Äußeres Genital

Induratio penis plastica (Morbus Peyronie)

Narbenbildung in der Penisschwellkörperhülle mit Penisverkrümmung und Schmerzen. Betrifft ca. 5-9% der Männer, meist zwischen 40 und 70 Jahren.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die Induratio penis plastica (IPP, Morbus Peyronie) ist eine erworbene Bindegewebserkrankung des Penis mit Bildung von fibrösen Plaques in der Tunica albuginea. Prävalenz: 5–9% der Männer, Altersgipfel 50–60 Jahre, aber auch bei Jüngeren. Ätiologie: wahrscheinlich repetitive Mikrotraumata der Tunica bei Geschlechtsverkehr bei genetischer Prädisposition. Assoziiert mit: Dupuytren-Kontraktur (30%), Diabetes, Ledderhose-Syndrom.

Verlauf in zwei Phasen

🔥 Akute Phase (6–18 Monate)
Schmerzen bei Erektion, tastbare Verhärtung (Plaque), zunehmende Penisverkrümmung, ggf. Verkürzung. Plaque noch nicht ausgereift, Krümmung kann sich noch verändern. KEINE OP in dieser Phase!
🔒 Stabile Phase (ab 12–18 Mon.)
Schmerzen verschwunden, Krümmung stabil (kein weiteres Fortschreiten über 3 Monate). Plaque ausgereift. Jetzt ist OP-Zeitpunkt, falls Krümmung >30° oder GV nicht möglich.

Therapie

Akute Phase (konservativ): Pentoxifyllin 400mg 2×/d (antifibrotisch, einziges Medikament mit Evidenz für Plaqueverkleinerung). Stoßwellentherapie (ESWT) – bei Schmerzen, Evidenz für Krümmungskorrektur gering. Vitamin E, Kolchizin, Kalium-Aminobenzoat (Potaba) – Evidenz insgesamt schwach. Penile Traktionstherapie (RestoreX) – tägliches Dehnen, kann Verkürzung und Krümmung reduzieren (30–60 Min/Tag). Intrale Injektionen: Kollagenase (Xiapex/Xiaflex) – einziges zugelassenes Medikament für IPP, reduziert Krümmung um durchschnittlich 17°, aber in Europa vom Markt genommen. Verapamil-Injektionen intralesional. Stabile Phase (operativ): Plikatur nach Nesbit (Verkürzung der Gegenseite – einfach, aber Penisverkürzung). Grafting (Plaque-Inzision + Aufpflanzung eines Patches – bei Krümmung >60° oder starker Verkürzung, Potenzrisiko). Penisprothese: Bei IPP + erektiler Dysfunktion – löst beide Probleme gleichzeitig, Goldstandard bei dieser Kombination.

Verlauf: Akute vs. Stabile Phase

Akute Phase (6–18 Monate): Plaque bildet sich und verändert sich noch. Schmerzen bei Erektion (in 35–45%). Zunehmende Penisverkrümmung. In dieser Phase: KEINE operative Korrektur (Plaque ist noch aktiv). Konservative Therapie möglich.

Stabile Phase (nach 12–18 Monaten): Plaque ist ausgereift, Verkrümmung stabil, Schmerzen sistieren meist. Jetzt kann operativ korrigiert werden, wenn die Verkrümmung den Geschlechtsverkehr behindert (>30° oder signifikante Einschnürung).

Therapie

Konservativ (akute Phase): Kollagenase (Xiapex®/Xiaflex® – intralesionale Injektion) war die einzige zugelassene Medikamenten-Therapie, wurde aber vom Markt genommen (Lieferprobleme). Alternatives Schema: Verapamil-Injektion intralesional (off-label, moderate Evidenz). PDE5-Hemmer (Tadalafil 5 mg täglich): hemmt fibrotischen Umbau, kann Plaqueprogression verlangsamen. Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): bei Schmerzen wirksam, aber kein Effekt auf Verkrümmung. Penistraktion (Penisextender, VED): tägliche Anwendung über 3–6 Monate kann Verkürzung und Verkrümmung reduzieren – beste Evidenz aller konservativen Maßnahmen!

Operativ (stabile Phase, Verkrümmung >30°): Nesbit-Plikatur (Raffung der Gegenseite – Nachteil: Penisverkürzung 1–2 cm). Plaque-Inzision + Mundschleimhaut-Graft (bei starker Verkrümmung >60° oder Sanduhrendeformität – Penislänge bleibt erhalten). Penisprothese (bei IPP + schwerer ED – Prothese begradigt den Penis gleichzeitig, Modelling über die Prothese). Die Wahl des Verfahrens hängt von: Verkrümmungsgrad, Erektionsfunktion, Penislänge und Patientenwunsch ab.

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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.