Stunden ist die Strahlung deutlich abgeklungen. Eine berufliche Tätigkeit ist nach 24 bis 48 Stunden meist wieder möglich. Sex und Partnerschaft sind nach den ersten 48 Stunden wieder uneingeschränkt erlaubt – Verhütung sollte aber für 14 Wochen nach der letzten Dosis weitergeführt werden, weil die Strahlung auch die Spermien schädigen kann.

Wie viele Zyklen sind nötig und wie schnell wirkt die Therapie?

Standard sind sechs Zyklen im Abstand von je sechs Wochen, also etwa neun Monate Therapiedauer. Bei guter Wirksamkeit und Verträglichkeit können in Einzelfällen auch weitere Zyklen erfolgen. Erste klinische Effekte zeigen sich oft schon nach den ersten ein bis zwei Zyklen – PSA-Wert kann fallen, Schmerzen lassen nach. Eine vollständige Wirksamkeitsbeurteilung erfolgt nach drei Zyklen mit Verlaufs-PSMA-PET/CT. Bei mangelndem Ansprechen wird die Therapie meist abgebrochen und auf andere Verfahren umgestellt.

Ist Lu-PSMA besser als eine klassische Chemotherapie?

"Besser" hängt vom Maßstab ab. Bei der Wirksamkeit zeigte die TheraP-Studie eine vergleichbare bis leicht überlegene Wirkung von Lu-PSMA gegenüber Cabazitaxel-Chemotherapie. Bei der Verträglichkeit ist Lu-PSMA deutlich überlegen: weniger Übelkeit, kein Haarausfall, kaum Polyneuropathie, mildere Allgemeinsymptome. Damit ist Lu-PSMA besonders bei älteren oder körperlich eingeschränkten Patienten attraktiv. Voraussetzung ist und bleibt eine ausreichende PSMA-Expression der Metastasen – Patienten ohne diese Eigenschaft profitieren nicht und werden weiterhin mit Chemotherapie behandelt.

Quellen

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.