Äußeres Genital

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Häufigste Ursache akuter Skrotalschmerzen bei Erwachsenen.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Die Epididymitis (Nebenhodenentzündung) ist die häufigste Ursache akuter Skrotalschmerzen bei erwachsenen Männern. Altersabhängige Erreger: Unter 35 Jahre: sexuell übertragbare Erreger (Chlamydia trachomatis 50%, Neisseria gonorrhoeae). Über 35 Jahre: Harnwegskeime (E. coli, Klebsiella) bei BPH, Katheter, Z.n. Instrumentation. Kinder: häufig viral (Mumps), postinfektiös oder anatomisch (ektoper Ureter). Sonderform: Tuberkulöse Epididymitis (kalter Abszess, Fistelbildung).
Anatomie der Harn- und Geschlechtsorgane
Eigene Darstellung nach UKMP, 2026

Torsion vs. Epididymitis: So unterscheiden Sie

🔴 Hodentorsion
🟢 Epididymitis
Beginn
Sekunden (akut!)
Stunden bis Tage
Alter
12–18 Jahre
Erwachsene
Prehn-Zeichen
Negativ ❌
Positiv ✅
Kremasterreflex
Aufgehoben ❌
Erhalten ✅
Fieber
Selten
Häufig
Doppler
Keine Perfusion
Vermehrte Perfusion

Im Zweifel: IMMER operative Exploration! Eine verpasste Torsion = Hodenverlust.

Therapie

Antibiotika: Unter 35 Jahre (V.a. STI): Ceftriaxon 500mg i.m. einmalig + Doxycyclin 100mg 2×/d für 14 Tage. Partnermitbehandlung! Über 35 Jahre: Ciprofloxacin 500mg 2×/d oder Levofloxacin 500mg 1×/d für 14 Tage. Supportiv: Bettruhe, Hodenhochlagerung (Jockstrap), NSAR (Ibuprofen 600mg 3×/d), Kühlen. Klinische Besserung nach 3–5 Tagen erwartet, vollständige Ausheilung 4–6 Wochen. Komplikation: Abszessbildung → operative Drainage oder Epididymektomie. Chronische Epididymitis (>6 Wochen): an Tuberkulose denken!

Akut vs. Chronisch

Akute Epididymitis: Unter 35 Jahre: häufigste Erreger sind STI (Chlamydien, Gonokokken) – Partner mitbehandeln! Über 35 Jahre: E. coli, Enterobacterales (von HWI aufsteigende Infektion, oft bei BPH/Restharn). Symptome: einseitige Hodenschwellung, Rötung, Druckschmerz (beginnt am Nebenhoden, kann auf Hoden übergreifen → Epididymo-Orchitis), Fieber, Dysurie. Positives Prehn-Zeichen (Schmerzlinderung bei Anheben des Hodens – ABER: nicht verlässlich genug, um eine Torsion auszuschließen!).

Chronische Epididymitis: Beschwerden über >6 Wochen. Ursachen: unzureichend behandelte akute Episode, Tuberkulose (sterile Pyurie + verhärteter Nebenhoden → PCR auf Mykobakterien!), granulomatöse Entzündung, Z.n. Vasektomie (Stauungsepididymitis).

Therapie

Unter 35, V.a. STI: Ceftriaxon 500 mg i.m. einmalig + Doxycyclin 100 mg 2× täglich für 14 Tage. Partnermitbehandlung obligat!

Über 35, V.a. Enterobacterales: Ciprofloxacin 500 mg 2× täglich für 14 Tage oder Levofloxacin. Supportiv: Hodenhochlagerung, NSAR (Ibuprofen 600 mg 3×), Kühlung, körperliche Schonung. Kontrollsonografie nach 4–6 Wochen.

Torsion ausschließen! Jeder akute Hodenschmerz bei Jungen/jungen Männern ist eine Hodentorsion bis zum Beweis des Gegenteils. Im Zweifel: Doppler-Sonografie (bei Epididymitis: verstärkte Durchblutung. Bei Torsion: fehlende Durchblutung). Bei Unsicherheit: operative Exploration – lieber eine unnötige Skrotalrevision als einen toten Hoden.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.