Finasterid blockiert das Enzym 5-Alpha-Reduktase Typ II, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT ist der Haupttreiber für Prostatawachstum und androgenetischen Haarausfall. Zwei Dosierungen für zwei Indikationen:
5mg (Proscar®) – bei BPH
Verkleinert die Prostata über 6–12 Monate um 20–30%. Senkt das Risiko für Harnverhalt und BPH-OP. Oft in Kombination mit
Tamsulosin (Duodart®). Wirkeintritt langsam: 3–6 Monate für spürbare Besserung. Kassenleistung.
1mg (Propecia®) – bei Haarausfall
Stoppt androgenetische Alopezie bei 80% der Männer, Neuwachstum bei ~50%. Muss dauerhaft eingenommen werden – nach Absetzen fallen die Haare wieder aus. Selbstzahler (keine Kassenleistung), als Generikum günstig (~15€/Monat).
Die meisten Männer (92–95%) vertragen Finasterid gut. Mögliche Nebenwirkungen:
LibidoverlustVermindertes sexuelles Interesse
5–8%
Erektile DysfunktionSchwierigkeiten, eine Erektion zu erreichen
3–5%
Vermindertes EjakulatvolumenWeniger Samenflüssigkeit
3–4%
Gynäkomastie (Brustvergrößerung)Empfindlichkeit/Schwellung der Brust
1–2%
Diese Nebenwirkungen bilden sich bei Absetzen in der Regel vollständig zurück (innerhalb von Wochen bis Monaten).
Ein kontroverses Thema
Einige Patienten berichten über anhaltende sexuelle, neurologische und psychische Beschwerden NACH dem Absetzen von Finasterid – teilweise über Monate bis Jahre. Dazu gehören: persistierende ED, Libidoverlust, Anorgasmie, kognitive Einschränkungen (Brainfog), Depressionen, Schlafstörungen, Muskelabbau. Die Existenz des PFS wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert: Es gibt keine randomisierten Studien die es eindeutig belegen, aber zunehmend Fallserien und Beobachtungsstudien. Nocebo-Effekte (Nebenwirkungen durch Erwartungshaltung) spielen nachweislich eine Rolle. Die EMA und FDA haben Warnhinweise zu persistierenden sexuellen NW in die Fachinformation aufgenommen.
Empfehlung: Jeder Patient sollte VOR Therapiebeginn über mögliche sexuelle Nebenwirkungen aufgeklärt werden – und wissen, dass diese in seltenen Fällen nach Absetzen anhalten können. Wer bereits unter Depressionen oder Angststörungen leidet, sollte dies besonders sorgfältig mit dem Arzt besprechen.