Grad I (50%): Kontusion (Prellmarke) oder subkapsuläres Hämatom. Kein Parenchymriss. Konservativ. Grad II: Parenchymriss <1 cm, kein Kelch/Becken-Beteiligung. Konservativ. Grad III: Parenchymriss >1 cm ohne Urinaustritt. Meist konservativ, engmaschig. Grad IV: Riss ins Nierenbecken (Urinleckage), Gefäßverletzung segmental. Oft interventionell (Angioembolisation, DJ-Stent). Grad V: Zertrümmerniere (shattered kidney) oder Nierenstielverletzung (Abriss A./V. renalis). Notfall-OP (Nephrektomie oder Rekonstruktion).
Konservativ (Grad I–III, hämodynamisch stabil): Bettruhe, Monitoring (Vitalzeichen, Hb alle 6h), Bildgebungskontrolle nach 48–72h. 90% aller Nierentraumata können konservativ behandelt werden. Sportkarenz: 6 Wochen.
Interventionell (Grad IV): Selektive Angioembolisation bei aktiver Blutung (interventionelle Radiologie – organerhaltend!). DJ-Stent bei Urinleckage. CT-gesteuerte Drainage bei Urinom.
OP-Indikation (Notfall): Hämodynamische Instabilität trotz Volumensubstitution, expandierendes retroperitoneales Hämatom, Nierenstielabriß, Grad V mit aktiver Blutung. Ziel: Organerhalt wenn möglich (Naht, partielle Nephrektomie), Nephrektomie als Ultima Ratio. Explorationsentscheidung im OP, nicht vorab.
Dieser Artikel wird kontinuierlich erweitert. Für aktuelle Leitlinien-Empfehlungen und weiterführende Informationen besuchen Sie die verlinkten Fachartikel oder nutzen Sie unsere Suchfunktion.
Nach konservativ behandeltem Nierentrauma (Grad I–III) erfolgt eine Bildgebungskontrolle (CT oder Ultraschall) nach 48–72 Stunden und nach zwei bis vier Wochen. Sportkarenz für sechs Wochen. Langfristige Komplikationen: Pseudoaneurysma der Nierenarterie (verzögerte Blutung Tage bis Wochen nach dem Trauma – bei Makrohämaturie sofort CT-Angio!), Urinom (Urinansammlung bei Nierenbeckenverletzung – CT-gesteuerte Drainage oder DJ-Stent), arteriovenöse Fistel (seltene Spätkomplikation – Hämaturie und Hypertonie), posttraumatische Hypertonie (renale Ischämie, Page-Kidney durch Kapselkompression). Bei Grad IV–V-Verletzungen: engmaschigere Nachsorge mit regelmäßiger Bildgebung und Blutdruckkontrolle für mindestens ein Jahr. Kontrollsonografie der Nierengröße (Schrumpfniere?).
Die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Therapie hat sich in den letzten Jahren deutlich zum Organerhalt verschoben. Grad I–III (85% aller Nierentraumata): konservative Therapie mit Bettruhe, Monitoring (Vitalzeichen, Hämoglobin alle sechs Stunden in den ersten 48 Stunden) und Bildgebungskontrolle nach 48–72 Stunden. 90% dieser Patienten können ohne Operation behandelt werden. Bei Grad IV mit aktiver Blutung: selektive Angioembolisation durch die interventionelle Radiologie – organerhaltend und hochwirksam. Bei Urinleckage aus dem Nierenbecken: DJ-Stent-Einlage. Die OP-Indikation beschränkt sich auf hämodynamische Instabilität trotz Volumengabe, expandierendes retroperitoneales Hämatom und Grad-V-Verletzungen (Zertrümmerniere, Gefäßstielabriss).