Äußeres Genital

Penisverkrümmung (Induratio Penis Plastica / Morbus Peyronie)

Narbige Verhärtung im Schwellkörper führt zu Penisverkrümmung. Betrifft 5–9% der Männer. Gut behandelbar.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die Induratio penis plastica (IPP, Morbus Peyronie) ist eine narbige Verhärtung (Plaque) in der Schwellkörperhülle (Tunica albuginea), die zu einer Verkrümmung des erigierten Penis führt. Häufiger als gedacht: 5–9% aller Männer sind betroffen, Häufigkeitsgipfel zwischen 50 und 60 Jahren. Ursache: Wahrscheinlich Mikrotraumen bei Geschlechtsverkehr → überschießende Narbenbildung bei genetischer Prädisposition. Risikofaktoren: Diabetes, Dupuytren-Kontraktur (gleiche Pathologie an der Hand), Bluthochdruck, Alter.
Anatomie der Harn- und Geschlechtsorgane
Eigene Darstellung nach UKMP, 2026

Verlauf – 2 Phasen

Akute/entzündliche Phase (6–18 Monate)
Schmerzen bei Erektion, Plaque wächst und verändert sich, Verkrümmung nimmt zu. In dieser Phase: KEINE OP! Konservative Therapie.
Stabile Phase (danach)
Schmerzen verschwinden, Plaque und Verkrümmung stabilisieren sich. Jetzt ist eine OP möglich wenn nötig. Stabilität = 3 Monate keine Veränderung.

Diagnostik

Klinische Untersuchung + Fotodokumentation der Erektion (Patient fotografiert zu Hause die Verkrümmung in 3 Ebenen). Ultraschall: Plaque-Lokalisation, Kalzifizierung, Schwellkörperdurchblutung. Verkrümmungsgrad in Grad messen (mild <30°, moderat 30–60°, schwer >60°). Penislänge dokumentieren (Verkürzung häufig!).

Therapie

Akute Phase: Konservativ
Penile Traktionstherapie (Streckgerät, 2–6h/Tag über Monate – beste Evidenz für Längenverlust-Prävention!). Kollagenase-Clostridium-histolyticum (Xiapex/Xiaflex, intraläsionale Injektion – in EU aktuell nicht verfügbar). Orale Therapie: Potaba, Vitamin E, L-Carnitin – Evidenz schwach, aber nebenwirkungsarm. Stoßwellentherapie (ESWT): Evidenz für Schmerzreduktion, nicht für Verkrümmungskorrektur.
Stabile Phase: OP (wenn nötig)
Plication (Nesbit/Schroeder-Essed): Auf der Gegenseite der Krümmung wird die Tunica gerafft → Penis wird gerade. Einfach, zuverlässig. Nachteil: Verkürzung 1–2cm. Für Verkrümmungen <60° mit ausreichender Länge. Plaque-Inzision + Graft: Plaque wird eingeschnitten, Defekt mit Graft (TachoSil, Perikard, Dermis) gedeckt. Für Verkrümmungen >60° oder bei Sanduhr-Deformität. Erhält die Länge besser, aber ED-Risiko 10–15%. Penisprothese: Bei IPP + ED: Implantation einer hydraulischen Prothese mit intraoperativer Modellierung. Löst beide Probleme gleichzeitig. An erfahrenen Zentren.

Häufige Fragen

Ist eine leichte Verkrümmung normal?

Ja! Eine leichte natürliche Krümmung (bis 15–20°) ist bei vielen Männern normal und KEINE IPP. Erst wenn sich eine NEUE Verkrümmung entwickelt (die vorher nicht da war) oder ein tastbarer harter Plaque entsteht, besteht Verdacht auf IPP.

Kann sich IPP von allein bessern?

In 5–15% der Fälle bessert sich die Verkrümmung spontan. In 40–50% bleibt sie stabil. In 40–50% verschlechtert sie sich. Deshalb: Früh zum Urologen, Traktionstherapie in der Akutphase kann die Prognose verbessern.

Ist GV mit IPP möglich?

Bei leichter bis moderater Verkrümmung (<45°) ist GV meist problemlos möglich. Bei stärkerer Verkrümmung oder Schmerzen kann eine Therapie die Situation deutlich verbessern.

Quellen

EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health / Testicular Cancer / Paediatric Urology. European Association of Urology, 2024.
Gasser, T. Basiswissen Urologie. Springer, 4. Auflage, 2009.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.