Der Stockholm3-Test ist ein Bluttest der nächsten Generation für die Prostatakrebs-Früherkennung. Entwickelt am schwedischen Karolinska-Institut von Prof. Henrik Grönberg, kombiniert er fünf Proteinmarker, über 100 genetische Marker und klinische Daten in einem validierten Algorithmus. Das Ergebnis ist eine personalisierte Risikoabschätzung – die Wahrscheinlichkeit, ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom zu haben (Gleason ≥ 7 / ISUP ≥ 2). Im Vergleich zum klassischen PSA-Test reduziert Stockholm3 unnötige Biopsien und MRT-Untersuchungen erheblich, ohne aggressive Tumoren zu übersehen.
Der Test ist seit 2017 in Schweden, Norwegen und Finnland etabliert, wurde 2023 in den US-amerikanischen AUA-Leitlinien als Biomarker-Option aufgeführt und 2024 vom britischen NICE positiv evaluiert. In Deutschland ist Stockholm3 in einer wachsenden Zahl spezialisierter urologischer Zentren verfügbar; eine aktuelle Übersicht anbietender Praxen und Kliniken findet sich beim Hersteller unter stockholm3.de.
Der klassische PSA-Test misst nur einen einzigen Wert: die Konzentration des prostataspezifischen Antigens im Blut. Das Problem: PSA ist ein Organmarker, kein Tumormarker. Ein erhöhter Wert kann auch durch eine gutartige Vergrößerung (BPH), Entzündung oder mechanische Reizung entstehen. In der typischen diagnostischen Grauzone bei PSA-Werten zwischen 4 und 10 ng/ml sind 70–75 Prozent der nachfolgenden Biopsien negativ – eine erhebliche Belastung für die Patienten.
Stockholm3 löst dieses Problem durch eine multidimensionale Analyse: Aus einer einzigen Blutprobe werden im Labor fünf Proteinmarker, über 100 SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismen) und klinische Anamnesedaten zu einem individuellen Risikoscore verrechnet. Der Score gibt die Wahrscheinlichkeit in Prozent an, einen klinisch signifikanten Tumor zu haben.
Die fünf gemessenen Proteine sind Gesamt-PSA, freies PSA, das humane Kallikrein 2 (hK2 / KLK2), das Prostata-Sekret-Protein 94 (PSP94, auch MSMB genannt) sowie der Wachstumsdifferenzierungsfaktor 15 (GDF15, früher MIC1). Jedes dieser Proteine liefert eine eigene Information: hK2 ist eng mit aggressiven Tumoren assoziiert, freies PSA differenziert zwischen gutartigen und bösartigen Ursachen einer PSA-Erhöhung, GDF15 reflektiert systemische Tumoraktivität, PSP94 ist bei aggressiven Karzinomen typischerweise erniedrigt.
Die genetische Komponente macht Stockholm3 einzigartig unter den verfügbaren Biomarkertests. Über 100 SNPs werden analysiert – Genvarianten, deren Kombination das individuelle Lebenszeit-Risiko für Prostatakrebs beeinflusst. Diese SNPs liegen in Regionen, die mit Hormonsignalwegen, DNA-Reparatur und Zellwachstum assoziiert sind. Es werden ausdrücklich keine ganzen Gene oder Krebsanfälligkeitssyndrome (wie BRCA) bestimmt – die genetische Information ist beschränkt auf Risikoabschätzung für das Prostatakarzinom.
Hinzu kommen klinische Daten aus der Anamnese: Alter, Familienanamnese (Verwandte ersten Grades mit Prostatakrebs), Befund der digital-rektalen Untersuchung, vorangegangene Biopsien sowie die Einnahme von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern (Finasterid, Dutasterid – diese senken den PSA-Wert künstlich um etwa 50 Prozent). Der Algorithmus integriert all diese Faktoren in einen prozentualen Risikoscore.
Stockholm3 ist einer der am besten validierten Prostatakrebs-Biomarker weltweit. Die Evidenz basiert auf prospektiven Studien mit insgesamt mehr als 460.000 Männern – ein Volumen, das den Test gegenüber Konkurrenten wie 4Kscore (USA), PHI (Prostate Health Index) oder Proclarix klar abhebt.
