Äußeres Genital

Hodenhochstand (Kryptorchismus)

3% der Neugeborenen. Orchidopexie im 6.–12. Lebensmonat.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Maldescensus testis (Hodenhochstand, Kryptorchismus) ist die häufigste angeborene Anomalie des männlichen Genitals: 3% der Reifgeborenen, bis zu 30% der Frühgeborenen. Spontaner Deszensus in den ersten 6 Lebensmonaten möglich. Formen: Bauchhoden (intraabdominal, nicht tastbar – 20%), Leistenhoden (im Leistenkanal – 70%), Gleithoden (manuell in Skrotum bringbar, gleitet sofort zurück), Pendelhoden (retraktiler Hoden – physiologisch, kein Therapiebedarf, deszendiert spontan). Ektoper Hoden: außerhalb des Abstiegswegs (femoral, perineal, kontralateral).

Warum Therapie so wichtig ist

🔬 Infertilität
Ab 12.–18. Lebensmonat beginnen irreversible histologische Veränderungen (Keimzelldegeneration). Bilateral: 50–70% Infertilität. Unilateral: 10–20%.
⚠️ Tumorrisiko
5–10-fach erhöhtes Hodentumorrisiko (auch nach Orchidopexie bleibt Restrisiko). Kontralateraler Hoden ebenfalls leicht erhöht.

Therapie

Orchidopexie: Operative Verlagerung und Fixierung des Hodens im Skrotum. Timing: 6.–12. Lebensmonat (maximal bis zum 2. Lebensjahr). Je früher, desto besser für Fertilitätserhalt! Tastbarer Hoden: Inguinale Orchidopexie (Leistenschnitt, Funikulolyse, Processus-Verschluss, Fixierung in Dartos-Tasche). Nicht-tastbarer Hoden: Diagnostische Laparoskopie → Hoden gefunden: ein- oder zweizeitige Orchidopexie nach Fowler-Stephens (Gefäßstiel wird durchtrennt, Hoden wird über Kollateralversorgung ernährt). Keine Strukturen: Vanishing testis (intrauterine Torsion) → kontralaterale Orchidopexie. Hormontherapie (GnRH/hCG) allein: NICHT mehr empfohlen (Erfolgsrate <20%, hohe Rückfallrate).

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Warum ist rechtzeitige Behandlung so wichtig?

Fertilitätsrisiko: Ab dem 12. Lebensmonat beginnt die Spermatogenese. Ein nicht-deszendierter Hoden ist einer erhöhten Temperatur ausgesetzt (Körperkerntemperatur statt 2–3°C kühler im Skrotum). Dies führt zu progressiver Schädigung der Keimzellen. Einseitig: Fertilität meist erhalten, aber Spermiogramm oft eingeschränkt. Beidseitig: Infertilität in 30–50% trotz erfolgreicher Orchidopexie.

Tumorrisiko: 5–10-fach erhöhtes Hodentumorrisiko – auch nach erfolgreicher Orchidopexie! Das Risiko sinkt, wenn die OP vor dem 12. Lebensmonat erfolgt, bleibt aber lebenslang leicht erhöht. Deshalb: Selbstuntersuchung ab der Pubertät lehren. Bei nicht-tastbarem Hoden (Bauchhoden) und Alter über 10 Jahre: Orchidektomie erwägen (Tumorrisiko überwiegt den Fertilitätsnutzen).

Abgrenzung: Was ist kein Hodenhochstand?

Pendelhoden (Retraktiler Hoden): Hoden ist zeitweise im Skrotum, wird bei Kälte oder Kremasterreflex nach oben gezogen, lässt sich aber problemlos herunterstreichen und bleibt dort. Kein Kryptorchismus, keine OP nötig! Aber: Regelmäßige Kontrolle (jährlich), da in 5–10% ein sekundärer Aszensus auftritt (Hoden wandert dauerhaft nach oben).

Gleithoden: Hoden lässt sich ins Skrotum bringen, gleitet aber sofort wieder nach oben. Gilt als behandlungsbedürftig wie ein Kryptorchismus. Orchidopexie empfohlen.

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.