Ursachen & Mechanismus
Bei der retrograden Ejakulation schließt der innere Blasenschließmuskel (Blasenhals) während des Orgasmus nicht, sodass das Ejakulat retrograd in die Blase gelangt statt antegrad nach außen. Häufigste Ursachen: nach transurethraler Prostataresektion (TURP) – in 65-80% der Fälle!, nach offener Prostataadenomenukleation (nahezu 100%), Diabetes mellitus (autonome Neuropathie), Medikamente (
Alpha-Blocker wie
Tamsulosin in bis zu 10%, Antidepressiva, Antipsychotika), nach retroperitonealer Lymphadenektomie, Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose. Im Gegensatz zur Anejakulation (völliges Fehlen der Ejakulation) ist der Orgasmus bei retrograder Ejakulation erhalten.
Diagnostik
Anamnese: trockener Orgasmus oder deutlich vermindertes Ejakulatvolumen nach urologischer OP, bei Diabetes oder unter Medikation. Bestätigung: Post-Orgasmus-Urinanalyse – Nachweis von Spermien im Urin nach Orgasmus beweist die Diagnose. Urin vorher alkalinisieren (Natriumbikarbonat oral) um Spermien-Vitalität zu erhalten. Abgrenzung: Anejakulation (kein Orgasmus, keine retrograde Spermien – Ursache: Sympathikusschädigung), Aspermie (Orgasmus, aber keine Spermienproduktion – obstruktiv oder sekretorisch).
Therapie
Medikamentös (bei funktionellem Blasenhalsverschlussdefizit, nicht nach TURP): Sympathomimetika (Imipramin 25-75mg/Tag, Midodrin, Pseudoephedrin) – schließen den Blasenhals, Erfolgsrate 30-50%. Voraussetzung: erhaltener Blasenhals (nicht nach TURP reseziert). Bei Kinderwunsch: Spermiengewinnung aus alkalinisiertem Post-Orgasmus-Urin → Aufbereitung → intrauterine Insemination (IUI) oder IVF/ICSI. Praxis: Patient trinkt am Vorabend Natriumbikarbonat, Blase vor Ejakulation entleeren, sofort danach Urin sammeln, Spermien extrahieren. Alternativ: Elektroejakulation oder chirurgische Spermienextraktion (TESE). Nach TURP: retrograde Ejakulation ist in der Regel permanent und nicht reversibel – präoperative Aufklärung wichtig!
Ursachen
Postoperativ (häufigste Ursache): TUR-P (65–75% retrograde Ejakulation – häufigste NW!), HoLEP (75–100%), offene Adenomenukleation (>90%). Durch Resektion des inneren Blasenhalses gelangt das Ejakulat in die Blase statt nach außen. Auch nach retroperitonealer Lymphadenektomie (Hodenkrebs) und nach Kolonchirurgie.
Medikamentös: Alpha-Blocker (v.a. Silodosin >25%, Tamsulosin 10%), Antidepressiva (SSRI – paradox: bei EP therapeutisch genutzt!), Antipsychotika. Meist reversibel nach Absetzen.
Neurogen: Diabetes mellitus (autonome Neuropathie – Blasenhals schließt nicht), Rückenmarksverletzung, MS, Z.n. Bandscheiben-OP.
Diagnostik und Therapie
Diagnostik: Anamnese (trockener Orgasmus oder deutlich reduziertes Ejakulatvolumen <1 ml). Post-Orgasmus-Urinanalyse: Zentrifugation → Spermien im Urin nachweisbar = Beweis. Spermiogramm: reduziertes Volumen, pH niedrig (fehlendes Prostatasekret).
Therapie bei Kinderwunsch: Sympathomimetika (Imipramin 25–50 mg, Pseudoephedrin 60 mg vor GV – erhöhen den Blasenhalsverschluss). Erfolgsrate: 30–50% bei neurogener/medikamentöser Ursache, schlecht bei postoperativer (irreversibler anatomischer Defekt). Alternative: Spermiengewinnung aus alkalinisiertem Post-Orgasmus-Urin → assistierte Reproduktion (IUI oder IVF/ICSI). Blasen-Washout-Technik: Blase vor Orgasmus mit Medium spülen, nach Orgasmus Urin zentrifugieren und Spermien für IUI nutzen.
Ohne Kinderwunsch: Retrograde Ejakulation ist medizinisch harmlos und erfordert keine Behandlung. Der Orgasmus bleibt erhalten – nur das Ejakulat fehlt oder ist reduziert. Viele Männer empfinden dies nach einer BPH-OP als akzeptabel, besonders wenn die Miktionsbeschwerden deutlich besser sind.
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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.