Die Original-STHLM3-Studie (Grönberg et al., Lancet Oncology 2015) randomisierte 58.818 Männer im Alter von 50 bis 69 Jahren in Stockholm. Stockholm3 erkannte klinisch signifikante Karzinome (Gleason ≥ 7) genauso zuverlässig wie der PSA-Wert, reduzierte aber die Anzahl unnötiger Biopsien um 32 bis 44 Prozent. Gleichzeitig sank die Überdiagnostik klinisch insignifikanter Tumoren (Gleason 6) um 17 Prozent. Diese Tumoren werden heute überwiegend per Active Surveillance beobachtet, weil sie zu Lebzeiten meist keine Beschwerden verursachen – ihre Entdeckung führt aber zu Verunsicherung, weiteren Untersuchungen und mitunter zu Übertherapie.
Die Nachfolgestudie STHLM3-MRI (Nordström et al., Lancet Oncology 2021) prüfte den Test in Kombination mit der multiparametrischen Magnetresonanztomographie. Die Kaskade Stockholm3 → MRT bei erhöhtem Score → gezielte Biopsie bei PI-RADS ≥ 3 zeigte sich als die zur Zeit präziseste verfügbare Diagnostikkette: Sie hält die Detektionsrate aggressiver Tumoren konstant und reduziert gleichzeitig MRTs, Biopsien und Überdiagnostik gutartiger Befunde. Diese Strategie wird mittlerweile in zunehmend mehr europäischen Zentren angewandt und steht im Fokus aktueller Leitliniendiskussionen.
Die aktuellsten Daten kommen aus STHLM3-MRI Phase 2 (2023–2025). In einem populationsbasierten Screening-Setting in Stockholm zeigte sich: Bei einem Cutoff-Wert Stockholm3 ≥ 0,15 wurde die gleiche Anzahl klinisch signifikanter Karzinome detektiert wie mit PSA ≥ 3 ng/ml – allerdings mit 36 Prozent weniger MRT-Untersuchungen und 8 Prozent weniger Biopsien. Bei einem niedrigeren Cutoff von ≥ 0,11 zeigte Stockholm3 sogar eine bessere Detektionsrate als PSA – um den Preis von etwas mehr MRTs.
Im Jahr 2024 hat das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) ein Briefing zu Stockholm3 veröffentlicht. Die Bewertung stützt sich auf sieben diagnostische Genauigkeitsstudien mit insgesamt über 460.000 Patienten und kommt zu dem Schluss, dass Stockholm3 die Risikovorhersage für Prostatakrebs bei Männern zwischen 45 und 74 Jahren signifikant verbessert. Eine direkte NHS-Empfehlung steht noch aus, da Langzeitdaten zur klinischen Entscheidungsfindung im NHS-Setting fehlen – die diagnostische Treffsicherheit gilt aber als belegt.
Die SEPTA-Studie (NCT04583072) hat Stockholm3 in einer multi-ethnischen US-Kohorte validiert. Ergebnisse aus dieser Studie tragen dazu bei, den Test für Populationen außerhalb Nordeuropas zu kalibrieren. Eine deutsche Multicenter-Validierungsstudie sowie eine schweizerisch-deutsche prospektive Studie haben gezeigt, dass der schwedische Algorithmus auch bei mitteleuropäischen Männern robust funktioniert.
Stockholm3 ist nicht für jeden Mann gedacht – sondern gezielt für die diagnostische Grauzone, in der die klassische PSA-Diagnostik an ihre Grenzen stößt. Der Test eignet sich zugelassen für Männer im Alter von 45 bis 74 Jahren, die noch keine Prostatakrebsdiagnose hatten und deren PSA-Wert über 1,5 ng/ml liegt.
Besonders wertvoll ist Stockholm3 in folgenden Situationen: Bei Männern mit moderat erhöhtem PSA-Wert zwischen 1,5 und 10 ng/ml steht häufig die Frage „Biopsie ja oder nein?" im Raum. Hier ist der Anteil falsch-positiver PSA-Werte hoch, und Stockholm3 kann diese Entscheidung deutlich präziser unterstützen. Bei Männern mit negativer Erstbiopsie und weiterhin erhöhtem PSA ist die diagnostische Unsicherheit besonders groß – der Test hilft, das Risiko einer übersehenen Erkrankung realistisch einzuschätzen.
Auch bei positiver Familienanamnese (Vater oder Bruder mit Prostatakrebs) liefert Stockholm3 mehr Information als PSA allein, weil die genetische Komponente das familiäre Risiko algorithmisch berücksichtigt. Bei Männern unter 5-Alpha-Reduktase-Hemmer-Therapie (Finasterid, Dutasterid) ist der Test hilfreich, weil der PSA-Wert unter dieser Therapie systematisch um etwa 50 Prozent gesenkt wird – Stockholm3 korrigiert diesen Effekt im Algorithmus automatisch.
