Verfahren
TESE (Testikuläre Spermienextraktion) und Mikro-TESE sind operative Verfahren zur Gewinnung von Spermien direkt aus dem Hodengewebe bei Azoospermie (keine Spermien im Ejakulat). Indikationen: Nicht-obstruktive Azoospermie (NOA – gestörte Spermienproduktion, z.B. Klinefelter, Kryptorchismus, nach Chemotherapie), obstruktive Azoospermie (OA – Verschluss der Samenwege, z.B. nach Vasektomie, CBAVD). Die gewonnenen Spermien werden für ICSI (Einspritzen eines Spermiums direkt in die Eizelle) verwendet.
TESE vs. Mikro-TESE
Konventionelle TESE
Multifokale Biopsien aus dem Hodengewebe. Lokalanästhesie oder Kurznarkose. 15–30 Min. Erfolgsrate bei OA: >90%. Bei NOA: 30–40%.
Mikro-TESE (Goldstandard bei NOA)
Unter OP-Mikroskop (20–25-fache Vergrößerung) werden erweiterte Samenkanälchen gezielt biopsiert. Vollnarkose, 2–3h. Erfolgsrate bei NOA: 40–60% (deutlich höher als konventionelle TESE). Weniger Gewebeverlust, bessere Testosteron-Erhaltung.
Praktische Aspekte
Kryokonservierung: Gewonnene Spermien werden eingefroren und können für mehrere ICSI-Zyklen verwendet werden. Timing: Mikro-TESE idealerweise VOR FSH-Stimulation oder parallel zur IVF-Stimulation der Partnerin. Hormonelles Priming: hCG, Clomifen oder FSH über 3–6 Monate vor Mikro-TESE kann Spermienausbeute verbessern (Evidenz begrenzt). Klinefelter (47,XXY): Mikro-TESE findet in 30–50% Spermien trotz stark eingeschränkter Spermatogenese. Postoperativ: 1 Woche körperliche Schonung, Tragen eines Suspensoriums, Testosteron-Kontrolle nach 3 Monaten.
TESE vs. Mikro-TESE
TESE (Testikuläre Spermienextraktion): Offene Hodenbiopsie an 3–6 Stellen, Gewebestücke werden im Labor aufbereitet. Indikation: obstruktive Azoospermie (z.B. nach Vasektomie, CBAVD). Spermienextraktionsrate bei obstruktiver Azoospermie: >90%. Einfacherer Eingriff, aber: bei nicht-obstruktiver Azoospermie nur 30–40% Erfolg.
Mikro-TESE (mikrochirurgische TESE): Unter dem Operationsmikroskop (20–25× Vergrößerung) wird das Hodengewebe systematisch durchsucht. Vergrößerte, opake Tubuli (die eher Spermien enthalten) werden gezielt entnommen. Indikation: nicht-obstruktive Azoospermie (Sertoli-Cell-Only, Maturationsstopp, schwere Hypospermatogenese). Spermienextraktionsrate: 40–60% (deutlich besser als konventionelle TESE mit 30–40% bei NOA). Weniger Gewebeverlust → weniger Testosteron-Abfall postoperativ.
Praktische Aspekte
Kryokonservierung: Gewonnene Spermien werden eingefroren und für ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) verwendet. Koordination mit dem Kinderwunschzentrum! Idealerweise TESE/Mikro-TESE VOR dem ICSI-Zyklus der Partnerin (um zu wissen, ob Spermien vorhanden sind, bevor die Partnerin die belastende Stimulationsbehandlung durchmacht).
Hormonelle Optimierung vor Mikro-TESE: Bei Hypogonadismus: HCG-Stimulation (1.500–3.000 IE 3× pro Woche) für 3–6 Monate VOR der Mikro-TESE kann die Spermienextraktionsrate verbessern. Testosteron-Substitution vorher absetzen (supprimiert Spermatogenese!). FSH-Stimulation (75–150 IE 3× pro Woche) zusätzlich bei niedrigem FSH.
Ergebnis-Prognose: Günstig: FSH <15 IU/l, Hodenvolumen >10 ml, Hypospermatogenese in der Histologie. Ungünstig: FSH >30 IU/l, Hodenvolumen <5 ml, komplettes Sertoli-Cell-Only-Syndrom, Y-Mikrodeletion AZFa/b (nahezu 0% Spermienfund). Y-Mikrodeletion AZFc: 50–70% Spermien bei Mikro-TESE.
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