Technologie

OP-Roboter in der Urologie: Da Vinci, Hugo, Versius & TUMAI im Vergleich

April 2026
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Über zwei Jahrzehnte lang war der Markt für OP-Roboter in der Urologie fest in einer Hand. Da Vinci des amerikanischen Herstellers Intuitive Surgical war praktisch konkurrenzlos und prägte die roboterassistierte Chirurgie wie kaum ein anderes System. Seit etwa drei Jahren verändert sich die Lage rasant. Mehrere neue Plattformen haben in Europa die Zulassung erhalten und drängen in die Operationssäle. Für Patienten und Kliniken bedeutet das mehr Wettbewerb, mehr Auswahl und langfristig wahrscheinlich niedrigere Kosten und bessere Verfügbarkeit.

Da Vinci als unangefochtener Marktführer

Da Vinci bleibt dabei der unangefochtene Marktführer. Weltweit sind über 9.000 Systeme installiert, in Deutschland an etwa 200 Kliniken. Die aktuelle Generation Da Vinci Xi verfügt über vier Roboter-Arme, eine hochauflösende dreidimensionale Sicht und Instrumente, die in sieben Freiheitsgraden bewegt werden können. Die Stärken liegen in der unübertroffenen klinischen Datenlage, etablierten Ausbildungsprogrammen und einem breiten Sortiment an Spezialinstrumenten. Eine besondere Variante ist das Da Vinci SP, das nur einen einzigen Zugang am Bauchnabel benötigt und dadurch besonders schonende Eingriffe ermöglicht. Die Schattenseite sind die Kosten. Ein neues System schlägt mit etwa zwei Millionen Euro zu Buche, hinzu kommen jährliche Wartungskosten und teure Einweginstrumente, die pro Eingriff einige Tausend Euro ausmachen.

Hugo RAS als schärfster Konkurrent

Der schärfste Konkurrent kommt vom Medizintechnikkonzern Medtronic mit dem System Hugo RAS. Hugo verfolgt einen modularen Ansatz. Statt eines zentralen Patientenschlittens wie bei Da Vinci sind die vier Arme einzeln aufgestellt und können flexibel um den OP-Tisch positioniert werden. Eine belgische Vergleichsstudie an 542 Patienten, die einer roboterassistierten Prostataentfernung unterzogen wurden, zeigte praktisch identische Ergebnisse zwischen Hugo und Da Vinci. Die Gewöhnungsphase für Operateure mit Da-Vinci-Erfahrung ist kurz, für Roboter-Neulinge etwas länger, aber das Endergebnis ist vergleichbar. Hugo wird in Deutschland zunehmend an Universitätskliniken etabliert.

Versius, Hinotori und Avatera

Versius vom britischen Hersteller CMR Surgical ist ein weiterer Mitbewerber, der vor allem in Großbritannien und Italien Verbreitung findet. Auch dieses System ist modular aufgebaut, mit besonders kleinen, beweglichen Roboter-Armen, die sich gut in beengten Operationssälen einsetzen lassen. Aus Japan kommt das System Hinotori von Medicaroid, das in Asien bereits breit eingesetzt wird und langsam auch nach Europa expandiert. Eine deutsche Eigenentwicklung gibt es ebenfalls. Avatera vom Hersteller avateramedical mit Sitz in Jena hat seit 2021 die CE-Kennzeichnung und wird zunehmend an deutschen Häusern installiert. Weitere Systeme wie Toumai aus China, Senhance mit haptischem Feedback, Dexter, REVO-I und KangDuo erweitern das Angebot.

Welches System ist das beste?

Welches System ist nun das beste? Eine Network-Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit 74 Studien und über 5.000 Patienten kam zu einem klaren Ergebnis. Die perioperativen, funktionellen und onkologischen Ergebnisse zwischen den verschiedenen Systemen sind im Wesentlichen vergleichbar. Wichtiger als die konkrete Plattform ist die Erfahrung des Operateurs und die Strukturqualität der Klinik. Wer eine Roboter-Operation benötigt, sollte daher weniger auf das verwendete Modell achten als auf die Eingriffsmenge des Operateurs und die Routine des Hauses. Mit der zunehmenden Verbreitung der neuen Systeme zeichnet sich ab, dass Roboter-Operationen in den nächsten Jahren auch an mittelgroßen Kliniken Standard werden, weil die Anschaffungskosten sinken und die Wettbewerbssituation den Markt verändert.

Quellen

  1. Mottrie, A., Ploumidis, A., De Naeyer, G., et al. (2026). Comparative effectiveness of robot-assisted surgical systems in urology: a network meta-analysis of 5,142 patients. European Urology, 89(4), 380–395.
  2. Yaxley, J. W., Coughlin, G. D., Chambers, S. K., et al. (2016). Robot-assisted laparoscopic prostatectomy versus open radical retropubic prostatectomy: early outcomes from a randomised controlled phase 3 study. Lancet, 388(10049), 1057–1066.
  3. Bravi, C. A., Paciotti, M., Sarchi, L., et al. (2023). Outcomes of robot-assisted radical prostatectomy with the Hugo RAS surgical system: initial experience at a high-volume robotic center. European Urology Focus, 9(4), 642–649.
  4. Ng, A. T. L., Tam, P. C. (2014). Current status of robot-assisted surgery. Hong Kong Medical Journal, 20(3), 241–250.