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Chronische Niereninsuffizienz (CKD)

GFR-Stadien G1–G5. SGLT2-Hemmer als neue Standardtherapie.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Chronische Nierenerkrankung (CKD) betrifft ca. 10% der Bevölkerung – die meisten wissen nichts davon. Häufigste Ursachen: Diabetes mellitus (35%), arterielle Hypertonie (25%), Glomerulonephritiden, polyzystische Nieren, obstruktive Uropathie, Analgetika-Nephropathie. Die Erkrankung verläuft oft über Jahre symptomlos und wird erst spät entdeckt.

GFR-Stadien

G1 GFR ≥90
Normal
G2 GFR 60–89
Leicht eingeschränkt
G3a/b GFR 30–59
Moderat ⚠️
G4 GFR 15–29
Schwer
G5 GFR <15
Nierenversagen → Dialyse

Therapie: Nierenfunktion schützen

Nephroprotektive Standardtherapie: Blutdruck <130/80 mmHg mit ACE-Hemmer oder Sartan (reduzieren Proteinurie und verlangsamen Progression signifikant). SGLT2-Hemmer (Dapagliflozin, Empagliflozin) – nephroprotektiv auch OHNE Diabetes! Senken Risiko für Dialyse um 30–40% (DAPA-CKD, EMPA-KIDNEY). Finerenon bei diabetischer CKD mit Albuminurie (FIDELIO-DKD). Lebensstil: Salz <5g/Tag, Eiweiß 0,8g/kg bei G3–G5, Rauchstopp, NSAR strikt meiden! Ab G4: Dialyse-Shunt-Anlage planen, Transplantationsevaluation einleiten. Nierentransplantation ist der Dialyse bei Eignung deutlich überlegen (bessere Lebensqualität, höhere Lebenserwartung).

Stadien und Verlauf

KDIGO-Stadien: G1 (GFR ≥90, Marker für Nierenschaden vorhanden – z.B. Proteinurie, Hämaturie), G2 (60–89, leicht eingeschränkt), G3a (45–59, leicht-moderat), G3b (30–44, moderat-schwer), G4 (15–29, schwer, Dialysevorbereitung), G5 (<15, Nierenversagen → Dialyse/Transplantation). Zusätzlich: Albuminurie-Kategorie (A1 <30, A2 30–300, A3 >300 mg/g Kreatinin).

Urologische Ursachen: Obstruktive Uropathie (BPH mit chronischem Restharn → Stauungsniere!), rezidivierende Pyelonephritis, Refluxnephropathie, Nephrolithiasis (v.a. Infektsteine), polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD). Wichtig: Viele urologische Ursachen sind BEHANDELBAR – frühzeitige Entlastung kann die Nierenfunktion stabilisieren oder sogar verbessern.

Urologisches Management

Obstruktion beseitigen: BPH-OP (TUR-P/HoLEP) bei Restharn >100 ml und steigendem Kreatinin. DJ-Stent oder Nephrostomie bei Harnleiterkompression. Steinentfernung bei Stauungssteinen.

Nephroprotektive Maßnahmen: RR-Ziel <130/80 mmHg (ACE-Hemmer/Sartan als Erstlinien – reduzieren Proteinurie und verlangsamen GFR-Verlust). SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin, Empagliflozin – nephroprotektiv unabhängig von Diabetes! Neue Standardtherapie ab G3). Kochsalzrestriktion <6 g/Tag. Eiweißrestriktion 0,8 g/kg/Tag bei G4–5.

Medikamentenanpassung: Viele urologische Medikamente sind bei Niereninsuffizienz kontraindiziert oder dosisanpassungsbedürftig: NSAR (vermeiden ab G3!), Allopurinol (Dosisreduktion), Nitrofurantoin (kontraindiziert ab GFR <30), Metformin (kontraindiziert ab GFR <30).

Klinischer Kernpunkt

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Wann zum Nephrologen, wann zum Urologen?

Der Urologe ist zuständig wenn die Ursache der Niereninsuffizienz eine obstruktive Uropathie ist (BPH mit Restharn, Harnleitersteine, Harnleiterstenose, Refluxnephropathie) – hier kann die operative Beseitigung der Obstruktion die Nierenfunktion oft stabilisieren oder sogar verbessern. Der Nephrologe übernimmt bei parenchymatösen Ursachen (diabetische Nephropathie, Glomerulonephritis, hypertensive Nephropathie) und ab Stadium G4 (GFR unter 30) zur Dialysevorbereitung und Transplantationsplanung. In der Praxis ist die enge Zusammenarbeit beider Fachdisziplinen entscheidend: Viele Patienten haben sowohl urologische als auch nephrologische Ursachen (z.B. BPH plus diabetische Nephropathie). Die Shunt-Anlage für die Hämodialyse sollte frühzeitig (ab GFR unter 20) geplant werden – ein funktionierender AV-Shunt braucht sechs bis acht Wochen Reifungszeit.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.