Active Surveillance (AS) bedeutet engmaschige Überwachung eines gesicherten Niedrigrisiko-Prostatakarzinoms – mit der Option, bei Progression jederzeit kurativ zu behandeln. Ziel: Überbehandlung vermeiden, da viele Niedrigrisiko-Tumoren zu Lebzeiten nie Probleme verursachen würden. Die AS ist KEINE passive Strategie, sondern ein strukturiertes Protokoll mit regelmäßigen PSA-Kontrollen, MRT und Biopsien.
Für wen geeignet? Gleason 6 (ISUP 1), PSA <10 ng/ml, cT1c–cT2a, maximal 2 positive Stanzen, Tumorlänge je Stanze <50%. Der Patient muss psychisch in der Lage sein, mit der Diagnose „Krebs" ohne sofortige Therapie zu leben.
PSA: Alle 3 Monate im 1.–2. Jahr, dann halbjährlich. PSA-Verdopplungszeit <3 Jahre ist ein Alarmzeichen.
MRT (mpMRT): Nach 12 Monaten, dann alle 1–2 Jahre. PI-RADS ≥4 → gezielte Biopsie.
Re-Biopsie: Nach 12–18 Monaten (Konfirmationsbiopsie), dann alle 2–3 Jahre oder bei auffälligem MRT/PSA.
Therapietrigger: Upgrade auf Gleason ≥7, >2 positive Stanzen, signifikante PSA-Progression, MRT-Progression, Patientenwunsch.
Ergebnisse: Nach 10 Jahren sind ca. 50–60% der Patienten noch unter AS, 30–40% wechseln zur kurativen Therapie (RPE oder Bestrahlung). Das krebsspezifische Überleben nach 15 Jahren liegt bei 99% – vergleichbar mit sofortiger Therapie.
Ist Active Surveillance das gleiche wie Nichtstun?▼
Nein, auf keinen Fall. Active Surveillance ist ein strukturiertes Programm mit regelmäßigen PSA-Kontrollen, MRT und Biopsien. Bei Progression wird sofort eine kurative Therapie eingeleitet – ohne dass Heilungschancen verloren gehen. Es ist das Gegenteil von Nichtstun.
S3-Leitlinie Prostatakarzinom. DGU, AWMF-Register-Nr. 043/022OL, 2024.
Gravas, S. et al. EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Male LUTS. European Association of Urology, 2024.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.