Leitlinien

AUA aktualisiert Leitlinie zum fortgeschrittenen Prostatakrebs

Mai 2026
🏛️
Im Mai 2026 hat die American Urological Association gemeinsam mit der Society of Urologic Oncology eine umfassende Aktualisierung ihrer Leitlinie zum fortgeschrittenen Prostatakrebs veröffentlicht. Das Update reagiert auf eine in den letzten drei Jahren rasant fortgeschrittene Entwicklung: neue Bildgebungsverfahren, molekulare Diagnostik, gezielte Therapien und ein zunehmend personalisierter Behandlungsansatz haben das Feld grundlegend verändert. Für deutsche Patienten und behandelnde Urologen lohnt der Blick auf die wichtigsten Änderungen, weil die AUA-Empfehlungen häufig auch europäische und deutsche Leitlinien beeinflussen.

Was sich gegenüber 2023 geändert hat



Die letzte umfassende Aktualisierung der AUA-Leitlinie stammt aus dem Jahr 2023. In den knapp drei Jahren seither wurden zahlreiche Studien zu neuen Wirkstoffen und zu modernen Bildgebungsverfahren publiziert. Das Amendment 2026 integriert diese Ergebnisse und passt die Empfehlungen für alle Krankheitsstadien an – vom biochemischen Rezidiv nach lokaler Therapie über das hormonsensitive metastasierte Karzinom bis hin zum kastrationsresistenten Stadium. Die Vorsitzende der Leitliniengruppe, Kristen Scarpato von der Vanderbilt University, hebt hervor, dass die neuen Empfehlungen die zunehmende Personalisierung der Therapie widerspiegeln. Die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakrebses ist heute kein einheitliches Schema mehr, sondern eine differenzierte Auswahl aus zahlreichen Optionen je nach Tumorbiologie, Patientencharakteristika und Behandlungshistorie.

Bildgebung und molekulare Tests rücken in den Vordergrund



Eine zentrale Neuerung betrifft die Diagnostik. Die PSMA-PET-CT wird in der neuen Leitlinie deutlich prominenter empfohlen – sowohl beim primären Staging als auch bei der Rezidivdiagnostik nach lokaler Therapie. Die höhere Sensitivität gegenüber konventionellen Verfahren wie CT und Knochenszintigraphie führt häufig zu einer veränderten Risikoeinstufung und damit zu anderen Therapieentscheidungen. Auch genetische und molekulare Tests gewinnen an Bedeutung: Die Bestimmung von BRCA1- und BRCA2-Mutationen wird bei metastasierten Patienten zum Standard, weil diese Mutationen die Entscheidung für oder gegen PARP-Inhibitoren beeinflussen. Die Leitlinie betont auch den Wert einer ausführlichen Familienanamnese – Männer mit familiärer Belastung sollten frühzeitig zur genetischen Beratung verwiesen werden.

Neue Therapiealgorithmen für jedes Stadium



Beim biochemischen Rezidiv nach Prostatektomie oder Strahlentherapie hat sich die Behandlungsstrategie deutlich verändert. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass eine intensive Therapie mit Androgendeprivation und neuen antihormonellen Substanzen wie Enzalutamid bei Hochrisikopatienten das Überleben verbessert. Im hormonsensitiven metastasierten Stadium ist die Dreifachtherapie aus Androgendeprivation, einem neuen antihormonellen Wirkstoff und Chemotherapie zum Standard bei ausgewählten Patienten geworden. Im kastrationsresistenten Stadium kommen radioligandentherapeutische Verfahren wie Lutetium-PSMA-617 zum Einsatz – ein Verfahren, das in spezialisierten Zentren wie in München-Planegg bereits seit längerem angeboten wird. Die Leitlinie definiert klar, welche Patienten von dieser Therapie profitieren und wie sie in die Behandlungssequenz eingeordnet wird.

Was die Aktualisierung für Patienten bedeutet



Für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs bedeutet das Amendment vor allem eines: mehr Optionen und damit auch mehr Komplexität. Die Behandlungsplanung erfordert heute eine sorgfältige Abwägung zwischen verschiedenen Therapiesequenzen, die Berücksichtigung individueller Faktoren wie Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und persönlicher Präferenzen. Michael Cookson, Mitglied der Leitliniengruppe und ehemaliger SUO-Präsident, betont die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Urologie, Onkologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Für Patienten lohnt sich die Behandlung an einem zertifizierten Prostatakrebszentrum, in dem alle modernen Verfahren verfügbar sind und ein Tumorboard die individuelle Therapieentscheidung gemeinsam trifft. Die deutsche S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wird voraussichtlich in den kommenden Monaten mit ähnlichen Empfehlungen aktualisiert.

Quellen

  1. American Urological Association & Society of Urologic Oncology. (2026). Advanced Prostate Cancer: AUA/SUO Guideline Amendment 2026. American Urological Association, Baltimore, USA.
  2. Scarpato, K. R. et al. (2026). Updates to the AUA/SUO Advanced Prostate Cancer Guideline: Integrating Modern Imaging, Molecular Testing, and Therapeutic Sequencing. Journal of Urology, May 2026.
  3. Cookson, M. S. et al. (2026). Personalized Care in Advanced Prostate Cancer: Recommendations from the 2026 Amendment. OncLive Special Reports.
  4. European Association of Urology. (2025). EAU Guidelines on Prostate Cancer. EAU Guidelines Office, Arnhem.