Die Geschwindigkeit entscheidet
Akut (Sekunden bis Minuten): Hodentorsion bis zum Beweis des Gegenteils! Der Hoden dreht sich um seine Achse, die Blutversorgung wird abgeschnitten. Sofort Notaufnahme! 6-Stunden-Fenster zur Hodenrettung. Betrifft v.a. Jugendliche und junge Männer (Gipfel 12-18 Jahre). Subakut (Stunden bis Tage): Epididymitis (Nebenhodenentzündung) – Schwellung, Rötung, Fieber, Schmerzen nehmen über Stunden zu. Bei Männern <35: oft STI (Chlamydien, Gonorrhoe). Bei Männern >35: oft E. coli bei BPH/Restharn. Chronisch (Wochen bis Monate): Varikozele (dumpfer Ziehschmerz, schlimmer beim Stehen/Abends), chronische Prostatitis, Leistenhernien, Spermatozele.
Warnsignale: Sofort zum Arzt
NOTFALL (112 oder Notaufnahme): Plötzlicher, heftiger einseitiger Hodenschmerz (Torsion!), Hoden steht höher als sonst oder quer (Torsionzeichen), Schmerz nach Trauma mit zunehmender Schwellung (Hodenruptur?). DRINGEND (Urologe innerhalb 24h): Zunehmende Schwellung + Fieber (Epididymitis), schmerzlose harte Verhärtung im Hoden (Hodenkrebs – schmerzlos, aber dringend abklären!). ZEITNAH (Termin beim Urologen): Chronischer dumpfer Schmerz, Ziehen in der Leiste, Schweregefühl im Hodensack.
Was der Urologe macht
Anamnese (Schmerzcharakter, Beginn, Begleitsymptome), klinische Untersuchung (Inspektion, Palpation, Prehn-Zeichen – unzuverlässig!), Hodenultraschall mit Doppler (Durchblutung – bei Torsion aufgehoben, bei Epididymitis gesteigert), Urinuntersuchung, ggf. STI-Abstrich, Tumormarker (AFP, β-hCG, LDH) bei Verdacht auf Hodentumor. Therapie je nach Ursache: Torsion = sofortige OP, Epididymitis = Antibiotika + Hochlagerung + Kühlung, Varikozele = OP bei Schmerzen oder Infertilität, Tumor = inguinale
Orchidektomie.
Differentialdiagnose nach Dringlichkeit
Notfall (Minuten zählen!): Hodentorsion (plötzlich, einseitig, Hoden hochgezogen/quergestellt, Prehn negativ). Fournier-Gangrän (Rötung + Krepitation + septisches Bild). Inkarzerierte Leistenhernie.
Dringend (Stunden): Akute Epididymitis/Epididymo-Orchitis (zunehmend, Fieber, Rötung, Prehn positiv, Pyurie). Hodentorsionsanhangsgebilde (Hydatide – v.a. Jungen 7–14 J., „Blue Dot Sign" durchscheinend). Hodentrauma mit V.a. Ruptur (Sonografie: Tunica-Defekt?).
Elektiv (Tage–Wochen): Varikozele (dumpfer Schmerz, Schweregefühl, v.a. im Stehen, „Bag of worms"). Spermatozele/Epididymiszyste (druckschmerzlose Schwellung, tastbar am Oberpol). Hodentumor (schmerzlos tastbare Verhärtung – selten schmerzhaft!). Leistenhernien (ziehend, belastungsabhängig, inguinale Vorwölbung). Chronischer Hodenschmerz (Orchialgie – oft keine fassbare Ursache, 25% der Fälle).
Abklärung
Klinische Untersuchung: Inspektion (Rötung? Schwellung? Asymmetrie?), Palpation (Konsistenz, Druckschmerz, Lokalisation – Hoden vs. Nebenhoden), Kremasterreflex (fehlt bei Torsion!), Prehn-Zeichen (Schmerzlinderung bei Hodenhebung → eher Epididymitis; Schmerzzunahme → eher Torsion – NICHT verlässlich genug um OP-Entscheidung darauf zu stützen!).
Sonografie mit Doppler (sofort bei V.a. Torsion): Perfusion erhalten? → Epididymitis. Perfusion fehlend? → Torsion → sofort in den OP! Zusätzlich: Hodenstruktur (echoarmer Knoten = Tumor bis zum Beweis des Gegenteils), Hydrozele, Varikozele, Abszess. Tumormarker (AFP, β-HCG) bei jedem tastbaren Knoten.
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⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.