
Häufigkeit: 1:400–600 Geburten, häufigste Nierenfehlbildung. Die unteren Pole beider Nieren sind durch eine Gewebsbrücke (Isthmus) vor der Aorta verbunden. Die Nieren liegen tiefer als normal (Isthmus verhindert den Aszensus am A. mesenterica inferior). 90% Fusion am Unterpol, selten am Oberpol.
Assoziierte Probleme: Nierenbeckenabgangsstenose (UPJ-Obstruktion, 30% – durch den anomalen Harnleiterabgang). Urolithiasis (20% – Harnstase durch abnorme Drainage). Vesikoureteraler Reflux (häufiger als in der Normalbevölkerung). HWI (durch Stase und Reflux). Erhöhtes Risiko für Wilms-Tumor (bei Kindern) und Nierenzellkarzinom (bei Erwachsenen). Turner-Syndrom: Hufeisenniere in 7% assoziiert.
Diagnostik: Sonografie (Isthmus vor der Aorta sichtbar, tiefe Lage, vertikal orientierte Nierenachsen). CT mit KM: Gefäßanatomie (Varianten! – multiple Nierenarterien aus Aorta und A. iliaca), Harnleiter-Verlauf, Steinlokalistaion. MAG3-Szintigraphie bei V.a. Obstruktion.
Therapie: Die Hufeisenniere selbst bedarf keiner Therapie – nur die Komplikationen. Steine: URS (flexibel), PCNL (Zugang muss an anomale Anatomie angepasst werden – oberer Kelchzugang oft nötig). Pyeloplastik bei UPJ-Stenose (laparoskopisch/robotisch mit transmesenterialer Technik). Die Isthmusdurchtrennung wird heute nicht mehr routinemäßig empfohlen.
Operative Eingriffe an der Hufeisenniere erfordern eine sorgfältige präoperative Planung der Gefäßanatomie. Die arterielle Versorgung ist variabel: Multiple Nierenarterien aus der Aorta und den Iliakalgefäßen sind häufig – eine CT-Angiografie vor jeder geplanten OP ist obligat. Bei Steinbehandlung: Die URS (Ureterorenoskopie) ist meist unkompliziert, da der Harnleiter normal verläuft. Die PCNL erfordert dagegen eine angepasste Zugangsplanung – der obere Kelchzugang wird bevorzugt, da die Niere tiefer und medialer liegt als normal. Die ESWL hat bei Hufeisenniere schlechtere Ergebnisse (Fragmente werden wegen des veränderten Kelch-Abflusswinkels schlecht ausgeschieden). Bei Nierenbeckenabgangsstenose (30%): Die Pyeloplastik muss die anomale Gefäßversorgung und den atypischen Harnleiterverlauf berücksichtigen – Erfahrung des Operateurs ist entscheidend. Die routinemäßige Isthmusdurchtrennung (Symphysiotomie) wird heute nicht mehr empfohlen.