Weniger sinnvoll ist Stockholm3 bei sehr niedrigen PSA-Werten unter 1,5 ng/ml – das Risiko eines klinisch signifikanten Tumors ist hier so gering, dass der Test keine zusätzliche Entscheidungssicherheit bringt. Auch bei sehr hohen PSA-Werten über 20 ng/ml ist der Test nicht indiziert: Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines fortgeschrittenen Karzinoms so hoch, dass MRT und Biopsie ohnehin direkt indiziert sind. Bei Männern mit bereits diagnostiziertem Prostatakarzinom hat Stockholm3 keine Rolle in der Verlaufskontrolle – der Test ist ein Früherkennungs-Instrument.
Mit Stockholm3, 4Kscore, PHI (Prostate Health Index), Proclarix und dem genetischen SelectMDx existieren mehrere Biomarkertests, die das gleiche Ziel verfolgen: die Spezifität der Prostatakrebs-Früherkennung über den reinen PSA-Wert hinaus zu verbessern. Sie unterscheiden sich aber deutlich in Aufbau, Evidenz und Anwendung.
Der 4Kscore (USA) misst vier Kallikrein-Marker (Gesamt-PSA, freies PSA, intaktes PSA, hK2) plus klinische Variablen. Er hat keine genetische Komponente. Studien zeigen vergleichbare diagnostische Güte zu Stockholm3, allerdings mit kleinerer Validierungsbasis (rund 1.000 Patienten in der Pivotstudie versus 58.000+ bei STHLM3). In Deutschland aktuell nur eingeschränkt verfügbar.
Der PHI (Prostate Health Index) kombiniert Gesamt-PSA, freies PSA und [-2]proPSA zu einem Score. Er ist die einfachste der drei Optionen und wird von vielen Labors angeboten, einschließlich der gesetzlichen Versicherer in einigen Konstellationen. Die diagnostische Güte ist gut, aber unterhalb von Stockholm3, vor allem in der Grauzone PSA 4–10 ng/ml.
Stockholm3 hat als einziger der etablierten Tests eine genetische Komponente – das ist ein konzeptioneller Vorteil, weil das individuelle Lebenszeitrisiko für Prostatakrebs zu rund 50 Prozent erblich determiniert ist. In direkten Vergleichsstudien (Walden et al. 2022) zeigte Stockholm3 eine bessere Reduktion unnötiger Biopsien bei gleicher Sensitivität für aggressive Tumoren als 4Kscore und PHI.
Welcher Test im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Verfügbarkeit, Kosten und der konkreten klinischen Frage ab. Der behandelnde Urologe kann am besten beurteilen, welcher Test in einer gegebenen Situation den größten Zusatznutzen liefert. Die deutsche Leitlinienlage empfiehlt aktuell keinen spezifischen Biomarkertest – sie listet sie als Option in der Grauzone zwischen PSA und Biopsie.
Praktisch ist der Stockholm3-Test einfach: Es genügt eine venöse Blutabnahme (zwei EDTA-Röhrchen à 4 ml). Eine Vorbereitung wie Nüchternheit oder Pause der digital-rektalen Untersuchung ist nicht erforderlich – im Gegensatz zum klassischen PSA-Test, bei dem mechanische Reizung den Wert beeinflussen kann. Trotzdem ist die zeitliche Distanz zu Manipulationen an der Prostata für die Konsistenz der Ergebnisse sinnvoll.
Die Probe wird ins Stockholm3-Referenzlabor in Schweden versandt – in Deutschland erfolgt die Logistik typischerweise über den anbietenden Urologen oder ein zertifiziertes Partnerlabor. Die Anamnese wird vom behandelnden Arzt auf einem standardisierten Einsendeschein dokumentiert: Alter, Familienanamnese, frühere Biopsien, Tastbefund, Medikation. Diese Angaben fließen in die Score-Berechnung ein.
Das Ergebnis liegt in der Regel nach 7 bis 10 Werktagen beim einsendenden Arzt vor. Der Befund enthält den Prostatakrebs-Risikoscore in Prozent (Wahrscheinlichkeit eines klinisch signifikanten Karzinoms), die Einordnung in eine von drei Kategorien (geringes, normales oder erhöhtes Risiko) und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.
In Deutschland ist Stockholm3 eine Selbstzahlerleistung (IGeL): Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Der Preis liegt je nach anbietendem Zentrum typischerweise bei 395 bis 480 €. Private Krankenversicherungen erstatten den Test inzwischen häufig nach individueller Prüfung – ein Antrag auf Kostenübernahme vor Durchführung ist sinnvoll.
