Äußeres Genital

Priapismus

Erektion >4h ohne Stimulation. Low-flow = Notfall! Irreversible Schäden nach 4–6h.
📅 Aktualisiert: April 2026

Notfall: Low-flow

Prolongierte Erektion >4h ohne Stimulation. Low-flow (ischämisch, 95%): Schmerzhaft, nach 4–6h irreversible Fibrose! Ursachen: SKAT-Überdosierung, Psychopharmaka (Trazodon), Sichelzellanämie.

Therapie

1. Schwellkörperpunktion, dunkles Blut aspirieren
2. Phenylephrin 100–200µg injizieren, alle 3–5 Min. wiederholen
3. Operativer Shunt bei Versagen (Winter, Al-Ghorab)
4. Bei >36–48h: Frühzeitige Penisprothese erwägen
High-flow (5%): Schmerzfrei, nach Trauma. 60% Spontanremission oder Embolisation.

Sonderfall: Priapismus bei Sichelzellanämie

Bei Sichelzellanämie (SCD) ist Priapismus besonders häufig: 30–40% der SCD-Patienten erleben mindestens eine Episode, oft rezidivierend (Stutter-Priapismus). Pathomechanismus: Sichelzellen verklumpen in den engen Schwellkörpersinusoiden → venöse Stase → ischämischer Priapismus. Besonderheit: Häufig stuttering (repetitive Episoden unter 4 Stunden), die in einen vollständigen Priapismus übergehen können.

Management bei SCD: Hydrierung (i.v.), Analgesie, Sauerstoff, ggf. Austauschtransfusion (Ziel: HbS <30%). Phenylephrin-Injektion wie bei anderen Ursachen. Langzeitprophylaxe: PDE5-Hemmer in niedriger Dosis (paradox, aber wirksam – reguliert NO-Stoffwechsel), GnRH-Agonisten, Stilboestrol. Frühzeitige Penisprothesen-Implantation bei rezidivierendem Priapismus erwägen (bevor fibrotische Schwellkörper eine Implantation unmöglich machen).

Medikamenten-induzierter Priapismus: Neben SKIT (Alprostadil) und PDE5-Hemmern können auch Psychopharmaka Priapismus verursachen: Trazodon (häufigste medikamentöse Ursache!), Chlorpromazin, Risperidon, Olanzapin, Clozapin. Patienten bei Neuverordnung über das Risiko aufklären!

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Formen des Priapismus

Ischämischer (Low-Flow) Priapismus (>95%): Notfall! Kein venöser Abfluss → sauerstoffarmes Blut stagniert in den Schwellkörpern → Schmerzen, Schwellkörper hart, Eichel weich. Ursachen: PDE5-Hemmer-Überdosis, SKIT (Alprostadil), Sichelzellanämie, Leukämie, Psychopharmaka (Trazodon, Clozapin). Ab 4 Stunden droht irreversible Schwellkörperschädigung mit dauerhafter erektiler Dysfunktion.

Nicht-ischämischer (High-Flow) Priapismus (<5%): Kein Notfall. Arteriovenöse Fistel nach Trauma → unkontrollierter arterieller Zufluss. Schwellkörper prall aber nicht vollständig rigid, nicht schmerzhaft. Kann beobachtet werden, ggf. selektive Angioembolisation.

Notfalltherapie (Ischämischer Priapismus)

Schritt 1 – Aspiration (sofort): Punktion eines Schwellkörpers mit Butterfly-Nadel (19G) lateral, Aspiration von 20–50 ml dunklem, sauerstoffarmem Blut. Oft bereits entlastend. Blutgasanalyse bestätigt ischämischen Typ (pO₂ <40 mmHg, pH <7,25).

Schritt 2 – Phenylephrin-Injektion: 200–500 µg Phenylephrin (Alpha-Agonist) alle 3–5 Minuten in den Schwellkörper injizieren (max. 1 mg pro Stunde). RR- und Herzfrequenz-Monitoring! Cave bei Hypertonie und KHK. Erfolgsrate: 60–80%.

Schritt 3 – Operativer Shunt: Bei Versagen der konservativen Therapie: chirurgischer Shunt zwischen Corpus cavernosum und Corpus spongiosum (Eichel-Shunt nach Winter oder Al-Ghorab) oder proximaler Shunt. Ultima ratio: Schwellkörperprothese primär implantieren.

⚠️ Zeitfaktor entscheidend: Ischämischer Priapismus unter 12h: gute Prognose für Erektionsfunktion. 12–24h: deutlich reduziert. Über 24h: irreversible Fibrose in über 90%. JEDE Stunde zählt!

Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.