Warum Inkontinenz nach der OP?
Bei der radikalen Prostatektomie wird die Prostata entfernt, die wie ein Ring um die Harnröhre liegt. Dabei wird der innere Schließmuskel unvermeidbar mit entfernt. Die Kontinenz hängt dann allein vom äußeren Schließmuskel ab – und der muss erst trainiert werden, diese Aufgabe allein zu übernehmen.
Die Timeline: Wann wird es besser?
Woche 1–2 (Katheter drin)
Woche 3–6 (nach Katheter)
Fast alle Männer verlieren unkontrolliert Urin. 3–5 Einlagen/Tag typisch. DAS IST NORMAL! Intensives Beckenbodentraining.
Monat 2–3
Deutliche Besserung. Viele brauchen nur noch 1–2 Einlagen. Nachts oft schon trocken.
Monat 3–6
Die meisten Männer sind kontinent oder brauchen nur 1 Sicherheitseinlage.
Nach 12 Monaten
85–90% sind voll kontinent. Wer nach 12 Monaten noch >2 Einlagen braucht → weitere Therapie besprechen.
Was wirklich hilft
Beckenbodentraining ist der Schlüssel – je früher, je konsequenter, desto schneller die Erholung. Idealerweise schon VOR der OP beginnen (Prähabilitation). 3× täglich trainieren. Physiotherapie mit Biofeedback ist Eigentraining signifikant überlegen. Knack-Technik im Alltag: Beckenboden VOR Husten, Niesen, Aufstehen anspannen. Wenn nach 12 Monaten weiterhin Inkontinenz: AdVance-Schlinge (bei milder Inkontinenz, 1–2 Einlagen), künstlicher Schließmuskel AMS 800 (bei schwerer Inkontinenz, Goldstandard, Erfolg >85%).
Ursachen und Verlauf
Warum tritt Inkontinenz nach RPE auf? Bei der radikalen Prostatektomie wird der innere Schließmuskel (Blasenhals) komplett entfernt – die Kontinenz hängt danach allein vom äußeren Schließmuskel (Sphincter urethrae externus) ab. Dieser wurde während der OP gedehnt, gedrückt oder teilweise denerviert. In den meisten Fällen erholt er sich – aber das braucht Zeit.
Typischer Verlauf: Direkt nach Katheterentfernung (7–14 Tage postop): nahezu alle Patienten inkontinent. Nach 3 Monaten: 60–70% kontinent (0–1 Vorlage). Nach 6 Monaten: 80–85%. Nach 12 Monaten: 90–95%. Die nerverhaltende Technik (potenzschonendes OP-Verfahren) verbessert auch die Kontinenzraten.
Konservative Therapie (Monate 1–12)
Beckenbodentraining (BBT): Wichtigste Maßnahme! Idealerweise bereits präoperativ beginnen (Prehabilitation). Postoperativ: angeleitet durch spezialisierte Physiotherapie mit Biofeedback und Elektrostimulation. Mindestens 3 Monate konsequent trainieren. 3× täglich, 10–15 Kontraktionen, Haltezeit steigern. Nicht nur isoliert üben – BBT in den Alltag integrieren (vor Husten anspannen, beim Aufstehen anspannen).
Verhaltensmaßnahmen: Miktionstagebuch (Trinkmenge, Vorlagenverbrauch, Zeitpunkte). Koffein und Alkohol reduzieren. Trinkmenge normal halten (nicht reduzieren – Infektgefahr!). Gewichtsreduktion bei Übergewicht (Druck auf Beckenboden).
Operative Therapie (ab 12 Monaten)
Leichte bis mittlere Inkontinenz (1–3 Vorlagen/Tag): Suburethrale Schlinge (AdVance XP) – retropubisches Band, das die membranöse Harnröhre repositioniert. Erfolgsrate 60–80%. Ambulant. Keine Bedienung nötig (anders als Sphinkter).
Schwere Inkontinenz (>3 Vorlagen/Tag): Artifizieller Sphinkter AMS 800 – Goldstandard. Hydraulisches 3-Komponenten-System. Kontinenzrate 85–90%. Revisionsrate 20–25% in 10 Jahren. Alternativ: adjustierbare Schlingensysteme (Argus, ATOMS) – weniger invasiv, Anpassung postoperativ möglich.
Für Patienten: Inkontinenz nach Prostata-OP ist häufig, meist vorübergehend und gut behandelbar. Sprechen Sie offen mit Ihrem Urologen darüber – es gibt exzellente Lösungen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen, und geben Sie dem Beckenbodentraining Zeit (mindestens 6–12 Monate bevor operative Optionen diskutiert werden).
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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.