Ratgeber

Diagnose Prostatakrebs: Was kommt jetzt auf mich zu?

Die Diagnose Prostatakrebs ist ein Schock. Aber: Die Prognose ist in den allermeisten Fällen gut. Ein Wegweiser.
📅 Aktualisiert: April 2026

Erst durchatmen

Die Diagnose Prostatakrebs ist für jeden Mann ein Schock. Aber: Prostatakrebs ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Das 5-Jahres-Überleben liegt bei 93%, bei lokalisiertem Tumor bei über 99%. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten wächst Prostatakrebs oft sehr langsam – so langsam, dass bei Niedrigrisikotumoren sogar eine aktive Überwachung (Active Surveillance) ohne sofortige Therapie möglich ist. Sie haben Zeit, sich zu informieren, Zweitmeinungen einzuholen und die beste Entscheidung für sich zu treffen. Überstürzen Sie nichts.
Anatomie der Harn- und Geschlechtsorgane
Eigene Darstellung nach UKMP, 2026

Die wichtigsten Fragen an Ihren Arzt

Welcher Gleason-Score / ISUP-Grad liegt vor? (Gleason 6/ISUP 1 = niedrig, Gleason 7a/ISUP 2-3 = mittel, Gleason 8-10/ISUP 4-5 = hoch). Welches T-Stadium? (T1-T2 = auf die Prostata begrenzt, T3 = über die Kapsel hinaus, T4 = in Nachbarorgane). Wie hoch war der PSA-Wert? (<10, 10-20, >20). Sind Metastasen ausgeschlossen? (PSMA-PET/CT bei High-Risk). Komme ich für Active Surveillance in Frage? (bei Gleason 3+3, PSA <10, ≤T2a). Welche Therapieoptionen habe ich? OP, Bestrahlung, Brachytherapie? Welche Erfahrung hat das Zentrum? (Mindestens 100 radikale Prostatektomien pro Jahr).

Die Therapieoptionen im Überblick

Active Surveillance: Bei Niedrigrisiko (Gleason 3+3). Keine sofortige Therapie, engmaschige Kontrollen. 10-Jahres-krebsspezifisches Überleben >99%. Radikale Prostatektomie: OP-Entfernung der Prostata, meist roboterassistiert (Da Vinci). Vorteil: Tumor komplett entfernt, PSA fällt auf null. Nachteil: Inkontinenz (temporär 80%, nach 12 Monaten >90% kontinent), Erektionsstörung (abhängig vom Nerverhalt). Strahlentherapie: Äußere Bestrahlung (IMRT) oder Brachytherapie (Seeds). Gleichwertig zur OP in der Heilungsrate. Nachteil: Spätfolgen an Blase/Darm möglich. Hormontherapie: Bei fortgeschrittenem/metastasiertem PCa. Senkt Testosteron auf Kastrationsniveau. PSMA-Radioligandentherapie (Pluvicto): Neueste Option bei metastasiertem kastrationsresistentem PCa.

Diagnosealgorithmus Schritt für Schritt

Schritt 1 – PSA-Bestimmung: PSA im Blut (morgens, nüchtern, VOR DRU!). Erhöht (>4 ng/ml altersadjustiert) → weiter. Normal → Kontrolle je nach Risiko. PSA allein ist NICHT beweisend – BPH und Prostatitis erhöhen den PSA ebenfalls.

Schritt 2 – Multiparametrisches MRT (mpMRT): BEVOR biopsiert wird! PI-RADS-Bewertung: 1–2 → niedrig verdächtig (keine Biopsie, PSA-Kontrolle). 3 → unklar (individuelle Entscheidung: PSA-Dichte >0,15 → biopsieren). 4–5 → verdächtig (Biopsie empfohlen). Das MRT VOR der Biopsie spart 30–40% der Männer eine unnötige Biopsie.

Schritt 3 – MRT-Fusionsbiopsie: Transperineal (durch den Damm – neuer Standard, Infektionsrate <1%, kein Rektum-Durchstich). Gezielte Stanzen aus der MRT-Läsion (2–4 pro Ziel) PLUS systematische Biopsie (10–12 nach Schema). Mindestens 12 Stanzen insgesamt. Ambulant mit Lokalanästhesie/Sedierung.

Schritt 4 – Histologie und Staging: Gleason-Score/ISUP-Grad. Bei bestätigtem Karzinom: Staging je nach Risikogruppe (Low Risk: kein weiteres Staging. Intermediate: mpMRT. High Risk: PSMA-PET/CT oder CT+Knochenszinti). TNM-Klassifikation → Therapieentscheidung im interdisziplinären Tumorboard.

Wichtige Neuerung: Die S3-Leitlinie und EAU empfehlen heute den MRT-Pathway: PSA erhöht → MRT → dann erst Biopsie wenn MRT verdächtig. Das vermeidet unnötige Biopsien UND findet klinisch relevante Tumoren zuverlässiger als die blinde Stanzbiopsie. Fragen Sie Ihren Urologen nach der MRT-Fusionsbiopsie.

Verwandte Artikel

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.