Das Stockholm3-Ergebnis ist nie eine Therapieempfehlung – sondern eine präzisere Risikoabschätzung, aus der sich der nächste Diagnostikschritt ableitet. Der typische Pfad:
Die Cutoff-Werte 11 Prozent (Sensitivitäts-Schwelle) und 15 Prozent (Spezifitäts-Schwelle) wurden in der Original-STHLM3-Studie definiert und haben sich in allen Folgestudien als robust erwiesen. Die individuelle Wahl des Schwellenwertes hängt vom klinischen Kontext ab: In einer Screening-Situation mit asymptomatischen Männern ist 15 Prozent der gängigste Schwellenwert. Bei Männern mit konkretem Verdacht (positive Familienanamnese, suspektes DRU) wird häufiger der niedrigere 11-Prozent-Cutoff genutzt.
Der wichtigste Punkt zum Verständnis: Der Stockholm3-Score ist kein Tumor-Diagnose-Wert, sondern ein Wahrscheinlichkeitswert. Ein Score von 12 Prozent bedeutet: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 12 Prozent liegt aktuell ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom (Gleason ≥ 7) vor. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent ist das nicht der Fall.
Bei einem geringen Risiko (Score unter 11 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit eines aggressiven Tumors so niedrig, dass eine sofortige weitere Diagnostik nicht gerechtfertigt ist. Empfohlen wird eine Wiederholung des Tests in 2 bis 6 Jahren – die genaue Frequenz hängt von Alter, Risikofaktoren und initialem Wert ab.
Bei einem mittleren Risiko (Score 11 bis 15 Prozent) ist eine multiparametrische MRT der Prostata indiziert. Diese erlaubt eine bildgebende Beurteilung verdächtiger Areale und liefert den PI-RADS-Score (Prostate Imaging Reporting and Data System, 1 bis 5). PI-RADS ≥ 3 ist ein Hinweis auf einen abklärungsbedürftigen Befund und führt typischerweise zur gezielten MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie.
Bei einem hohen Risiko (Score über 15 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit eines aggressiven Tumors hoch genug, dass mpMRT plus gegebenenfalls direkte Biopsie sinnvoll sind. Bei sehr hohen Scores (über 25 Prozent) wird teilweise auf die MRT-Stratifizierung verzichtet und direkt biopsiert, weil die Vortestwahrscheinlichkeit so hoch ist, dass eine MRT-negative Konstellation klinisch nicht ausreichend Sicherheit bietet.
Wichtig: Ein hoher Score bedeutet nicht automatisch Krebs, ein niedriger Score schließt Krebs nicht 100-prozentig aus. Der Test verschiebt die Wahrscheinlichkeiten – er ist ein präzises Werkzeug der Risikoabschätzung, kein binärer Test.
So vielversprechend Stockholm3 ist – ein paar Einschränkungen gehören zur ehrlichen Bewertung. Der Test ist nicht für Männer unter 45 oder über 75 Jahren validiert. Bei sehr jungen Männern ist die Vortestwahrscheinlichkeit für aggressive Karzinome zu niedrig, bei sehr alten Männern verschiebt sich das Verhältnis von Lebensqualität versus Therapierisiko fundamental – hier ist die Frage nach einer Diagnose oft weniger relevant als die Frage nach der konkreten Therapie.
Die genetische Komponente wurde primär an nordeuropäischen Populationen kalibriert. Validierungsstudien in anderen Ethnien (SEPTA in den USA, Studien in asiatischen Populationen) laufen, sind aber teilweise noch nicht abgeschlossen. Die schwedisch-deutsch-schweizerische Multicenter-Studie hat aber gezeigt, dass der Test auch bei mitteleuropäischen Männern robust funktioniert.
Aktuell fehlen randomisierte Daten zum langfristigen Mortalitätseffekt – also der Frage, ob die durch Stockholm3 ermöglichte präzisere Diagnostik tatsächlich Leben rettet im Vergleich zur klassischen PSA-Strategie. Die STHLM3-F/U-Studie (Long-term Follow-up der Originalkohorte) wird hierzu in den nächsten Jahren entscheidende Daten liefern. Für die diagnostische Treffsicherheit ist die Evidenz aber bereits jetzt sehr solide.
