Äußeres Genital

Hypospadie

1:300 Neugeborene. Harnröhre mündet auf Penisunterseite. OP im 6.–18. Monat.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Angeborene Fehlmündung der Harnröhre auf der Penisunterseite. 1:300 Jungen. Formen: Glanulär/koronar (50%), penil (30%), penoskrotal (20%). Oft mit Chordee (Penisverkrümmung) und dorsaler Vorhautschürze.

Therapie

KEINE Zirkumzision – Vorhaut wird für Rekonstruktion benötigt! OP-Zeitpunkt: 6.–18. Lebensmonat. TIP-Urethroplastik nach Snodgrass bei distaler Form (Erfolg >90%). Zweizeitige Repair bei proximalen Formen. Komplikationen: Fistel (5–15%), Striktur. Spezialisierte kinderurologische Zentren!

Klassifikation und Symptome

Anteriore Hypospadie (70%): Glandulär (Meatus an der Eichelunterseite) oder koronar (am Sulcus coronarius). Oft nur kosmetisch relevant, Miktion im Stehen meist möglich. Häufig Begleithefthaut-Deformität (ventrale Hautschürze).

Mittlere Hypospadie (15%): Penile Lage des Meatus. Häufig mit Chordee (ventrale Penisverkrümmung bei Erektion) – kann Geschlechtsverkehr beeinträchtigen.

Posteriore Hypospadie (15%): Penoskrotal oder perineal. Schwere Form mit ausgeprägter Chordee, gespaltenem Skrotum, manchmal Mikropenis. Kann bei Geburt mit intersexuellem Genitale verwechselt werden → Chromosomenanalyse! Immer an DSD (Disorders of Sex Development) denken.

Operative Korrektur

OP-Zeitpunkt: Zwischen 6 und 18 Monaten (vor der psychosexuellen Entwicklung, bessere Wundheilung, keine Erinnerung). Kein Eingriff vor 6 Monaten (Narkoserisiko, Penisgröße zu klein).

Techniken: TIP (Tubularized Incised Plate / Snodgrass): Standard bei anteriorer Hypospadie. Erfolgsrate >95%. Einzeitig. Die Urethralplatte wird inzidiert, tubularisiert und mit Dartos-Flap gedeckt. Bei schwerer posteriorer Hypospadie: zweizeitige Korrektur mit Mundschleimhaut-Graft (Stage 1: Graft-Einlage, Stage 2 nach 6 Monaten: Tubularisierung). Komplikationen: Fistelbildung (5–15%), Meatusstenose (5–10%), Striktur (3–5%). Re-OP-Rate: 10–20% bei schweren Formen.

Prä-OP: KEINE Zirkumzision vor Hypospadie-Korrektur! Die Vorhaut wird als Geweberessource für die Rekonstruktion benötigt (Mathieu-Flap, Onlay-Flap). Eltern informieren.

Postoperative Betreuung und Langzeitresultate

Die Nachsorge nach Hypospadie-Korrektur umfasst regelmäßige Kontrollen der Meatusweite (Bougierung bei beginnender Stenose), Beobachtung auf Fistelbildung (typischerweise in den ersten sechs Monaten sichtbar) und ab der Pubertät Beurteilung der Erektion (persistierende Chordee? Penisverkürzung?). Die langfristige Patientenzufriedenheit nach erfolgreicher Korrektur ist hoch: über 85% der operierten Männer berichten eine normale Miktionsfunktion und ein zufriedenstellendes kosmetisches Ergebnis. Sexualfunktion: Bei anteriorer Hypospadie nach TIP-Korrektur nahezu normal. Bei schwerer posteriorer Form: Chordee-Persistenz in 5–10%, gelegentlich Meatalrefixation nötig. Psychologische Aspekte: Hypospadie kann das Körperbild und Selbstwertgefühl beeinflussen – frühzeitige psychologische Begleitung bei Bedarf.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.