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Die Behandlung des benignen Prostata-Syndroms gehört zu den häufigsten Aufgaben der urologischen Praxis. Mehr als jeder zweite Mann über sechzig zeigt im Laufe seines Lebens entsprechende Beschwerden. Die deutsche S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des benignen Prostata-Syndroms wurde 2026 in einer überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Die Aktualisierung berücksichtigt die zahlreichen technischen Neuerungen der letzten Jahre und ordnet die verschiedenen Verfahren neu. Für Patienten und behandelnde Ärzte bringt die neue Leitlinie wichtige Klarstellungen.
Klarere Empfehlungen zur Diagnostik
Eine wesentliche Veränderung betrifft die Empfehlungen zur Diagnostik. Die initiale Abklärung beruht weiterhin auf der ausführlichen Anamnese, der körperlichen Untersuchung mit Tastuntersuchung der Prostata, einer Urinuntersuchung und der Bestimmung des PSA-Werts. Der maximale Harnstrahl, gemessen mit der sogenannten Uroflowmetrie, ist eine ergänzende Methode. Die Leitlinie betont stärker als zuvor den Stellenwert der Sonographie, mit der die Restharnmenge nach dem Wasserlassen und die Größe der Prostata bestimmt werden. Die transrektale Sonographie, also der Ultraschall durch den Enddarm, wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, sondern nur in ausgewählten Situationen.
Anpassungen bei der medikamentösen Therapie
Bei der medikamentösen Therapie gibt es ebenfalls Anpassungen. Alpha-Blocker wie Tamsulosin bleiben das Mittel der Wahl bei moderaten bis starken Beschwerden, sofern die Prostata nicht stark vergrößert ist. Bei größeren Drüsen über etwa 40 Milliliter wird die Kombination mit einem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Dutasterid empfohlen. Tadalafil hat seinen Platz bei Männern mit gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion. Pflanzliche Präparate werden weiterhin als Option für leichte Beschwerden genannt, allerdings mit dem klaren Hinweis, dass die Datenlage für viele Substanzen nach wie vor unbefriedigend ist und die Wirkung in seriösen Studien meist nur gering ausfällt.
Neuordnung der operativen Verfahren
Die größten Veränderungen finden sich bei den operativen Verfahren. Die TUR-P ist nach wie vor der Goldstandard bei mittelgroßen Prostatadrüsen und die Operation, an der sich alle neueren Methoden messen müssen. Bei großen Drüsen über etwa 80 Milliliter wird zunehmend die Holmium-Laser-Enukleation, kurz HoLEP, empfohlen, weil sie auch in dieser Größenklasse zuverlässig wirkt und gegenüber der offenen Adenomenukleation deutliche Vorteile bietet. Neuere minimalinvasive Verfahren wie Rezum, UroLift oder die Aquablation finden in der Leitlinie inzwischen ausdrückliche Erwähnung. Sie werden als Optionen für ausgewählte Patienten beschrieben, vor allem für Männer mit moderater Drüsengröße und starkem Wunsch nach Erhalt der Sexualfunktion.
Der Patient im Zentrum der Entscheidung
Eine wichtige Klarstellung betrifft die individuelle Therapieentscheidung. Die Leitlinie betont, dass die Wahl des Verfahrens nicht allein nach medizinischen Kriterien getroffen werden sollte, sondern auch die Wünsche und Lebensumstände des Patienten zu berücksichtigen hat. Für jüngere Männer mit Kinderwunsch oder hohem Wert auf Erhalt der Ejakulationsfunktion sind die minimalinvasiven Verfahren attraktiver, auch wenn ihre Wirkdauer begrenzter ist. Für ältere Männer mit ausgeprägten Beschwerden, großer Drüse oder dem Wunsch nach einer einmaligen, dauerhaften Lösung bleiben die klassischen Verfahren TUR-P und HoLEP die erste Wahl. Patienten profitieren davon, wenn sie über alle Optionen offen aufgeklärt werden und die Entscheidung gemeinsam mit dem Urologen treffen können. Die neue Leitlinie schafft die Grundlage für genau diese moderne, partizipative Form der Behandlungsplanung.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Urologie. (2026). S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS). AWMF-Register 043/034.
- Gravas, S., Cornu, J. N., Gacci, M., et al. (2024). EAU Guidelines on Management of Non-Neurogenic Male Lower Urinary Tract Symptoms. European Association of Urology, Arnhem.
- Cornu, J. N., Ahyai, S., Bachmann, A., et al. (2023). A systematic review and meta-analysis of functional outcomes and complications following transurethral procedures for lower urinary tract symptoms resulting from benign prostatic obstruction. European Urology, 83(1), 71–82.