Stockholm3 ist eine Selbstzahlerleistung. Bei sehr begrenztem Budget oder Männern, bei denen der PSA-Wert ohnehin so hoch ist, dass MRT und Biopsie sicher indiziert sind, bringt der Test keinen Mehrwert. Eine vorherige urologische Beratung – am besten in einer Sprechstunde mit Erfahrung im Test – stellt sicher, dass die Indikation passt.
Stockholm3 ist in Deutschland an einer wachsenden Zahl spezialisierter urologischer Zentren verfügbar. Die Logistik wird über den Hersteller A3P Biomedical AB (Stockholm) und kooperierende Partnerlabore in Deutschland abgewickelt. Eine aktuelle Liste anbietender Praxen und Kliniken findet sich beim Hersteller unter stockholm3.de.
Die typischen Schritte vom Erstkontakt bis zum Befund: urologische Beratung mit Indikationsprüfung, venöse Blutentnahme, Versand der Probe ins Referenzlabor in Schweden, Befundeingang nach 7 bis 10 Werktagen, Besprechung des Ergebnisses und ggf. Festlegung weiterer Schritte. Bei privater Krankenversicherung empfiehlt sich, eine Kostenübernahme vor Durchführung schriftlich zu klären – die Erstattung erfolgt zunehmend nach individueller Prüfung.
Wichtig zu wissen: Stockholm3 ist keine Massenuntersuchung wie der reine PSA-Test, sondern eine differenzierte Diagnostik, die in eine sorgfältige urologische Bewertung eingebettet werden sollte. Sinnvoll ist daher, den Test in einem Zentrum mit Erfahrung in Biomarker-Diagnostik durchführen zu lassen – nicht über reine Selbst-Bestellung. Welcher Anbieter für Sie infrage kommt, hängt von Wohnort, persönlicher Versorgungssituation und – falls vorhanden – einer bestehenden urologischen Anbindung ab.
Nein. Stockholm3 verwendet den PSA-Wert sogar als einen seiner fünf Proteinmarker und kombiniert ihn mit weiteren Daten zu einem präziseren Risikoscore. PSA bleibt als initialer Triagetest sinnvoll – Stockholm3 kommt zum Einsatz, wenn der PSA-Wert in der Grauzone liegt (1,5–10 ng/ml) und die Frage „Biopsie ja oder nein?" konkret im Raum steht. Auch die digital-rektale Untersuchung bleibt weiterhin Bestandteil der Vorsorge.
In Deutschland aktuell nicht. Stockholm3 ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird vom Patienten selbst getragen – typischerweise 395 € bis 480 €. Private Krankenversicherungen erstatten den Test zunehmend, insbesondere bei klar dokumentierter Indikation (erhöhter PSA, positive Familienanamnese). Eine Anfrage an die Versicherung vor Durchführung ist sinnvoll.
Keine besonderen. Im Gegensatz zum klassischen PSA-Test ist keine Nüchternheit erforderlich, und mechanische Reizungen der Prostata (Fahrradfahren, sexuelle Aktivität, DRU) beeinflussen das Ergebnis weniger stark, weil der Algorithmus mehrere Marker simultan auswertet. Trotzdem ist ein Abstand von 24–48 Stunden zu Manipulationen am Genitalbereich für die maximale Konsistenz sinnvoll. Eine venöse Blutprobe genügt.
Bei einem Score unter 11 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit eines klinisch signifikanten Prostatakarzinoms sehr niedrig – aber nicht null. Studien zeigen einen negativen prädiktiven Wert von über 95 Prozent für aggressive Tumoren. Ein niedriger Score bedeutet konkret: aktuell keine weitere Bildgebung oder Biopsie nötig, Wiederholung des Tests in 2 bis 6 Jahren ausreichend. Bei zwischenzeitlichen Beschwerden, neu aufgetretenen Risikofaktoren oder familiären Krebsdiagnosen ist eine erneute urologische Bewertung sinnvoll.
Stockholm3 analysiert über 100 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs), die das Risiko für ein Prostatakarzinom beeinflussen. Diese SNPs sind keine Krankheitsmutationen, sondern häufige Genvarianten, deren Kombination ein Risikoprofil ergibt. Im Gegensatz dazu testen genetische Krebstests wie BRCA1/BRCA2 oder Lynch-Syndrom-Panels gezielt seltene Mutationen mit hohem Penetrationsrisiko. Stockholm3 liefert keine Information zu solchen erblichen Hochrisiko-Syndromen – wenn bei familiärer Häufung ein Verdacht auf eine erbliche Krebsdisposition besteht, ist eine humangenetische Beratung der richtige Weg.