Niere

Nierenbeckenabgangsstenose (NBAS)

Häufigste obstruktive Uropathie der Kindheit.
📅 Aktualisiert: April 2026

Überblick

Häufigste angeborene obstruktive Uropathie (1:500–1.500). Verengung am Übergang Nierenbecken→Harnleiter. Oft pränatal durch Hydronephrose entdeckt. Ursache: apertistaltisches Segment oder aberrierendes Polgefäß (30%).

Therapie

MAG3-Szintigraphie entscheidet: OP bei Symptomen, zunehmender Hydronephrose oder Funktionsverlust (<40% Seitenfunktion). Pyeloplastik nach Anderson-Hynes (offen/roboterassistiert) – Erfolgsrate >95%. Milde Befunde bei Kindern: Beobachtung.

Ursachen und Diagnostik

Ursachen: Intrinsisch: Segmentale Aperistaltik des Nierenbeckens (häufigste Ursache – angeborene Wandhypoplasie). Extrinsisch: kreuzende untere Polgefäße komprimieren den Nierenbeckenabgang (30% der Fälle). Sekundär: Z.n. Steinbehandlung, Entzündung, Narbenbildung.

Diagnostik: Sonografie: Hydronephrose mit dilatiertem Nierenbecken aber normalem Harnleiter (die Erweiterung hört am Nierenbeckenabgang auf!). MAG3-Szintigraphie mit Furosemid-Belastung (Goldstandard der Funktionsdiagnostik): verzögerter Abfluss nach Furosemid-Gabe + quantitative Seitenanteilung. CT-Angiografie: zeigt kreuzende Gefäße (wichtig für OP-Planung). MR-Urographie bei Kindern (strahlenfrei).

Therapie

OP-Indikation: Symptomatische Stenose (Flankenschmerzen, v.a. nach Trinken), Funktionsverlust der betroffenen Niere (Seitenanteil <40%), Stauung mit rezidivierenden Infekten oder Steinen, zunehmende Hydronephrose bei Kindern.

Pyeloplastik (Anderson-Hynes): Goldstandard. Resektion des stenotischen Segments, spatulierte Reanastomose (Nierenbecken an Harnleiter). Heute laparoskopisch oder robotisch. Erfolgsrate >95%. Bei kreuzenden Gefäßen: Anastomose VOR dem Gefäß (Anteroposition). DJ-Stent für 4–6 Wochen postoperativ. Kinder: offene Pyeloplastik immer noch Standard bei Säuglingen.

Klinischer Kernpunkt

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Sonderfall Erwachsene

Die Nierenbeckenabgangsstenose wird zunehmend auch bei Erwachsenen diagnostiziert – oft als Zufallsbefund bei der Abklärung unklarer Flankenschmerzen. Die Symptome unterscheiden sich von der kindlichen Form: intermittierende Flankenkoliken (typisch nach viel Trinken – die sogenannte Dietl-Krise), dumpfe Flankenschmerzen, rezidivierende Harnwegsinfekte oder Steinbildung im dilatierten Nierenbecken. Die Pyeloplastik nach Anderson-Hynes ist auch beim Erwachsenen der Goldstandard mit einer Erfolgsrate über 95%. Heute wird sie überwiegend laparoskopisch oder roboterassistiert durchgeführt. Bei kreuzenden Gefäßen (30% der Fälle) wird die Anastomose vor dem Gefäß platziert (Anteroposition). DJ-Stent für vier bis sechs Wochen postoperativ, Kontroll-Szintigraphie nach drei Monaten.

Endopyelotomie als Alternative

Die endoskopische Endopyelotomie (Schlitzung der Stenose von innen per URS oder perkutan) ist eine minimalinvasivere Alternative zur Pyeloplastik, hat aber niedrigere Langzeit-Erfolgsraten (65–80% vs. 95% bei Pyeloplastik). Indikation: kurze Stenose (<2 cm), keine kreuzenden Gefäße (Cave: Blutung bei versehentlicher Durchtrennung einer kreuzenden Unterpolvene!), sekundäre Stenose nach vorheriger Pyeloplastik. Kontraindikation: kreuzende Gefäße (CT-Angio obligat!), ausgeprägte Hydronephrose, Nierenfunktion unter 25% auf der betroffenen Seite. Bei Säuglingen und Kindern: offene oder robotische Pyeloplastik bleibt der Goldstandard wegen der besten Langzeitergebnisse.

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Nächste Schritte

⚠️ Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer einen Facharzt für Urologie. Die Inhalte wurden sorgfältig auf Basis aktueller Leitlinien und Fachliteratur erstellt, eine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität kann nicht übernommen werden. Keine Haftung für Schäden durch Selbstmedikation. Letzte inhaltliche Prüfung: April 2026.